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Zwischen Skepsis und Optimismus - Mali vor der Präsidentenwahl

Interview mit Mamoutou Dembelé, terre des hommes-Länderkoordinator in Mali

Wie lässt sich die aktuelle Stimmung in Mali beschreiben?

Alle Zeichen stehen hier auf Wahlkampf. Die 27 Kandidaten für das Amt des Präsidenten, leider ist nur eine Frau dabei, versuchen im Endspurt ihrer Kampagnen, noch überall in der Hauptstadt Wählerstimmen für sich zu gewinnen. Die ganze Stadt scheint nur noch aus Plakaten, Bannern und Versammlungen zu bestehen.

Auch auf der administrativer Ebene laufen die Wahlvorbereitungen auf Hochtouren: Wahlhelfer wurden geschult und auf ihre Einsatzorte verteilt und die Lokalverwaltungen sind organisiert, selbst im Norden des Landes.

Welche Sorgen bestehen denn hinsichtlich der Abstimmung am bevorstehenden Wahltag?

Die Aufmerksamkeit richtet sich besonders auf die Sicherheitslage im Norden. Doch auch hier in der Hauptstadt Bamako und in anderen größeren Städten des Südens gibt es Risiken und die Gefahr von Unruhen. Und wir können nicht vorher sagen, wie das Klima sein wird, wenn die Ergebnisse verkündet werden.

Trotz des Abkommens mit der MNLA (siehe oben) ist die Lage in Kidal weiter alles andere als sicher – Beweis dafür ist die Entführung von  fünf Wahlorganisatoren und einem Bürgermeister am vergangenen Wochenende. Sie kamen glücklicherweise nach kurzer Zeit wieder frei. Außerdem gab es vier Tote bei einem Zusammenstoß von Tourag-Vertretern und Anhängern der malischen Regierung in Kidal.

Probleme bereitet auch die Registrierung der Flüchtlinge. Sie können ihre Wahlkarte in der Regel nur in ihrer Herkunftsgemeinde abholen. Es ist also klar, dass viele Wahlberechtigte ihre Stimme nicht werden abgeben können.

Wie beurteilen denn die Menschen selbst den Wahltermin?

Die Meinungen sind geteilt: Die einen denken, es bringt nichts, Wahlen zu organisieren, wenn die Voraussetzungen nicht ausreichend geschaffen sind, wie etwa im Falle der Flüchtlinge.  Andere wiederum sagen, die Voraussetzungen werden noch lange nicht optimal sein und Mali braucht Wahlen, um endlich wieder eine gewählte Führung zu haben, die bei den Menschen im Land, aber auch von der internationalen Gemeinschaft anerkannt ist. Diese hat dann die Aufgabe, die noch ungeklärten Fragen zu lösen. Ich selbst bin ebenfalls dieser Ansicht.

Welches sind die zentralen Aufgaben, denen sich der neu gewählte Präsident / die Präsidentin zuerst widmen muss?

Meiner Ansicht nach gibt es verschiedene Prioritäten: Allem voran die völlige Wiederherstellung der Sicherheit, vor allem im Norden, und die Versöhnung zwischen den verschiedenen Volksgruppen im ganzen Land.

Außerdem müssen die Menschenrechte geschützt und gefördert werden, besonders die der Frauen und Kinder in Bezug auf Bildung, Gesundheit, Ernährung und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft.

Es wird zudem wichtig sein, das positive Bild von Mali nach außen wieder herzustellen und Partnerschaften wiederzubeleben. In punkto Rechtsstaatlichkeit und Bekämpfung der Korruption gibt es ebenfalls einiges zu tun.

Mamoutou Dembelé ist seit November 2012 terre des hommes-Länderkoordinator für Mali. Der vierfache Familienvater hat 15 Jahre bei verschiedenen Nichtregierungsorganisationen gearbeitet und Projekte zur Alphabetisierung und der Verbreitung von Kinderrechten geleitet.

terre des hommes fördert in Mali Projekte zur Verbesserung der Gesundheits- und Ernährungssituation von Kindern und ihren Familien. Im Zusammenhang mit der aktuellen Krise unterstützt  terre des hommes außerdem Flüchtlingsfamilien in Bamako und Mopti: Partnerorganisationen sorgen dafür, dass die Kinder weiter zur Schule gehen können und mit dem Nötigsten versorgt sind. Da eine schnelle Rückkehr in die Heimatdörfer nicht zu erwarten ist, werden für terre des hommes die Bedürfnisse der geflohenen Menschen auch weiter im Fokus der aktuellen Arbeit bleiben.

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