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terre des hommes-Mitglieder reisten nach Bolivien

Vom 3. bis 17. August 2014 reisten terre des hommes-Mitglieder nach Bolivien, lernten Land und Leute kennen und machten sich ein Bild von der Projektarbeit. Auf dieser Seite finden Sie den Reiseblog der Gruppe.

17.8.2014

Nach der Stadtführung in La Paz hieß es am Flughafen endgültig Abschied nehmen von Christina und Peter. Ein besonders großes Dankeschön gilt ihnen für die herzliche und kompetente Betreuung der Reisegruppe und für ihr umfassendes Wissen, das sie mit uns teilten. Unser Dank geht auch an die Kolleginnen und Kollegen in Cochabamba und Osnabrück für die perfekte Organisation der Reise!

Die zweite Gruppe fährt am heutigen Tag mit dem Bus ins 4200m hoch gelegene El Alto oberhalb von La Paz. Der völlig unübersichtliche Verkehr, die verschlungenen Wege sowie die Aussicht auf La Paz von hoch oben sind ein Erlebnis für sich.

Wir erreichen das Kulturzentrum Chasqui - dieser Name bedeutet »der Bote« - so wurden einst die Läufer der Inka genannt. Gegründet wurde Chasqui 1998 von Studenten mit dem Ziel, den Kindern dieser sehr armen Stadt den Weg in ein besseres Leben (Buen vivir) aufzuzeigen

Wir werden von Kindern und Lehrern sehr herzlich empfangen. Sie zeigen und erklären uns anhand ihrer eigens für uns aufgebauten Informationsstände ihre Aktivitäten. Hier an diesem Ort lernen sie durch viele Gespräche, durch gemeinsame Aktionen wie Theaterspiel und andere Spiele Konflikte zu bewältigen und Gewalt zu vermeiden.

Solidarisches Handeln, die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen wie auch von Behinderten und Nichtbehinderten und die Bewahrung der Natur sind ihre Ziele. Sie sind stolz darauf, zu sogenannten »Leaderes« (Führungspersönlichkeiten) ausgebildet zu werden, die ihre Idee vom guten Leben auch in ihre Schulen weitertragen. Ein 14jähriger Junge sagt uns: »Buen vivir bedeutet für mich, in Harmonie mit allen zu leben und auch, nicht die Natur auszunutzen, sondern ihr etwas zu geben«. Wir spielen gemeinsam mit ihnen Spiele und anschließend werden wir von ihnen zu einem traditionellen Essen eingeladen: Actapi - um einen langen Tisch gehen wir gemeinsam herum und nehmen uns von dem Dargebotenen: Oca-Gemüse und vor allem viele verschiedene Arten von Kartoffeln.

Mit der erst kürzlich von einem österreichischem Unternehmen erbauten, hochmodernen Seilbahn fahren wir zurück nach La Paz – und genießen die Stille über der Stadt, die Aussicht und die Erinnerung an diese selbstbewussten und fröhlichen Kinder von El Alto.

15. bis 16.8.2014: Titicacasee

Am Freitagabend folgte die gemeinsame Reiseauswertung in Copacabana. Auf unserer letzten Etappe begleiteten uns Clara und Alejandra vom Projekt Inti Watana an den Titicacasee und erklärten uns die historischen Tempelanlagen und deren kulturelle Bedeutung. Einige Teilnehmer reisten von hier aus weiter nach Puno/Peru oder trennten sich nach der Rückkehr in La Paz von der Gruppe für private Treffen mit Freunden.

14.8.2014: La Paz

Die Jugendlichen von Inti Watana begrüßten uns herzlich in ihrem neuen Haus, das sie im letzten Jahr bezogen haben. In ihrer Bildergalerie informierten wir uns über die politischen Aktionen und die Erfolge der Jugendlichen der letzten Jahre. Aktuell haben die Kinder und Jugendlichen erreicht, dass die Altersgrenze für Kinderarbeiter in Bolivien auf zehn Jahre festgesetzt wurde, damit Kinder verarmter Familien weiterhin zu deren Lebensunterhalt beitragen können. Die Arbeit der Jugendlichen ist so erfolgreich, das sie bereits von anderen gemeinnützigen Organisationen und städtischen Einrichtungen für Trainings angefragt werden. Zusätzlich beraten sie bolivianische Politiker in ihrer Arbeit zu Kinderrechten.

