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Der Krieg ist vorbei, der Überlebenskampf geht weiter

Auch wenn der »Islamische Staat« vorerst militärisch besiegt worden ist, leiden die Menschen im nördlichen Irak und hier insbesondere die Vertriebenen (IDP) weiter unter den Folgen des Krieges. Allein in den Lagern im Niemandsland zwischen Irakisch-Kurdistan und Zentralirak leben nach wie vor Tausende Familien und sind auf eine Grundversorgung durch die internationale Gemeinschaft angewiesen. Andere sind entweder bei Verwandten oder für wenig Geld in den ärmlichen Vororten von Erbil untergekommen.

Einer von ihnen ist Aram. Im Gespräch mit terre des hommes-Vorstandssprecher Albert Recknagel erzählte er, dass er sich als Bauarbeiter durchschlägt. Wenn es gut läuft, hat er zwölf bis 15 Tage im Monat Arbeit. Der Tageslohn beträgt 15 US-Dollar. Seine im Winter feuchte und im Sommer glutheiße Zwei-Zimmer-Wohnung kostet 80 US-Dollar Monatsmiete. Hier lebt er zusammen mit seiner Frau und vier kleinen Kindern. Nur das jüngste ist ihr eigenes. Die anderen drei sind Kriegswaisen, die sie nach Ermordung oder Tod von Verwandten »adoptiert« haben. Arams Schwager wurde vom IS ermordet, weil er für die US-Amerikaner am Flughafen in Mossul beschäftigt war. Seine Schwägerin starb während einer der Bombardierungen, die Mossul in weiten Teilen dem Erdboden gleichgemacht haben. Zurück nach Hause können sie nicht, weil es dort bislang keine Wiederaufbauprogramme der Regierung gibt. Und selbst wenn, würden sie es wahrscheinlich vorziehen, im »sicheren Kurdistan« zu bleiben, weil niemand weiß, ob der IS nicht doch wiederkommt.

Im IDP-Camp Hasansham unterstützt terre des hommes gemeinsam mit terre des hommes Italien über schulische Bildungsmaßnahmen, über Musik, Tanz, Spiel und Sport 800 Kinder und Jugendliche, denen vorerst die Chance auf ein normales Leben genommen worden ist. Das Recht auf Spiel, gewaltfreie Erziehung und Geschlechtergerechtigkeit sind wichtige Elemente beim Versuch der Rückführung in ein friedvolles Miteinander zwischen den Ethnien und Religionen. Stark traumatisierte Kinder und Jugendliche werden über unsere Partnerorganisation TraumaAid psychosozial betreut und bei der Rückgewinnung des eigenen Selbst unterstützt. Fachkräfte aus Deutschland schulen kurdische und irakische Therapeuten und Sozialarbeiter darin, diese Aufgaben in Zukunft selbstständig durchzuführen. Mit der lokalen Organisation Green Desert haben wir dafür die richtige Partnerin an Bord. Mit bundesdeutschen Mitteln der Übergangs- und Wiederaufbauhilfe wird terre des hommes in den kommenden drei Jahren therapeutische, schulische und Freizeitmaßnahmen fördern, die die soziale Integration und – soweit möglich und gewünscht – auch Rückkehr der Vertriebenen in ihre Heimatorte ermöglichen soll.

Zurück in Erbil ist von alldem wenig zu spüren. Die 1,2-Millionen-Großstadt macht einen lebendigen und sicheren Eindruck auf Besucherinnen und Besucher. Die Menschen sind ausgesprochen deutschfreundlich. Immer wieder wird (ungefragt) bestätigt: »Uns hat eure Panzerabwehrrakete Milan vor dem IS bewahrt.« Der Vormarsch des IS konnte im Herbst 2014 tatsächlich erst einige Kilometer nordwestlich von Erbil von den kurdischen Peschmerga gestoppt werden. Unsere Partnerorganisation Green Desert hofft, dass es weiterhin ruhig bleibt und »wir die Zeit haben, die Wunden zu heilen«.

 

26.04.2019

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