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Ökologische Kinderrechte stärken in Indien, Kambodscha, Peru und Mosambik

Projektbeschreibung

Projektname: Ökologische Kinderrechte, diverse Projekte

Namen der Partnerorganisationen: Aman (Indien), Santi Sena (Kambodscha), Pratec (Peru), Mahlahle (Mosambik)

Projektländer: Indien, Kambodscha, Peru und Mosambik

Laufzeit/Dauer: Unterschiedliche Projektlaufzeiten, Evaluation: ein Jahr 

Zielgruppe: Direkte Zielgruppen der Projekte umfassten 7.500 Kinder und Jugendliche, die indirekten Zielgruppen 2.150 Kinder und Jugendliche

Finanzvolumen: Für die vier Projekte insgesamt 3.377.227,89 Euro

Kofinanzierung: Projektabhängig zwischen 75 und 90 % vom BMZ

 

Problemstellung und Projektansatz

Der voranschreitende Klimawandel geht global mit Biodiversitätsverlust und Menschenrechtsverletzungen einher. Die negativen Effekte des Klimawandels sind insbesondere dort spürbar, wo multidimensionale Problemlagen vorherrschen; darunter z. B. die Abhängigkeit von der Agrarwirtschaft als klima-sensitive Einkommensquellen oder gewalttätige Konflikte. Vor diesem Hintergrund nahmen terre des hommes (tdh) und seine Partnerorganisationen 2013, 2018 als auch 2023 sogenannte ÖKR-Projekte (ökologische Kinderrechte-Projekte) in die strategischen Ziele für tdh auf, die jeweils der gemeinsamen Projekt- und Programmarbeit einen Rahmen für fünf Jahre geben.

ÖKR-Projekte fokussieren die Wechselwirkungen und Abhängigkeiten zwischen Kinderrechten, Generationengerechtigkeit und Umweltschutz. Im Rahmen dieser Ziele unterstütz(t)en tdh und Partnerorganisationen Kinder, Jugendliche und ihre Gemeinden darin, sich in umweltpolitische Entscheidungsprozesse einzubringen und zum Umwelt- und Biodiversitätsschutz beizutragen.

Diese komplexe Projektarbeit wurde in einer 2023 durchgeführten, umfassenden Ex-Post-Evaluierung reflektiert. Dazu wurden vier global verteilte, bereits abgeschlossene und vom BMZ kofinanzierte ÖKR-Projekte und ihre Wirkungen auf Projekt- und struktureller Ebene analysiert. In Anlehnung an die BMZ-Leitlinien und die DeGeval-Standards für Evaluierungen der Entwicklungszusammenarbeit verfolgte die Ex-Post-Evaluierung zwei Hauptzwecke:

1) Erkenntnis- und Lernfunktion sowie
2) Steuerungsfunktion.

Die Evaluierung sollte aufzeigen, welche Komponenten der vier Projekte zielführend waren und welche Verbesserungsbedarf aufweisen (Erkenntnisfunktion). So soll ein offener Dialog über erfolgsversprechende ÖKR-Projekte zwischen tdh, Partner*innen und Vertreter*innen aus Politik und Fachöffentlichkeit entstehen, der gemeinsames Lernen – sowohl „learning from good practice“ als auch „learning from failure“ – anstößt (Lernfunktion). Die beteiligten Institutionen sowie die Zivilgesellschaft im Allgemeinen und das BMZ als Geberinstitution erlangen durch die Ex-Post-Evaluierung ein besseres Verständnis dieses hochaktuellen Themas, dass die internationale Zusammenarbeit in den nächsten Jahrzehnten prägen wird. Darauf aufbauend können tdh und Partnerorganisationen durch Reproduktion erfolgsversprechender und durch Mitigation erfolgslimitierender Projektkomponenten die Wirksamkeit und Reichweite künftiger ÖKR-Projekte steigern (Steuerungsfunktion).

Evaluierungsdurchführung

In den vier Ländern bewertete jeweils ein Evaluierungsteam, bestehend aus zwei Personen, die jeweiligen Projekte. Ein Global Lead Consultant fungierte als Gesamtleiter des Teams. Zunächst erstellten alle vier Teams sogenannte Deskstudies, die der Lead Consultant zu einer globalen Deskstudy zusammenfasste, der die vier Einzelberichte zusammenfasste und die vorläufigen Ergebnisse, die Methoden der Datenerhebung und die individuellen Grenzen der Vorhaben verglich.

Es folgte die Datenerhebung in den vier Projektgebieten zwischen Juli und September 2023. In Indien nahmen insgesamt 213 Personen an den Erhebungen teil, in Kambodscha 114, in Peru 212, in Mosambik 508. Die Teilnehmenden wurden mithilfe unterschiedlicher Methoden in die Erhebungen eingebunden: durch Gruppendiskussionen, Interviews oder (Online-)Befragungen. Entsprechend der unterschiedlichen Quellen wurden unterschiedliche Möglichkeiten der Datenanalyse angewandt.

