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Erinnerungen entführter ukrainischer Kinder

Artem, 15 Jahre


Artem stammt aus Cherson. Als die Stadt 2022 von russischen Truppen besetzt wurde, verschlechterten sich die Lebensbedingungen für die Menschen dort dramatisch. Bald wurde das Essen knapp.

In Schneeregen und Kälte stand Artem stundenlang für das Nötigste an – und kehrte dennoch oft nach Hause zurück, ohne auch nur einen Liter Milch bekommen zu haben.

Die russischen Soldaten riefen von ihren Panzern herab: Man solle dankbar sein. Sie seien gekommen, um die Stadt zu retten, und würden für immer bleiben. Die ukrainische Armee hingegen werde jeden töten, der auch nur Lebensmittel von den Russen angenommen habe: Männer, Frauen und Kinder.

Artems Mutter wurde von den Besatzern massiv unter Druck gesetzt. Sie drohten ihr: Man werde ihr das Sorgerecht entziehen, wenn sie ihren Sohn nicht in eine russische Propagandaschule schicke.

Bald darauf wurde sie zudem gedrängt, ihn für ein von Russland organisiertes Sommerlager anzumelden. Der Druck und die Angst wurden so groß, dass Artems Mutter schließlich zustimmte, ihn für einen – wie ihr gesagt wurde – »zweiwöchigen Aufenthalt« wegzuschicken.

Es wurden Monate. Artems Zeit in den Lagern »Freundschaft« und »Sonnenstrahl« auf der besetzten Krim war von Furcht und Widersprüchen geprägt. Morgens mussten die Kinder die russische Hymne singen. Ukrainisch zu sprechen war verboten, Rauchen hingegen wurde toleriert. 

Kinder wurden ohne Erklärung bestraft, teils mit roher Gewalt. Artem sah Dinge, die kein Kind erleben sollte: ein Mädchen, übersät mit blauen Flecken, ein anderes mit aufgeschnittenen Handgelenken, nachdem es versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. 

Nach langen Monaten der Nötigung und der Angst wurde Artem schließlich im Zuge einer Rettungsaktion befreit. Endlich kehrte er zurück in die Arme seiner Familie in Cherson, das die ukrainische Armee inzwischen befreit hatte.