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Türkei: Stärkung der Kindesschutz-Strukturen

Projektbeschreibung

Projektname: Stärkung der Kindesschutz Strukturen in der Türkei

Projektort (Land, Region, Ort): TürkischeGrenzregion zu Syrien (Hatay, Şanlıurfa, Viranşehir, İstanbul und Diyarbakır)

Projektpartner: STL (Support To Life)

Laufzeit/Dauer: März 2019 – April 2019

Finanzvolumen: € 894.390

Kofinanzierung (Anteil, Sonderinitiative etc.:) 90% Förderanteil durch das BMZ

Zielgruppe: Zielgruppe sind 1.575 Kinder und Jugendliche sowie 2.000 Frauen aus syrischen Flüchtlingsfamilien und armen türkischen Familien in 5 Gemeindezentren, 150 Mitarbeite*innen lokaler Organisationen und Behörden sowie 250 Studierende der Sozialarbeit.

 

Problemstellung/ Projektansatz

Problemstellung und Projektansatz

263.843 syrische Flüchtlinge leben in 25 offiziellen Camps, welche von der Regierung betreut und unterstützt werden. Über 2 Millionen registrierte Flüchtlinge leben außerhalb der Camps, hinzukommen weitere nicht registrierte Flüchtlinge. Nicht in Camps lebende Flüchtlinge sehen sich mit der zunehmenden Überforderung der sozialen und öffentlichen Infrastruktur der Türkei  konfrontiert. Die Ressourcen der Aufnahmegemeinden, der Regierung sowie der Geflüchteten sind nahezu aufgebraucht und ein Ende der Fluchtbewegungen aus Syrien und dem Irak ist aktuell nicht in Sicht. Als ein Resultat nehmen Kämpfe um knappe Ressourcen und soziale Spannungen zwischen den Flüchtlingen und Einheimischen zu. Die politisch angespannte Situation in der Türkei zwischen Kurden und Türken fördert diese Situation, da viele der syrischen Flüchtlinge Kurden sind.

Aufgrund der aktuellen Situation und Perspektivlosigkeit nehmen negative Bewältigungsstrategien wie Kinderarbeit und Kinderheirat laut internationalen Studien und eigenen Beobachtungen zu.

In den Gemeinden steigt die Verwahrlosung von Kindern und Jugendlichen. Symptome für die zunehmenden internen Konflikte sind Gewaltausbrüche, Erosion von soziokulturellen Traditionen und Respektlosigkeit. Zu den ohnehin hohen Zahlen von arbeitenden Kindern in der Türkei (vor allem im Agrarsektor) kommen weitere Kinder syrischer Flüchtlingsfamilien hinzu. Human Rights Watch gibt an, dass bis zu 400.000 Kinder nicht in die Schule gehen und viele von ihnen arbeiten, um die Existenzgrundlage der Familie zu sichern. Flüchtlinge erhalten von der türkischen Regierung keine Arbeitserlaubnis und viele Familien sind daher auf das Einkommen ihrer Kinder angewiesen. Bereits im Jahr 2014 ergaben eigene Untersuchungen der Partnerorganisation, die Programme für arbeitende Kinder im Agrarsektor betreiben, dass zunehmend syrische Kinder in den Arbeitsverhältnissen zu finden seien. Die Zahl ist seitdem noch gestiegen.

Das vorliegende Projekt hat das Ziel Kindesschutz in der Projektregion zu verankern, indem die Kapazitäten im Kindesschutz auf lokaler Ebene (lokale Organisationen, CBOs, Behörden) gestärkt und das Bewusstsein für die Thematik geschärft wird. Neben der Stärkung der Kindesschutz-Strukturen und -Mechanismen sollen Kinder als lokale Akteure wahrgenommen und gefördert werden.

Hierbei wird auf verschiedenen Ebenen angesetzt (Wirkungszusammenhang):

Stufe 1: Bewusstseinsbildung

1.  Sensibilisierung und Weiterbildung zum Thema Kindesschutz mit dem Ziel der Bewusstseinsbildung auf verschiedenen Ebenen in staatlichen Institutionen und Institutionen der Zivilgesellschaft. Best practices werden erarbeitet und untereinander geteilt.

Stufe 2: Verhaltensänderung

2.  Identifizierung von eigenen Kindesschutz-Lücken innerhalb der Institutionen und die Erweiterung des Angebotes um Kindesschutz-Maßnahmen.