Evaluierungsergebnisse und Empfehlungen

Evaluierungsergebnisse

Die Evaluierungsergebnisse zeigen, dass die Interventionslogik der Projekte in allen vier Ländern darauf ausgerichtet ist, zur ökologischen Nachhaltigkeit in den Projektgebieten beizutragen, die Menschen und insbesondere Kinder und Jugendliche einzubeziehen und spezifische Umweltprobleme anzugehen. Sie unterscheiden sich jedoch in ihren individuellen Zielen und Strategien. Das indische Projekt konzentrierte sich auf lokale Umweltprobleme und Verhaltensänderungen, während das Projekt in Kambodscha auf die Widerstandsfähigkeit der Gemeinden und einen besseren Zugang zu Wasser abzielte. Das peruanische Projekt fokussiert zunächst Lobbyarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierungskampagnen und entwickelte später neue Strategien, während Mosambik den Ansatz des gemeindebasierten Managements natürlicher Ressourcen verfolgte.

Folgende Erkenntnisse der Ex-Post-Evaluierung sind von großer Bedeutung für terre des hommes:

  • Empowerment und Advocacy junger Menschen: Jugendliche in Indien, Kambodscha, Peru und Mosambik engagieren sich aktiv für den Umweltschutz und werden zu aktiven Akteur*innen für ökologische Rechte und Wandel.
  • Bedeutung der Umwelterziehung: Die Umwelterziehung spielte eine entscheidende Rolle bei der Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für ökologische Rechte und vermittelte ihnen ein Gefühl der Verantwortung für den Umweltschutz.
  • Erfolg interkultureller Bildung: Interkulturelle Bildung hat sich als sehr zielführend erwiesen bei praktischen und erfahrungsorientierten Methoden, die ein Verständnis für ökologische Rechte vermitteln und positive Handlungen und Einstellungen gegenüber der Natur fördern.
  • Förderung der Rechte der Natur: Anerkennung der Rechte der Natur selbst. Dieser rechtsbasierte Ansatz, wie er in der Rechtsprechung Perus Anwendung findet, kann ein wirksames Instrument zum Schutz von Ökosystemen sein.
  • Anerkennung ökologischer Rechte und indigener Weltanschauungen: In den Projekten wurden die intrinsischen Rechte der Natur und die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Mensch und Umwelt anerkannt. Indigene Weltanschauungen, die besonders im Projekt in Peru hervorgehoben wurden, betonten eine tiefe Verbindung zwischen Kindern und der Umwelt.
  • Befähigung von Jugendlichen und Frauen: Die Projekte führten zu einer stärkeren Beteiligung von Jugendlichen und Frauen an Entscheidungsprozessen, was gesellschaftliche Normen in Frage stellte und ein größeres Engagement für ökologische Nachhaltigkeit förderte.

Empfehlungen der Evaluierung

Auf Grundlage der Evaluierungsergebnisse lassen sich mehrere Schlüsselempfehlungen für die Entwicklung eines globalen ÖKR-Ansatzes bei terre des hommes herausarbeiten. Diese Empfehlungen umfassen einen jugendzentrierten Ansatz, vernetzte Bildung, die ÖKR in formelle und informelle Bildungssysteme integriert, eine interkulturelle Perspektive, die indigene Kulturen respektiert, Eigenverantwortung der Gemeinschaft, in denen Projekte implementiert werden, Wissensaustausch, ein solides Monitoring- und Evaluierungssystem, Nachfolgeplanung, sorgfältige Auswahl lokaler Partner*innen, Ausrichtung auf nachhaltige Entwicklungsziele, politische Lobbyarbeit und politisches Engagement auf globaler und regionaler Ebene. So kann terre des hommes einen umfassenden und wirkungsvollen globalen ÖKR-Ansatz schaffen, der auf vergangenen Erfolgen aufbaut und Herausforderungen effektiv angeht, während es die langfristige Nachhaltigkeit der ÖKR Projekte sicherstellt.

Spezifischere Empfehlungen enthält die Evaluierung mit Blick auf Umweltbildung, die Problematik der Nachfolge in und der Nachhaltigkeit von Strukturen für Kinder und Jugendliche, die Kooperation mit anderen Institutionen wie zum Beispiel Regierungsbehörden.

Die Erkenntnisse aus der Ex-Post-Evaluierung ÖKR werden in den kommenden Jahren dazu beitragen, Projekte, die im Rahmen desstrategischen Ziels 3 (Unterstützung für junge Umweltaktivist*innen) implementiert werden, noch zielführender zu planen und umzusetzen.

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