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Sauberes Wasser für Bergdörfer in Vietnam

Setiawan ist 14 Jahre alt und lebt in einem kleinen Dorf in der Bergregion Lang Son. Er besucht die örtliche Schule und lernt fleißig. Doch das war nicht immer so. Bevor sein Dorf  mit Hilfe von terre des hommes Trinkwasseranlagen baute, hatte er oft keine Zeit für Schularbeiten. »Eigentlich musste ich mich auf meine Prüfungen vorbereiten«, erzählt er. »Aber das ging nicht, denn ich musste für meine Familie Wasser holen gehen. Deshalb schrieb ich oft schlechte Noten und das machte mich traurig.«

So wie Setiawan ging es vielen Kindern in den Dörfern der Provinz Lang Son an der Grenze zu China. Sie mussten das Wasser aus den Bächen am Fuß des Berges holen und sich dafür täglich auf einen kilometerlangen Weg machen, der uneben, steinig und gefährlich war. Mit der zusätzlichen Last des Wassers rutschten die Kinder in den Bergneigungen ab und brachen sich oft Arme oder Beine. Zudem war das Wasser nicht sauber, sondern verunreinigt durch Abfälle und Abwässer, Düngemittel, Chemikalien und den Mist der Schweine und Kühe der Bauern in den höher gelegenen Bergregionen. Krankheiten wie Durchfall und Hautleiden waren die Folge.

Seit Mitte der 90er Jahre unterstützt terre des hommes Wasserprojekte in Vietnam. Dabei wird eng mit lokalen Hilfsorganisationen und Gemeinden zusammengearbeitet. Im Jahr 2005 startete das Kinderhilfswerk gemeinsam mit der Frauenunion der Provinz Lang Son Trinkwasserprojekte in den Dörfern Hung Vu, Tri Le und Huu Lien. Ziel war es, den Dorfbewohnern Zugang zu sauberem Wasser zu verschaffen, so dass die Kinder sich nicht mehr auf die gefährlichen Wege zu den entfernten Quellen machen müssen, sondern stattdessen zur Schule gehen können. Es wurden Trinkwasseranlagen gebaut und Workshops über den Umgang mit Wasser, über Hygiene und Gesundheitsvorkehrungen veranstaltet.

Die Zusammenarbeit zwischen den Fachleuten und den Dorfbewohnern spielte für den Erfolg des Projektes eine große Rolle: Mit Hilfe der Ortskenntnisse einiger Einwohner wurden höhergelegene Quellen gefunden, aus denen das Wasser in die Dörfer geleitet werden kann,  ohne dass eine Pumpe benötigt wird. Das Bergwasser wird in der Trinkwasseranlage zunächst gefiltert und fließt dann in über 16 Kilometer langen Leitungen in die Dörfer. Die Bewohner bauten mehrere Speicherbehälter, so dass allen Familien zu jeder Zeit genug Wasser zur Verfügung steht. Damit die Wasserversorgung auch in Zukunft gewährleistet ist, hat jedes Dorf einen eigenen »Wassermanager« benannt. Dieser kümmert sich um die Anlage und achtet darauf, dass das System stets einwandfrei funktioniert.

Die Gemeinde verwaltet das Projekt selbst

Seit Juli 2008 verwaltet die Gemeinde das Projekt selbst. Bis heute ist das Wassersystem in bestem Zustand und funktioniert gut. 80 Prozent der etwa tausend Haushalte haben direkt sauberes Trinkwasser, die übrigen 20 Prozent, die verstreut weiter flussabwärts wohnen, haben einen kurzen Weg bis zum Wassertank. Auch die Gesundheitslage in den Dörfern hat sich deutlich verbessert: Typische Krankheiten wie Durchfall und Hautinfektionen sind stark zurückgegangen. Es gibt keine Unfälle mehr beim mühsamen Wasserholen, und die Kinder gehen regelmäßiger zur Schule.

Setiawan sagt: »Ich bin so froh, dass wir die Trinkwasseranlage gebaut haben. Ich habe mich in der Schule geschämt wegen meiner schlechten Noten. Die habe ich aber nur bekommen, weil ich die Zeit mit Wasserholen verbringen musste. Ohne das Wasser durch das terre des hommes-Projekt hätte ich die Schule wahrscheinlich abgebrochen.« Nicht nur Setiawan darf den Erfolg des Projektes am eigenen Körper spüren. Viele Kinder können sich in der Schule besser konzentrieren und freuen sich über gute Leistungen.

Dank der ununterbrochenen Wasserversorgung haben sich auch die Ernteerträge auf den Feldern verbessert. Die Väter müssen nicht mehr in den Städten arbeiten, um Geld zu verdienen und ihre Familien zu versorgen. Der wohl größte Erfolg ist jedoch, dass die Kinder jetzt tun können, was ihnen als Kindern zusteht: spielen, lernen, unbeschwert aufwachsen – und leben.

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