Ein wichtiger Bereich ist die Vermittlung von traditionellen Werten an Stadtkinder für ein gutes Leben. Damit wirken sie der hohen Gewaltbereitschaft und dem Drogen- und Alkoholmissbrauch aktiv entgegen. Die  Kinder und Jugendlichen initiieren dazu Theater- und Musikgruppen, erlebnispädagogische Workshops und haben ein Curriculum erarbeitet, das die Kinder und Jugendlichen in sieben Stufen nach ihren Stärken fördert. Am Ende der Ausbildung sind sie in der Lage, andere Jugendliche zu schulen und ihre Erfahrungen weiterzugeben, immer mit dem Ziel, in Harmonie mit sich und der Natur und im gegenseitigen Respekt zu leben.

Alejandra Lopez von Inti Watana ist außerdem Sprecherin des  terre des hommes-Jugendnetzwerks und auf internationalen Treffen mit Jugendlichen aus aller Welt im Austausch. Auch hier trägt sie engagiert die Sichtweise der lateinamerikanischen Kinder und Jugendlichen für ein gutes Leben vor: Sie wünschen sich für ihr buen vivir: Glücklich sein, Zufriedenheit und Spaß am Leben!

Dienstag, 12.8.2014


Es war ein wunderschöner Tag auf dem Salar de Uyuni, mit 12.000 qkm der größte Salzsee der Erde. Zwischen Kakteeninseln und endloser Salzwüste erlebten wir unglaubliche optische Spiegelungen und Täuschungen. (siehe Fotos)

Am Abend dann die Überraschung. Straßenblockade in Uyuni, mit der der Bürgermeister zum Rücktritt gezwungen werden soll. Abenteuer Bolivien: die Autofahrer beschließen noch nachts nach Oruro zu fahren. Die Flieger nehmen den ersten Bus um 5 Uhr zum Flughafen, um noch aus der blockierten Innenstadt herauszukommen. Wir sehen uns in La Paz!  

Montag, 11.8.2014
Luz von Connatsop und die Kinder von NATs

In den letzten Tagen haben wir die Arbeit von Connatsop vorgestellt. Heute haben wir mit Luz, der Betreuerin der arbeitenden Kinder (NATs; Niños, Niñas y Adolescentes Trabajadores) in Potosí über ihre Motivation gesprochen. Sie ist die Seele und das Herz des NATs-Hauses. Luz hat für jedes Kind ein wärmendes Wort übrig und kümmert sich wie eine Mutter um fast 800 arbeitende Kinder in drei Städten.

Wir haben sie gefragt, woher sie die Kraft und Motivation dazu nimmt und sie erzählte uns ihre Lebensgeschichte: Ihre Kraft und Durchsetzungsstärke habe sie schon in die Wiege gelegt bekommen, so Luz. Schon ihre Großmutter, die aus einer reichen Grundbesitzerfamilie stammte, lehnte sich gegen den Vater auf, der seine Landarbeiter ausbeutete. Sie lief von zu Hause weg und lebte ihr Leben nach ihren eigenen Regeln. Ihre Tochter und ihre Enkelin haben ihren rebellischen Geist geerbt: Luz‘ Mutter war gegen die Militärdiktatur in den 1970er Jahren aktiv. Luz arbeitete bereits als Sechsjährige für die Bewegung der Minenarbeiter, die das kleine Mädchen als Botengängerin einsetzten, um geheime Botschaften zu überbringen. Von ihrem Vater, einem Minenarbeiter, erfuhr die Familie Gewalt. Von ihrem Stiefvater wurde sie missbraucht und lebte  elf Jahre bei ihrer Großmutter. Luz besuchte regelmäßig die Schule und studierte schließlich Soziologie und alternative Bildung. Nach einem Praktikumsjahr bei einer Nichtregierungsorganisation entschloss sie sich endgültig, ihre zukünftige Arbeit den unterdrückten Kindern zu widmen. Sie kennt das Leben der Kinder aus eigener Erfahrung und versteht ihre Situation wie keine andere. Wer, wenn nicht Luz, kann die Kinder auf ihrem Weg in ein besseres Leben begleiten!   

