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Wo sind unsere Kinder geblieben?

Eines Tages kamen Soldaten in unser Dorf, erzählt Cecilia Rivera. Sie brannten die Häuser nieder und töteten die Menschen, sagt sie und senkt den Blick. Cecilia Rivera gelang es, in die Berge zu fliehen. Tage später kehrte sie zurück. Doch ihre Familie war ermordet worden. Von ihrem Neffen Jacinto fehlte jede Spur.

Im guatemaltekischen Bürgerkrieg war es eine Strategie des Militärs, Kinder zu verschleppen. Waren sie klein genug, blieben sie oft bei ihren Entführern. Andere wurden in Waisenhäuser gesteckt oder zur Adoption freigegeben. Auf etwa 5.000 wird die Zahl der Kinder geschätzt, die in dieser Zeit verschwanden. Auch Jahre nach Ende des Bürgerkrieges ist das Schicksal vieler dieser Kinder ungeklärt. Die von terre des hommes unterstützte Menschenrechtsorganisation Dónde están los Niños y las Niñas? (Wo sind die Jungen und die Mädchen?) hat das Ziel, den Verbleib dieser Kinder aufzuklären.

Etwa 400 Fälle haben die Mitarbeiter um Projektleiter Manuel Cedillo bislang in einer Datenbank dokumentiert, in der sie Profile von Suchenden und Vermissten abgleichen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Dónde están recherchieren in Archiven und befragen mögliche Augenzeugen. Das ist nicht einfach: Staatliche Stellen sind in der Regel wenig hilfsbereit. Und Zeugen haben häufig Angst.

Denn auch Jahre Jahre nach dem Friedensschluss müssen jene, die die Verbrechen der Vergangenheit aufklären wollen, mit Morddrohungen rechnen. Es sind die kleinen Erfolge, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Dónde están Mut machen. In Guatemala-Stadt fanden sie Jacinto, den Neffen von Cecilia Rivera. Als das Dorf überfallen wurde, hatten ihn die Soldaten mitgenommen. Ein Offizier adoptierte ihn, Jacinto wuchs in einer Klosterschule auf und begann ein Studium, ohne sich an das Trauma seiner Kindheit zu erinnern. Irgendwann fanden wir den Jungen, so Manuel Cedillo, der jetzt natürlich schon ein Mann ist. Wir organisierten ein Wiedersehen mit seiner Tante in einem Heimatdorf. Sie waren so glücklich. Es gab ein großes Fest, an dem das ganze Dorf teilgenommen hat.

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