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Konsum ohne Kinderarbeit- Tipps für Verbraucher*innen

Weltweit arbeiten Mädchen und Jungen und stellen Produkte für den Weltmarkt her: Ausbeuterische Kinderarbeit steckt in Lebensmitteln, Kosmetik, Autos, Haushaltsgeräten oder Mode und Heimtextilien. terre des hommes bittet Sie: Greifen Sie wo immer möglich zu Produkten aus dem fairen Handel oder mit einem seriösen Sozialsiegel. So können Sie dazu beitragen, Kinderarbeit in Lieferketten zu beenden. Wir geben Ihnen einen Überblick, welche Möglichkeiten es gibt.


Häufig gestellte Fragen

»Was ist eine Lieferkette?«

Das Wort »Lieferkette« bezeichnet alle Arbeiten, die nötig sind, um ein Produkt herzustellen: Vom Rohstoff über die Weiterverarbeitung bis zum Endprodukt arbeiten verschiedene Menschen und Unternehmen. Diese »Kette« wird durch Verträge zusammengehalten, die ein Unternehmen mit einem Zulieferer abschließt. Bei vielen Produkten sind sehr viele Unternehmen in mehreren Ländern beteiligt:
Für die Herstellung einer Jeans etwa braucht es nicht nur den Rohstoff Baumwolle, sondern auch die Zutaten für die blaue Farbe und für Knöpfe und Reißverschlüsse. Diese Rohstoffe müssen angebaut (Baumwolle), gewonnen (Farbe) oder geschürft werden (Metalle). Baumwolle muss entkernt, gesäubert, gesponnen, gewebt und gefärbt werden. Chemiebetriebe müssen Rohstoffe für Farben einkaufen und mischen. Knöpfe und Reißverschlüsse müssen produziert werden. Alles muss zur richtigen Zeit an die richtigen Orte transportiert werden, damit am Ende alle Zutaten in einer Näherei landen, in der die Jeans genäht wird. Je nach Mode werden Jeans nach dem Nähen noch behandelt, etwa gewaschen oder gebleicht. Eine Jeans geht durch Tausende Hände und legt mehrere Zehntausende Kilometer zurück, bevor sie verkauft wird.

                                                                                  (Bitte anklicken, um Grafik zu vergrößern)

Bei komplexeren Produkten, wie etwa einem Computer oder einem Auto, werden Tausende Bestandteile gebraucht, die Lieferkette hat dementsprechend viele Beteiligte und Stationen und ist damit sehr komplex. Häufig kennen die Hersteller*innen oder Händler*innen der Endprodukte ihre Lieferkette nur bis zur ersten oder zweiten Stufe. Das Modehaus kennt also die Marke oder die Agenten, bei dem es Jeans bestellt hat. Vielleicht weiß es auch, in welchem Land die Marke oder die Agentur fertigen lassen. Unter welchen Bedingungen die Baumwolle angebaut und die Metalle für die Knöpfe geschürft wurden, liegt für das Modehaus zunächst im Dunkeln. Ein*e Hersteller*in oder ein Handelsunternehmen muss sich aktiv bemühen, die Lieferkette der Produkte zu kennen. Das ist der erste Schritt auf dem Weg, Menschenrechte in der Lieferkette zu achten. Große Marken und Modeunternehmen haben das bereits getan, manche veröffentlichen die Namen ihrer direkten Zulieferer.

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, ist der gesamte Lebenszyklus eines Produktes wichtig:
Dazu gehört die Lieferkette, die Zeit des Gebrauchs eines Produktes und die Entsorgung: Eine Jeans wird mittels einer langen Lieferkette hergestellt, dann von eine*r Konsument*in getragen und irgendwann weggeworfen. Entweder landet die Jeans in einer Müllverbrennungsanlage oder einem Container für Altkleider. Kleiderhändler*innen verkaufen sie weiter und sie wird erneut getragen. Auch bei der Entsorgung kommt es zu menschenrechtlichen Risiken, wie etwa zu Kinderarbeit: Etwa 25 bis 30 Prozent des in Europa anfallenden Elektroschrotts wird illegal exportiert und zum Beispiel in afrikanischen Ländern ohne jegliche Schutzvorkehrungen recycelt. Tausende Kinder arbeiten in solchen Recycling-Betrieben und vergiften sich dabei mit Blei, vor allem aus Blei-Säure-Batterien aus Autos.