Sonntag, 10.8.2014: Potosi

Sonntagmorgen: Alvaro führt uns auf den Cerro Rico. Seit 50 Jahren arbeitet seine Großmutter dort als Palliri. Diese Frauen klopfen mit Hämmern Erz-Reste aus dem Gestein, das die Bergleute als Abraum hinterlassen. Seit klein auf interessiert sich Alvaro für das Leben oben auf über 4200 Metern Höhe. Seit seinem sechsten Lebensjahr ist er mit dem Vater in den Berg gegangen. »Am Anfang hat man nur Angst, aber später werden die Stollen zu einem zweiten Zuhause«. Später wird er Mitglied und einer der Sprecher der Organisation arbeitender Kinder. Mit 16 sucht er sich einen besseren Job. Zunächst als Autowäscher. Heute mit 19 finanziert er sein Ingenieursstudium mit der Arbeit als Kellner. Es war Luz vom terre des hommes-Partner PASOCAP, die ihn dazu motivierte. Alvaro macht uns mit Bernardo und Basilio bekannt, die als Hauptdarsteller mit dem Film »Devils Miner« berühmt wurden. Ihr Lebenstraum? »Vom Berg wegzukommen«, sagt Bernardo. Ob das tief in seinem Inneren wirklich so ist? Noch ein Jahrzehnt nach dem Filmdreh lebt er immer noch hoch oben in einer kleinen Hütte neben einem der vielen Hundert Stollen des Cerro Rico.

Als Wächter, aber auch als Touristenführer, die auch uns ein paar Schritte mit in den Berg hinein nehmen. Bis zum Tio, dem »Teufel«, der Gefährte der Bergarbeiter, Schutzfigur, aber auch der Hüter der Mineralienschätze ist. Am Stolleneingang sieht man noch getrocknetes Blut von Lamas, die dem Tio geopfert werden. »Nimm diesen Körper statt meinem«, sagen die Bergarbeiter. Noch immer kostet der Bergbau in Potosi viele Leben.

Und obwohl der Berg schon so durchlöchert ist, dass immer häufiger Stollen und Galerien einbrechen, denken die wenigsten der Mineros ans Aufhören. Ein großer Teil der Bevölkerung von Potosi ist vom Bergbau abhängig. Organisiert ist der Bergbau in Kooperativen. Mancher Besitzer einer Konzession ist reich geworden und heute Besitzer von einem der wenigen Hochhäuser in der ehemals prunkvollen Kolonialstadt. Die einfachen Bergarbeiter verdienen vielleicht um die 100 Euro pro Woche, die Palliris, viele Witwen, ein Zehntel davon. Es gibt kaum Alternativen. Ob Bernardo und Basilio, wenn sie ihr Tourismus-Studium beendet haben, sich einen weniger tragischen Ort suchen werden und endlich vom Reichen Berg wegkommen? Das werde die Zukunft zeigen, meinen sie.

Am Nachmittag fuhren wir zu den Thermalquellen südlich von Potosi. Auf der Fahrt sahen manche ihre ersten Lamas. Als erstes gingen wir zu einer kleineren Quelle, die zum Baden allerdings zu heiß war. In einer Quelle mit dem Namen Auges des Inka badeten wir. Einige haben sich lieber in den Schatten gelegt. Als alle, die gebadet haben, aus dem Wasser waren, sind wir ins Auto gestiegen und wurden im Ort Tarapaya herumgefahren, wo man Schweine gesehen hat, die auf der Straße spazieren gegangen sind. Als wir uns die Stadt Tarapaya angesehen haben, ging es erholt ins Hotel zurück.   

Samstag, 9.8.2014: Potosi

Am heutigen Morgen trafen wir als erstes Pater Marco vom Pastoral Social (PASOCAP) in Potosí, der uns in das Thema »Arbeitende Kinder in Potosí'« einführte. Gut 800 der 7.000 arbeitenden Kinder sind in der Organisation arbeitender Kinder zusammengeschlossen. Sie sind in 19 verschiedenen Berufen tätig, zum Beispiel als Zeitungsverkäufer, Schuhputzer, Kleinhändler oder Fischentschupper. Einige davon konnten wir auf dem Markt treffen und mit ihnen sprechen. Eine Gruppe von Kindern (4- bis 12-jährig), die in Überlandbussen mit Gesang ihr Geld verdienen, sangen uns eines ihrer Lieder vor.


