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Wir unterstützen Kinder in Bolivien

Mit dem Amtsantritt von Evo Morales im Jahr 2006 wird Bolivien das erste Mal in seiner Geschichte von einem Präsidenten regiert, der aus der indianischen Bevölkerung stammt - ein wichtiges Signal gegen die jahrhundertealte Diskriminierung der indigenen Bevölkerungsmehrheit in dem Andenland.

Bolivien verabschiedete ein Kinder- und Jugendgesetz, das die Arbeit von Kindern unter eng definierten Umständen erlaubt. Ziel ist es, sie auf diese Weise aus der Illegalität und damit der Schutzlosigkeit zu holen und ihnen eine soziale Grundsicherung zu gewähren. Da viele bolivianische Familien auf das zusätzliche Einkommen ihrer Kinder zwingend angewiesen sind, soll den Kindern eine Chance auf faire Arbeitsbedingungen eröffnet werden. Eine Reihe von Sozialprogrammen, die dieses Gesetz begleiteten, hat dazu beigetragen, dass die Armutsrate im Land leicht rückläufig ist. Anstelle von Wirtschaftswachstum und Fortschritt wurde zudem das indigene »Buen Vivir«, das »Gute Leben«, das einen harmonischen Gleichgewichtszustand von Mensch und Natur anstrebt, zum Verfassungsziel erhoben. Doch die alltägliche Praxis im Land ist häufig noch eine andere: Im Tiefland von Bolivien werden unter Einsatz von Agrarchemie großflächige Monokulturen für den Export angebaut, im Hochland vergiften die Abwässer des Bergbaus die Äcker der Kleinbauern. Hinzu kommen Ernteausfälle durch klimawandelbedingte Wetterextreme wie Dürren oder Überschwemmungen, die zu Hunger und Landflucht führen. Fast ein Fünftel der Gesamtbevölkerung des Landes ist unterernährt, darunter besonders viele Kleinkinder.

Ihr Ansprechpartner

Jens Kunischewski
Programmkoordination
Telefon: 05 41 / 71 01-210
j.kunischewski@remove-this.tdh.de

Programmschwerpunkte

Ernährung sichern, ausbeuterische Kinderarbeit bekämpfen

Ein Schwerpunkt unserer Projektarbeit liegt auf der Sicherung der kulturellen und biologischen Vielfalt, um die Lebensgrundlage der Menschen zu erhalten und ihrer Unterernährung entgegenzuwirken. In den Projektregionen ist es gelungen, durch den Anbau lokal angepasster und widerstandsfähiger Nahrungsmittel Hunger und Mangelernährung zurückzudrängen. Die Verfügbarkeit und Vielfalt von Lebensmitteln in den Familien und an Schulen hat sich erhöht, gleichzeitig sind die Kinder leistungsstärker und weniger anfällig für Krankheiten.

Der zweite Schwerpunkt unserer Arbeit betrifft die Sicherung der Rechte der arbeitenden Kinder. Das verabschiedete Kinder- und Jugendgesetz entspricht im Wesentlichen den Forderungen unserer lokalen Projektpartner wie zum Beispiel UNATSBO, der Gewerkschaft der Kinderarbeiter: Kinder und Jugendliche beteiligen sich an der Ausgestaltung der Sozialpolitik durch die aktive Mitwirkung in politischen Entscheidungsgremien. Mittlerweile wird nun auch öffentlich zwischen ausbeuterischer Tätigkeit und anderer produktiver Beschäftigung von Kindern unterschieden. Aufbauend auf diesem Erfolg unterstützen Partnerorganisationen von terre des hommes arbeitende Kinder durch Bildungsangebote und beraten die Jugendlichen darin, sich zum Beispiel in Kindergewerkschaften zu organisieren und für ihre Interessen einzustehen. Darüber hinaus engagieren sie sich für faire Arbeitsbedingungen, für Arbeitszeiten, die es den Jugendlichen erlauben, auch in die Schule zu gehen, und für eine Krankenversicherung.

Ausblick

Der Einsatz für die Rechte arbeitender Kinder wird bis auf weiteres ein wichtiger Programmschwerpunkt in Bolivien bleiben. Wichtig wird sein, die Umsetzung des neuen Kinder- und Jugendgesetzes von 2014 genau zu beobachten und zu begleiten und dem Schutz arbeitender Kinder auch vor häuslicher Gewalt in Zukunft stärkere Beachtung zu widmen.


Projektbeispiele

Sexuelle Gewalt bekämpfen

Im bolivianischen Cochabamba wird jeden Tag ein Mädchen vergewaltigt. Nur ein Bruchteil der Täter landen vor Gericht, und noch weniger werden schuldig gesprochen. Infante unterstützt vergewaltigte Mädchen und kämpft gegen ein Klima der Gleichgültigkeit und des Schweigens. mehr

Kinder kämpfen für ihre Rechte

Die arbeitenden Kinder von Potosí kämpfen für höhere Einkommen und bessere Schulbildung. Sie haben erreicht, dass das neue Kinder- und Jugendgesetz Kinderarbeit nicht mehr pauschal verbietet, sondern vor Ausbeutung schützt. mehr

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