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Kleinwaffen

Neue Studie: Kindersoldat*innen und Waffenhandel

Neue Studie von terre des hommes und GLOBAL NET – STOP THE ARMS TRADE. Mit Länderbeispielen Kolumbien und Myanmar und Interviews mit Kindersoldat*innen“.
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Studie: »Deutsche Rüstungsexporte verletzen Kinderrechte«

In welche Konfliktländer liefert Deutschland Waffen – insbesondere Kleinwaffen? Und welche Auswirkungen haben diese Exporte auf Kinder und Jugendliche vor Ort?

terre des hommes hat gemeinsam mit Brot für die Welt Anfang November 2020 eine Studie herausgegeben, die dieser Frage nachgeht. Anhand von UN-Berichten, offiziellen Daten und ausgewählten Länderbeispielen (Syrien und Irak, Jemen, Indien, Philippinen, Kolumbien, Brasilien) zeichnet der Autor Christopher Steinmetz vom Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS) zahlreiche Verstöße gegen die völkerrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands nach und entwickelt Handlungsempfehlungen.

Die Studie wurde als offizielles Dokument in das sogenannte Staatenberichtsverfahren der Vereinten Nationen eingespeist, in dem aktuell überprüft wird, wie Deutschland die UN-Kinderrechtskonvention umsetzt. 


Ihr Ansprechpartner

Ralf Willinger
Referat Programme und Politik
Tel. 05 41 / 71 01 - 108
r.willinger@remove-this.tdh.de

Daten und Fakten

Kleinwaffen sind die Massenvernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts: Die weitaus meisten Kriegsopfer, insbesondere unter der Zivilbevölkerung, werden durch Kleinwaffen getötet. Sie können bis zu 50 Jahre lang eingesetzt und auch von Kindern leicht bedient werden. Selbst wenn sie einst legal exportiert wurden, finden sie oft ihren Weg zu Terrorgruppen, Privatarmeen und Kriminellen. Deutschland ist einer der größten Hersteller und Exporteure von Kleinwaffen. Zu den Herstellern gehören Heckler & Koch, Rheinmetall, Diehl, Walther und Sig Sauer. Allein das G3-Sturmgewehr von Heckler & Koch ist mit zehn Millionen Exemplaren in mindestens 80 Ländern der Welt im Umlauf. Nur die Kalaschnikow ist noch weiter verbreitet. Mancherorts kostet eine Kalaschnikow nicht mehr als 30 US-Dollar - die Krisengebiete dieser Welt werden überschüttet mit solchen Billigwaffen und zugehöriger Munition.

Alle 14 Minuten stirbt ein Mensch allein durch Waffen des führenden deutschen Pistolen- und Gewehrherstellers Heckler & Koch. Die Schätzung des Rüstungsinformationsbüros Freiburg beruht im Wesentlichen auf dem Weltmarktanteil von Heckler und Koch bei Kleinwaffen und bekannten Schätzungen der Opferzahlen von Kleinwaffen in kriegerischen Konflikten (ca. 95 Prozent der Gesamtopferzahlen).

Deutschland spielt bei Produktion und Export von Kleinwaffen eine Hauptrolle. Die deutsche Rüstungsindustrie ist seit Jahren mit den USA, Russland, China und Frankreich einer der fünf größten Waffenexporteure. Unter den Exporten sind massenweise Kleinwaffen. Nach Angaben des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) sind sechs der zehn bedeutendsten Exportnationen EU-Mitgliedsstaaten.

Gerade in Ländern mit vielen Kindersoldaten wie Irak, Afghanistan, Myanmar, Kolumbien, Jemen, Somalia oder Sudan gibt es massenweise Kleinwaffen deutschen Fabrikats, wie das Maschinengewehr MG3 von Rheinmetall, das Sturmgewehr G3 und die Maschinenpistole MP5 von Heckler & Koch, die Pistolen Walther P99 oder Sig Sauer SP 2022. Illegale bewaffnete Gruppen wie kolumbianische Paramilitärs, die Taliban oder der Islamische Staat, die für den massiven Einsatz von Kindersoldaten und weitere Gewalttaten verantwortlich sind, benutzen deutsche Fabrikate.

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate führen eine Militärkoalition aus zur Zeit acht Ländern an, die seit 2015 im Jemen Krieg führt. Laut Vereinten Nationen wurden wenigstens 8.000 Kinder in dem bewaffneten Konflikt getötet oder verstümmelt, fast die Hälfte davon, 3.550, von der saudisch geführten Militärkoalition. Außerdem hat die Militärkoalition weitere schwere Verletzungen von Kinderrechten begangen, wie z.B. Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser. Dennoch haben die Mitgliedsländer dieser Militärkoalition seit 2015 deutsche Rüstungsexportgenehmigungen im Wert von 6,4 Mrd. € (!) für ein breites Spektrum an Waffensystemen, von Kleinwaffen bis hin zu Kampfflugzeugen, bekommen. Viele davon werden im Jemenkrieg eingesetzt. Solche Waffenexporte in Länder mit schweren Menschenrechtsverletzungen müssen gestoppt werden.

Informieren Sie sich zum Thema Kinder und Krieg, Flucht, Kleinwaffen, Vertreibung. mehr

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