Unterdrückung ohne Uniform? - Teil 3

Nur etwa drei Prozent der Staatsausgaben fließen in das Gesundheitssystem, im Schnitt kommt ein Arzt auf mehr als 2.000 Bewohner. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 65,2 Jahren. Von 1.000 Kindern sterben 71 bis zum Alter von fünf Jahren, von 100.000 Frauen sterben 240 bei der Geburt ihres Kindes. In den Gebieten der nationalen Minderheiten im Südosten des Landes ist diese Zahl mindestens dreimal so hoch. Das HIV- und Aids-Rate in Myanmar ist in den letzten Jahren dramatisch gewachsen: Mindestens 240.000 Menschen sind bereits erkrankt.

Viele Kinder sind unterernährt

Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Menschenrechtsverletzungen und der katastrophalen gesundheitlichen Lage der Zivilbevölkerung. Vor allem die Gesundheit der Kinder leidet massiv unter den Folgen von Vertreibung, Zwangsarbeit, Beschlagnahme und Zerstörung von Ernten im Rahmen der Auseinandersetzungen zwischen Armee und nicht-staatlichen bewaffneten Rebellengruppen. Die Haupttodesursachen von Kindern im Nordosten Myanmars sind Malaria, Durchfallerkrankungen und Erkältungs- und Lungenkrankheiten. Bis zu 40 Prozent der Kinder im Alter von weniger als fünf Jahren in den Minderheitenregionen der Kachin, Chin, Shan und Karen sowie im nördlichen Arakhan im Westen Myanmars sind aufgrund von Flucht und schwieriger Sicherheitslage unterernährt. Besonders katastrophal ist die Lage unter den Binnenvertriebenen. 60 Prozent der Haushalte im Südosten des Landes haben nicht genügend Proteine in ihrer täglichen Nahrung, die vor allem aus Reis und Gemüse besteht. In den umkämpften Regionen im Osten und Südosten des Landes werden dringend Nahrungsmittel, Wasser und Medikamente benötigt.

Bildungssituation mangelhaft

Auch im Bildungsbereich ist die Lage problematisch. Offiziell sind zwar nur rund zehn Prozent der Menschen Analphabeten. Aber nur jedes zweite Kind schließt die Grundschule wirklich ab, nur jedes dritte Kind geht auf eine weiterführende Schule. In den Gebieten der ethnischen Bevölkerungsgruppen im Südosten besucht weniger als die Hälfte aller Kinder im Alter zwischen fünf und 13 Jahren wegen der anhaltenden Kriegssituation und hoher Schulgebühren regelmäßig die Schule. In ländlichen Gebieten des Chin-Staates kommen 200 Schüler auf einen Lehrer. Die Qualität der Schulbildung ist insgesamt schlecht.

Es geht also um mehr als nur darum, den Hausarrest der Oppositionsführerin aufzuheben und ihr die Teilnahme an ansonsten manipulierten Wahlen zu gestatten. Dieser Schritt hat dazu geführt, dass die Europäische Union ihre Sanktionen gegen Burma ausgesetzt hat. Die Regierung hofft auf eine völlige Aufhebung und wirbt um Investoren. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mahnte Aung San Suu Kyi, bei Investitionen soziale Standards einzuhalten. Und sie hat zu gesunder Skepsis geraten. Mit gutem Grund.

Teil 1 - Teil 2

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