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Militär in Myanmar treibt Zehntausende in die Flucht

terre des hommes versorgt 443 Kinder, die über die Grenze nach Thailand fliehen konnten

In Myanmar geht das Militär weiterhin brutal gegen Protestierende vor. Militärs haben seit dem Putsch in Februar mehr als 880 Zivilist*innen getötet, darunter viele Jugendliche. Zurzeit fliehen täglich Menschen nach Thailand, vor allem Frauen und Kinder. Auch im Land selbst sind Zehntausende Menschen auf der Flucht vor Luftangriffen, Kämpfen des Militärs mit Milizen und willkürlichen Verhaftungen.

Besonders bedroht werden unter anderem Gewerkschafter*innen, denn das Militär hat große wirtschaftliche Interessen. Ein großer Teil der Unternehmen des Landes ist in Händen der Militärs, Devisen werden vor allem durch Textil- und Schuhproduktion und die Förderung von Gas und Edelsteinen erwirtschaftet. Nach Angaben des Dachverbandes der Gewerkschaften Myanmars (FGWM) sind seit Mitte Juni 200 Textilfabriken in der Industriezone von Yangon geschlossen. Damit verliert das Land etwa ein Viertel seiner Devisen. Während die unabhängige Initiative der Wirtschaftswissenschaftler Myanmars (IEM) darauf verweist, dass solche Verluste an Devisen das Militär schwächen, meldet der Gewerkschaftsverband, dass damit auch 200.000 Arbeiter*innen ihr Einkommen verloren haben. ACT, eine Initiative der internationalen Textilgewerkschaft IndustriALL und 20 globaler Unternehmen, empfiehlt bisher keine Sanktionen, sondern hat Richtlinien für verantwortliche Produktion veröffentlicht. ACT-Mitglieder sind unter anderem C&A, H&M, Inditex (Zara), Lidl, Primark, Tchibo und Zalando. H&M und Primark hatten ihre Aufträge zwischenzeitlich aus Myanmar abgezogen, lassen inzwischen aber wieder dort produzieren. C&A hat die Aufträge weiterhin gestoppt. Bisher scheinen weder Resolutionen, wie etwa der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, noch Sanktionen, wie etwa die der EU gegen Mitglieder des Militärregimes, Wirkung zu zeigen.

Die terre des hommes-Partnerorganisationen Rechte ohne Grenzen (Rights beyond borders) und das Entwicklungszentrum für Kinder und Gemeinden (DCCN) versorgen bereits seit Jahren geflüchtete Familien, die in Thailand an der Grenze zu ihrem Heimatland leben. Besonders schwierig ist die Situation dieser rund 92.000 Menschen, weil Thailand sie nicht als Flüchtlinge anerkennt: Sie haben keinen legalen Status und internationale Hilfe, etwa durch die Vereinten Nationen, ist nicht möglich. Deshalb appellieren terre des hommes und andere Menschenrechtsorganisationen an die internationale Gemeinschaft und große Geldgeber, Nichtregierungsorganisationen in den Grenzgebieten zu unterstützen.

Die beiden terre des hommes-Partnerorganisationen verteilen zurzeit dringend notwendige Waren an die neu Ankommenden. Sie müssen sich im Wald einrichten, denn in thailändische Städte und Dörfer dürfen sie nicht weiterziehen. Deshalb verteilen die terre des hommes-Partnerorganisationen Wasser, Lebensmittel, alle notwendigen Materialen für den Bau eines Zeltes, Moskitonetze, Taschenlampen und Batterien, Windeln für Babys und Erste-Hilfe-Sets. Kinder bekommen zusätzlich eine kleine Notfalldecke und etwas Spielzeug. Gleichzeitig wird dafür gesorgt, dass Kinder geschützt werden, die allein kommen, weil sie ihre Eltern verloren haben.

Informationen zur Projektarbeit für Geflüchtete aus Myanmar

 

06.07.2021

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