Nachdem wir uns den Chutillos-Kinderumzug angesehen hatten, besuchten wir eine staatliche Essensausgabe für arbeitende Kinder – vor 25 Jahren die Keimzelle der Kinderarbeitsbewegung in Potosí, die wir nachmittags in ihrem neuen eigenen Zentrum trafen. Beim Treffen mit dem Leitungsteam berichtete die Sprecherin Lourdes darüber, wie ihre Forderungen zum neuen Kinderarbeitsschutzgesetz von der Regierung aufgenommen wurden. Die neue Herausforderung ist nun, dies auch in die Praxis umzusetzen. Allgemein sind sie von den Politiker enttäuscht und wünschen sich zum Beispiel auf dem Markt die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Fischentschupper, die Handschuhe, Tische und Duschen benötigen und eine reguläre Gesundheitsversorgung, an der sie sich auch finanziell beteiligen möchten - typisch für diese Organisation, die auf die eigene Kraft setzt, statt nur um Hilfe von außen zu bitten. Demnächst haben die NATs-Jugendlichen einen Termin mit Pressevertretern aus Südkorea, die aus den Medien über das Gesetz gehört haben. Dass sie auch zu feiern wissen, zeigen sie uns in Tänzen und Spielen.  

Freitag, 8.8.2014: Sucre und Umgebung

Heute besuchten wir das ASUR-Museum in Sucre. Dort wurden die Keramikarbeiten der Kinder vom Vortag glasiert, bemalt und auch im Shop verkauft. Im angegliederten Museum konnten wir die Webkunst aus verschiedenen Epochen von unterschiedlichen Hochlandkulturen bewundern. ASUR sammelte und bewahrt die traditionellen Muster und arbeitet mit Weberinnen und Webern, die dieses Kulturgut heute weiterentwickeln bis hin zu Mustern, die wie moderne Malerei wirken. Nachmittags ging es für uns dann auf den Weg ins 3700 Meter hohe, kalte Potosí.

Donnerstag, 7.8.2014: Sucre und Umgebung

Heute haben wir zwei terre des hommes-Projekte in der Nähe von Sucre besucht. Am Vormittag waren wir beim Projektpartner »ASUR«. Hier werden Kinder und Jugendliche innerhalb von zwei Jahren in der alten Tradition der Töpferei ausgebildet. Dies ermöglicht den extrem armen Indigenas  eine neue Einkommensquelle. 15 aufgeregte Jungen und Mädchen begrüßen uns vor ihrer Werkstatt. Nach einer kurzen Erklärung des Lehrers setzen sich Jhonny, Olivia und Jasmin an ihre Töpferscheiben und zeigen, was sie können.  Auch wir dürfen uns einmal an der Töpferscheibe versuchen und merken, welche Kunstfertigkeit notwendig ist, um einen Teller zu töpfern. Nur gut, dass Jhonny, Olivia und Jasmin unsere Fehler ausbessern. (Foto) Dieses erfolgreiche Projekt in der Schule San Jose de Paredon wird von terre des hommes seit acht Jahren unterstützt.

Im Anschluss fahren wir in das Schulinternat »Miskimayu«. Hier bauen die Schulkinder Gemüse an, im Freien und in Gewächshäusern. Somit essen sie nicht nur Reis und Kartoffeln, sondern erhalten eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung. Ein wesentlicher Aspekt dieses Projektes ist die Vermittlung alter Kulturtechniken. Wir werden sehr herzlich von ca. 100 Kindern und Jugendlichen mit Gesang und Tanz empfangen. Sehr beeindruckend war es für uns, die nun folgende traditionelle Zeremonie zur Danksagung an die Pacha Mama (Mutter Erde) mitzuerleben.

Nach dem gemeinsamen leckeren Mittagessen geht es an die Arbeit. Wir bereiten nach Anleitung der Jugendlichen ein Beet vor und pflanzen anschließend Zwiebeln. (Foto) Das erlernte Wissen wird in die verschiedenen Familien getragen und dort angewendet.

Mittwoch, 6.8.2014: Sucre

Heute reisten wir in zwei Gruppen nach Sucre, der Hauptstadt Boliviens. Die »Flieger« erlebten die Parade zum Nationalfeiertag in Sucre. In bunten Trachten zogen Gruppen aus allen Landesteilen in einer langen Parade am Plaza 25 de Mayo vorbei. Vom Balkon aus grüßte sie der Präsident Evo Morales (ja, wir haben ihn tatsächlich gesehen).

In Chauhpiloma besuchten die »Autofahrer« unseren Projektpartner CAI PACHA. Auf dem Platz der Schule feierten die umliegenden Gemeinden die Unabhängigkeit Boliviens. Nach den üblichen Reden hatten wir die Ehre, die Flaggen der Region Cochabamba, die der indigenen Völker und die Boliviens zu hissen. In einer kleinen Ansprache bedankten wir uns für diese Auszeichnung.

