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Arbeit von Ausbeutung unterscheiden

9. Treffen der Bewegungen arbeitender Kinder Lateinamerikas in Paraguay

Videos, Musik, Ausstellungen, Transparente – mit einer öffentlichen Veranstaltung in der paraguayischen Hauptstadt Asunción endete am 7. März das 9. Treffen der Bewegung arbeitender Kinder Lateinamerikas MOLACNATS. Der Bewegung, die von terre des hommes unterstützt wird und seit inzwischen 35 Jahre besteht, hat sich als neuntes Land Ecuador angeschlossen.

Dem Treffen war eine internationale Tagung mit mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu »Kinder und Arbeit« an der Iberoamerikanischen Universität vorangegangen. Thema war auch die kritische Stellungnahme einer Expertenkommission der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zum neuen bolivianischen Kinder- und Jugendgesetz, das 2014 unter maßgeblicher Beteiligung der organisierten arbeitenden Kinder verabschiedet worden ist. Es eröffnet neue Wege beim Schutz der Kinder, erlaubt dabei unter strengen Auflagen selbständige Arbeit ab dem Alter von zehn Jahren, und erkennt die Mithilfe bei der kleinbäuerlichen Familienwirtschaft als Lernfeld an.

Man erkenne keine Fortschritte im Dialog mit der ILO, räumte MOLACNATS ein, nachdem der Vertreter des Regionalbüros der ILO, Guillermo Dema, die Ablehnung jeglicher Arbeit von Kindern bekräftigt hatte. Dagegen forderte die Berichterstatterin zu Kinderrechten bei der Interamerikanischen Menschenrechtskommission, Rosa Maria Ortíz, besser zwischen produktiver Tätigkeit und Ausbeutung zu unterscheiden. »Dass Kinder arbeiten ist an sich kein Problem«, so Ortiz, man müsse jedoch genau die Bedingungen und Folgen analysieren. Aber die Ausbeutung von Kindern gehöre fraglos abgeschafft.

Gewerkschaften beanstanden bolivianisches Gesetz

Vor allem den Gewerkschaften fällt diese Unterscheidung bei Kindern schwer. Es war der Internationale Gewerkschaftsbund ITUC, der das neue bolivianische Gesetz gegenüber der ILO beanstandet hatte, ohne zuvor die Positionen der Organisation arbeitender Kinder und ihre Gründe anzuhören. Manfred Liebel, Professor der Freien Universität Berlin und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von terre des hommes, bezweifelte die Auffassung der ILO, dass das neue bolivianische Gesetz den internationalen Konventionen widerspreche, und forderte vielmehr, die kommunalen Kinderrechtsbüros in Bolivien personell und finanziell so auszustatten und entsprechend fortzubilden, dass sie die im Gesetz vorgesehenen Schutzmaßnahmen auch wahrnehmen können.

MOLACNATS begrüßte das neue bolivianische Gesetz, wies aber auf Unklarheiten und Lücken etwa in Bezug auf den Schutz der unter Zehnjährigen hin, die in den Umsetzungsbestimmungen gefüllt werden sollten. Wie dies geschehen könne, wurde anschließend von Liebel und dem peruanischen Pädagogen und langjährigen terre des hommes-Projektpartner Alejandro Cussianovich bei einem Besuch in La Paz in gemeinsamen Gesprächen mit der bolivianischen Organisation arbeitender Kinder und Regierungsstellen behandelt.

11.3.15

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