3.   Entwicklung von Kindesschutz-Standards und der Erarbeitung einer Kindesschutz-Richtlinie in der implementierenden Organisation, die in einem weiteren Schritt verabschiedet und partizipativ implementiert wird und Verhaltensänderungen bei Mitarbeitenden führen.

Flankierend werden Mitarbeitende sowie Kinder und Jugendliche der Projektregion über Partizipation und Kinderrechte aufgeklärt und dazu ermutigt, die Kindesschutzrichtlinie aktiv mitzugestalten.

 

Evaluierungsdurchführung

Evaluierungsdurchführung

Die Zwischenevaluierung wurde von Dr. Walter Aschmoneit im März 2019 durchgeführt. Zum Einsatz kamen, neben der Dokumentenanalyse und Auswertung vorhandener Daten des Projektpartners, in erster Linie qualitative Methoden, wie Einzel- und Fokus-Gruppeninterviews. Ferner führte er gemeinsam mit den Projektmitarbeiter*innen eine SWOT-Analyse durch.

Die Evaluierung hatte zum Ziel, die bisherigen Projektergebnisse hinsichtlich der DAC-Kriterien Relevanz, Effizienz, Effektivität, Wirkung und Nachhaltigkeit zu untersuchen und festzustellen, ob die Projektergebnisse replizierbar sind. Zudem sollten Empfehlungen für die Restlaufzeit des Projektes bzw. eine mögliche zweite Projektphase ausgesprochen werden.

Evaluierungsergebnis/ Evaluierungsempfehlungen

Evaluierungsergebnisse/ Evaluierungsempfehlungen

Evaluierungsergebnisse

Die Evaluierung bescheinigt dem Projekt sehr gute Fortschritte bei der Implementierung, sowie ein hervorragendes Projekt- und Datenmanagement. In der Partnerorganisation STL sind eine Kindesschutz-Policy sowie ein Code of Conduct implementiert. Ebenso sind Kindesschutz Fokuspersonen bestimmt, den Kindern bekannt und in jedem der Gemeindezentren aktiv. 320 Kinder haben direkt und 7.510 indirekt von den implementierten Kindesschutzmaßnahmen profitiert. 3.754 Frauen nahmen an Veranstaltungen zur Bewusstseinsbildung zu Kindesschutz und Kinderrechten teil. Zudem wurden 670 Studierende der Sozialarbeit zu Kindesschutz ausgebildet. Insgesamt 15 Fälle von schweren Kinderrechtsverletzungen wurden in den Zentren erfasst und nach der Kinderschutz-Policy bearbeitet. Der Projektpartner STL ist mit diesem Projekt zu einer Referenzorganisation für Kindesschutz in der Türkei geworden und bekommt zahlreiche Anfragen zu Weiterbildungen von Organisationen und Behörden aus dem gesamten Land.

Evaluierungsempfehlungen

Die Evaluierung empfiehlt eine zweite Phase des Projektes, da die bisherigen Ergebnisse eine hohe Wirksamkeit zeigen und die Aktivitäten das Potential haben, weiter in der breite angewendet zu werden. Weiterhin empfiehlt der Evaluator, die Lobby- und Advocacyarbeit von STL und terre des hommes in Bezug auf Kindesschutz in der Türkei und der EU fortzuführen und auszubauen. Darüber hinaus sollte die Arbeit der Fokuspersonen in den Gemeindezentren, die die Hauptansprechpersonen für die Umsetzung der Projektaktivitäten sind, besser honoriert werden. Hier besteht Gefahr der Überlastung. Schließlich regt der Evaluator an, Veränderungen von Indikatoren und deren Messung für eine mögliche zweite Projektphase vorzunehmen. 

STL und terre des hommes haben bereits mit der Erarbeitung eines Projektantrags für eine zweite Phase begonnen, der 2020 beim BMZ eingereicht werden soll. Dabei ist zum einen vorgesehen, dass die Zahl der Fokuspersonen in den Gemeindezentren erhöht wird, um zukünftig Überlastung vorzubeugen. Zudem wird das Monitoring, Evaluation, Accountability and Learning (MEAL) Team von STL zusammen mit tdh Indikatoren entwerfen, die leichter zu messen sind, damit die Wirkung des Projektes besser erfasst wird. Für die zweite Phase ist es vorgesehen, die Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen zu intensivieren und zu einer stärkeren Vernetzung zivilgesellschaftlicher Akteure beizutragen.

Komplette Evaluierung im Wortlaut (Download)

Folgendes Dokument steht als PDF-Dokument zur Verfügung:

  • Strengthening child protection structures in Turkey (Download)
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