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Natursteine

Natursteine sind überall zu finden: als Fliesen in Bädern und Arbeitsplatten in Küchen, als Pflaster auf Terrassen und in Fußgängerzonen, als Grabsteine auf Friedhöfen. Über eine Millionen Tonnen Gestein - Granit, Sand- und Kalkstein, Marmor oder Schiefer - werden allein in Deutschland pro Jahr verbaut. Rund 80 Prozent der Natursteine kommen aus Indien und China, den beiden größten Natursteinproduzenten der Welt.

Kinderarbeit in Steinbrüchen ist eine der schlimmsten Formen der Kinderarbeit und in allen Ländern der Welt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren verboten. Dennoch schuften zum Beispiel in Indien Mädchen und Jungen vor allem in den unzähligen illegalen und nicht registrierten kleineren Steinbrüchen oder bei der Weiterverarbeitung. Solche Steine werden an große Betriebe weiter verkauft, die den Weltmarkt beliefern. Kinder schlagen Steine in sengender Hitze oder zerkleinern größere Blöcke mit der Hand. Die Unfallgefahr durch herabfallende Steine, Abstürze oder scharfe und zu schwere Werkzeuge ist sehr groß. Kinder wie Erwachsene atmen Steinstaub ein, der die tödliche sogenannte Staublunge verursacht. Die Lebenserwartung von Arbeitern in Steinbrüchen im indischen Rajasthan liegt bei etwa 40 Jahren.

Weitere Probleme bei der Gewinnung von Natursteinen
Auch in legalen Steinbrüchen sind die Einhaltung der grundlegenden Arbeitsrechte und die Arbeitssicherheit in vielen Ländern nicht ausreichend. Immer wieder berichten zivilgesellschaftliche Organisationen etwa von vielen Unfalltoten oder Schuldknechtschaft in indischen Steinbrüchen. Auch Vertreibung von Anwohnern oder Schädigung ihrer Lebensgrundlage werden aus allen Teilen der Welt berichtet, etwa durch Abholzung oder Abkippen von nicht benötigten Steinen oder Stäuben auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Steinbrüche zerstören zum Teil ganze Landschaften und können den Wasserhaushalt einer Region verändern. Die biologische Vielfalt sinkt. Natursteine sind langlebig, der Transport der Steine mit Schiffen um die halbe Welt erzeugt allerdings zusätzliche CO2-Belastung. In stillgelegten Steinbrüchen können Lebensräume für spezialisierte Arten entstehen.

Alternativen für Verbraucher*innen
Die öffentliche Hand ist bei der fairen Beschaffung von Natursteinen besonders gefragt. Städte und Gemeinden können seit 2009 bei ihren Ausschreibungen auch soziale und ökologische Kriterien aufnehmen. Für die Pflasterung von Plätzen oder Fußgängerzonen, den Bau von Kindergärten und Schulen oder anderen öffentlichen Gebäuden können Städte und Gemeinden zum Beispiel das Verbot von Kinderarbeit und die Einhaltung grundlegender Arbeitsrechte in ihre Ausschreibung mit aufnehmen. Aber auch für den privaten Verbraucher gibt es Alternativen:

Fair Stone
Fair Stone zertifiziert Steinbrüche vor allem in China, Vietnam und Indien und kontrolliert sie fortlaufend. Natursteine führen das Fair Stone Siegel, wenn:

  • die Steinimporteure eine Garantieerklärung ihrer Zulieferer vorlegen
  • in den Steinbrüchen und weiterverarbeitenden Betrieben grundlegende Arbeitsrechte eingehalten werden, wie das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit
  • wenigstens gesetzliche Mindestlöhne gezahlt werden
  • Gesundheits- und Arbeitsschutzmaßnahmen umgesetzt werden
  • die Betriebe nach Ablauf einer Umstellungsphase eine umfassende Prüfung durchlaufen

Fairstone wurde von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen als Zertifizierungsstelle für Grabsteine anerkennt. In NRW und Niedersachsen können Gemeinden ihre Friedhofsordnungen so anpassen, dass nur Grabsteine ohne Kinderarbeit aufgestellt werden dürfen. Händler und weitere Informationen: www.fairstone.org

Xertifix
Der Verein Xertifix ist ein Zusammenschluss von Aktionsgruppen der Gewerkschaft IG BAU und Steinmetzen. Der Standard von Xertifix verlangt die Einhaltung der grundlegenden Arbeitsrechte, darunter das Verbot von Kinderarbeit und Sklaverei, die Zahlung gesetzlicher Mindestlöhne und Gesundheits- und Arbeitsschutzmaßnahmen. Steinbrüche und weiterverarbeitende Betriebe in Indien, China und Vietnam werden zweimal pro Jahr überprüft. Händler und weitere Informationen: www.xertifix.de

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