»Ich kaufe Marken und Designer, da ist doch keine Kinderarbeit drin?«

Viele Menschen glauben, nur in Billigprodukten stecke Kinderarbeit. Ein hoher Endpreis ist keine Garantie dafür, dass ein Produkt unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und ohne Kinderarbeit hergestellt wird: Bei Mode etwa kommen teure Designermodelle und billige Ware für Discounter aus denselben Fabriken. Die Näher*innen dort bekommen denselben niedrigen Lohn, ob sie nun ein teures Designerstück nähen oder ein preiswertes T-Shirt. Die beste und teuerste Baumwolle der Welt wächst in Ägypten – auch dort arbeiten Kinder auf Baumwollplantagen. Kinder ernten Kaffee, der bei uns sehr teuer ist, sie schürfen Rohstoffe für teure Handys und Luxuslimousinen. Sichere Hinweise, dass Produkte ohne ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt werden, geben weder Marken, noch Verkaufspreise noch Versprechungen in der Werbung, sondern seriöse Sozialsiegel und der faire Handel.

»Wie viele Kinder arbeiten für unseren Konsum?«

Weltweit arbeiten etwa 152 Millionen Kinder, 73 Millionen von ihnen unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen. Im Export, also für Waren, die wir hier kaufen können, arbeiten weniger als zehn Prozent aller Kinderarbeiter*innen. Diese Arbeit in Exportfabriken oder auf kommerziellen Plantagen gehört zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit, wie sie die Konvention 189 der Internationalen Arbeitsorganisation definiert. Denn sie gefährdet die Gesundheit und Sicherheit der Kinder: Sie kommen zum Beispiel mit Giften in Berührung (Pestizide oder Stäube), arbeiten viel zu lange und viel zu schwer, hantieren mit scharfem Werkzeug oder an gefährlichen Maschinen oder sind Belästigungen ausgesetzt.

»Muss Kinderarbeit verboten werden?«

Die Ausbeutung von Kindern ist bereits weltweit verboten. Jedes Kind auf der Welt hat das Recht, vor Ausbeutung geschützt zu werden, so legt es Artikel 32 der UN-Kinderrechtskonvention fest. Außerdem haben alle Staaten der Welt die Konvention 182 der Internationalen Arbeitsorganisation unterschrieben, die die schlimmsten Formen der Kinderarbeit verbietet. Allerdings wird das Verbot der Ausbeutung nicht entschieden genug umgesetzt (siehe nächste Frage).

terre des hommes setzt sich dafür ein, dass diese schlimmsten Formen der Kinderarbeit umgehend beendet werden. terre des hommes ist überzeugt, dass Arbeit, die die Rechte eines Kindes nicht verletzt, auch nicht verboten werden muss: Diese Arbeit muss leicht sein, sie darf den Schulbesuch nicht behindern, und sie muss Kindern und Jugendlichen Zeit zum Spielen und Erholen lassen. terre des hommes unterstützt arbeitende Kinder dabei, sich zusammenzuschließen und gemeinsam für ihre Anliegen einzutreten. Arbeitende Kinder wissen genau, welche Arbeit für sie selbst in Ordnung ist und können sich gemeinsam besser gegen Ausbeutung wehren. Das zeigen die Ergebnisse des Projektes Dialogue Works, bei dem terre des hommes weltweit Kinderarbeiter*innen dabei unterstützt, ihre Forderungen gegenüber Politik und Wirtschaft vorzubringen.

»Wovon sollen Kinder leben, wenn sie nicht mehr arbeiten dürfen?«

Wer die Ausbeutung von Kindern beenden will, darf nicht einfach nur Kinder entlassen. Mädchen und Jungen brauchen eine Alternative, wie zum Beispiel Schul- und Berufsbildung. Deshalb fordert terre des hommes, dass Regierungen und die Entwicklungszusammenarbeit Bildungssysteme stärken: Mehr und besser ausgebildete Lehrer*innen und mehr Schulgebäude sind ebenso notwendig, wie die Abschaffung der Prügelstrafe, ein kostenloses Mittagessen für Kinder aus armen Familien oder Unterricht, der sich an der Lebensrealität der Schulkinder orientiert.

In vielen Ländern gibt es Hilfsprogramme für arme Familien oder Möglichkeiten, für die Bildung der Kinder Unterstützung zu bekommen. terre des hommes-Partnerprojekte helfen Familien arbeitender Kinder: Häufig wissen sie nichts von solchen Möglichkeiten oder werden von Behörden ignoriert. Viele Eltern können zum Beispiel nicht lesen und schreiben und stellen deshalb keine Anträge. Besonders geflüchtete oder staatenlose Kinder und Kinder von Wanderarbeiter*innen müssen zunächst registriert werden, damit Behörden sie überhaupt zur Kenntnis nehmen.

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