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Mädchen in Männerberufen

Sie schmirgeln, sie schweißen, sie hämmern… und sie lachen! In den Räumen des Ausbildungszentrums von ATTOUS (Association Tout pour Tous) in Burkina Faso wird fleißig gewerkelt. Bereits seit 1997 bietet unsere burkinische Partnerorganisation Mädchen und jungen Frauen in Koudougou die Möglichkeit, eine Berufsausbildung zu machen. 2002 folgte ein zweites Ausbildungszentrum in der Hauptstadt Ouagadougou. Das Besondere: Die Mädchen erlernen handwerkliche und technische, in Burkina Faso eigentlich den Männern vorbehaltene Berufe wie Kfz-Mechanikerin oder Elektronikerin.

Die 1994 von Lehrkräften und Sozialarbeiterinnen gegründete Organisation ATTOUS will damit der großen Armut und hohen Arbeitslosigkeit vor allem unter den Frauen entgegenwirken. Das Bildungsniveau ist allgemein sehr niedrig: Nicht einmal jedes fünfte Kind schließt die weiterführende Schule ab. Viele verlassen die Bildungseinrichtungen vorher, um arbeiten zu gehen und zum Familienverdienst beizutragen. Vor allem Mädchen und junge Frauen haben unter den fehlenden Berufsperspektiven zu leiden. Sie haben kaum eine Möglichkeit, Geld zu verdienen und ein eigenständiges Leben zu führen.

Die burkinische Bevölkerung schenkte der Arbeit von ATTOUS zu Beginn wenig Akzeptanz. Berufliche Gleichberechtigung für Frauen war für viele unvorstellbar. »Aber wir konnten das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen«, erzählt Bernard Zongo, Direktor von ATTOUS. »Wir haben 1997 mit acht Mädchen angefangen, heute betreuen wir jedes Jahr 200.«

Dies gelang vor allem durch die originelle Öffentlichkeitsarbeit: So wird ATTOUS zum Beispiel von dem burkinischen Popstar Rovane unterstützt. Die Sängerin schrieb den Song »Egalité professionelle« (Professionelle Gleichheit), in dem sie darüber singt, wie wichtig die Gleichberechtigung der Frauen ist. »Sie will sich das nicht länger gefallen lassen. Sie hat sich entschieden, die Hindernisse zu überwinden. Sie will sich nicht länger schlecht behandeln lassen, sie will bloß ein wenig Respekt!«, heißt es in dem Song.

ATTOUS geht mit gutem Beispiel voran

Mittlerweile ist die Arbeit von ATTOUS auch über die Grenzen hinaus bekannt. Die Vorsitzende des namibischen Nationalrates, Margaret Mensah-Williams, besuchte die Ausbildungszentren der Organisation und war begeistert. ATTOUS gehe mit gutem Beispiel voran. Den Mädchen gab sie mit auf den Weg: »Gebt niemals auf, setzt euch weiter ein, denn ihr werdet erfolgreich sein!«

ATTOUS konnte mit der Unterstützung von terre des hommes bereits mehr als 800 Mädchen und junge Frauen zu KFZ-Mechanikerinnen, KFZ-Elektrikerinnen, Lackiererinnen, Elektronikerinnen und Zweiradmechanikerinnen ausbilden. Zum Lehrgegenstand gehören neben den fachbezogenen Inhalten auch Sozialrecht, Arbeits- und Kinderrechte sowie Buch- und Geschäftsführung. Außerdem werden die Mädchen immer wieder darin bestärkt, sich für eine Berufsausbildung und ein eigenständiges Leben entschieden zu haben. ATTOUS unterstützt sie bei ihren Zukunftsplänen und ermutigt sie, sich nicht von den immer noch herrschenden Vorurteilen gegen berufstätige Frauen beeindrucken zu lassen.

So habe die 22-jährige Andissa in ihrem letzten Praktikum gemerkt, dass die Kunden kein Vertrauen in ihre Arbeit hatten. »Wir Frauen müssen die Kunden viel stärker von unseren Fähigkeiten überzeugen als die Männer«, berichtet sie. »Aber am Ende sind die Kunden dann doch sehr zufrieden, denn wir Frauen arbeiten meistens viel sorgfältiger.« Bevor sie ihre eigene Auto-Werkstatt eröffnet, möchte Andissa aber trotzdem noch Praxis-Erfahrungen als Angestellte sammeln.

Auch Martine, Nadine und Rosalie träumen von einer eigenen Werkstatt. Sie sind 20 Jahre alt und im zweiten Ausbildungsjahr Elektrotechnik. »Wir möchten später eine Firma zur Reparatur von Elektrogeräten und zur Installation von Alarm-, Solar- und Klimaanlagen gründen«, erzählen die drei Freundinnen stolz. Die bei ATTOUS ausgebildete Kfz-Mechanikerin Joséphine hat sich ihren Traum bereits erfüllt: Sie hat ihre eigene Werkstatt mit dem Namen »Autowerkstatt Selig Gott« bereits eröffnet.

Dank terre des hommes und ATTOUS konnten bereits viele Berufs-Träume in Erfüllung gehen. »Viele junge Menschen waren im klassischen schulischen Ausbildungssystem gescheitert und wussten nicht mehr wohin. Durch die Berufsausbildung haben sie ihr Lächeln wiedergefunden«, resümiert Direktor Zongo.

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