Anschließend zeigten uns Bauern aus Tablon Bajo einen Teil ihrer Kartoffelvielfalt. Diese haben sie zurückgewonnen, um in Zeiten des Klimawandels ihre Ernährung zu sichern. Auch hierfür hat terre des hommes mit dem örtlichen Projektpartner Unterstützungsarbeit geleistet.  

Dienstag, 5.8.2014


Heute teilte sich die Reisegruppe auf: Ein Teil besuchte die Organisation »Infante«, der andere Teil das Straßenkinderprojekt »Pay Tarpuy«. Infante, einer unserer langjährigen Projektpartner, betreibt mehrere Einrichtungen, unter anderem das Frauen- und Mädchenhaus »Casa de Mujeres« und einen Montessori-Kindergarten.

In der Casa de mujeres arbeiten über 40 Personen, unter anderem eine Psychologin, eine Rechtsanwältin, eine Sozialarbeiterin, zwei Medienfachfrauen. Hier können bis zu acht von sexuellen Übergriffen betroffene Mädchen und Frauen leben. Zur Überwindung ihrer seelischen Verletzungen stehen Theaterarbeit, Kunsttherapie, Sport- und Selbstverteidigungsräume zur Verfügung.

Im Montessori-Kindergarten waren wir an der Reihe: Ein Puppentheaterstück auf Spanisch (»Frederick«) und eine Gesangseinlage animierte die Kinder, uns ebenfalls zwei wunderschöne Lieder vorzusingen.

Das Straßenkinderprojekt  »Pay Tarpuy« will die Kinder davor bewahren, ihr Leben auf der Straße zu führen, und bereits dort lebende zurückzuführen. Wir hatten die Ehre, Raul zu treffen, den Streetworker des Projekts in Cochabamba und Quillacollo. Hier gibt es 600 Straßenkinder. Wir fragten ihn: »Wie schaffst du es, die Kinder von der Straße zu holen?« »Es gibt mehrere Erfolgsschlüssel«, war seine Antwort. Wenn ein Mädchen, das auf der Straße lebt, schwanger wird, will sie ein besseres Leben für ihr Kind. Hier hat Raul die Möglichkeit, ihr anzubieten, eine ID-Karte zu besorgen, mit der sie anschließend zur Schwangerschaftsvorsorge gehen kann. Auch der Zeitpunkt des Beginns der Hilfe ist für den Erfolg wichtig. Sobald Raul von einem »street newcomer« hört, versucht er, mit dem Kind in Kontakt zu treten.
Raul möchte, dass wir selber die Straßenkinder treffen. Er nimmt uns im Auto mit. Plötzlich hält er an, wir sehen eine junge schwangere Frau, die gerade Drogen nimmt. Er springt alleine raus und redet mit ihr. Kurz darauf bittet er uns dazu. Er redet eine halbe Stunde mit ihr und versucht, sie zu überzeugen, zur medizinischen Untersuchung zu gehen. Obwohl sie völlig »zugedröhnt« war, hatten wir jedoch den Eindruck, dass er zu ihr durchgedrungen war.

Sie verabreden sich, am kommenden Donnerstag zum Arzt zu gehen.   Unsere zweite Station führt uns zu ehemaligen Straßenkindern. Hier haben es Raul und seine Kollegen geschafft, einen Übergang in geordnete Verhältnisse zu finden. Dadurch erhalten sie die Möglichkeit auf staatliche Unterstützung.

Montag,4.8.: Besuch in Colomi

Am Montag, den 4. August verlassen wir frühmorgens um sechs  Uhr im Dunkeln unsere Unterkunft in Villa Tunari. Wir fahren über einen 3500 m hohen Pass nach Colomi. Es wird deutlich kälter.  Die Luft wird dünner.

In Colomi nehmen wir an einer offiziellen Sitzung des Kinderparlaments, das vom terre des hommes Projektpartner Ayni initiiert wurde, teil.  Zehn  Kinder im Grundschulalter, die aus verschiedenen Schulen in dieses Parlament gewählt wurden, sitzen mit Schärpen geschmückt stolz und selbstbewusst auf den großen Ratsstühlen des Bürgermeisteramtes. Als Kinderparlamentsvertreter erarbeiten die Kinder Vorschläge für aus ihrer Sicht notwendige Veränderungen in Colomi und leiten diese an den Bürgermeister und die Stadtverordneten  weiter. So konnten sie zum Beispiel schon durchsetzen, dass die Verkehrswege durch Verkehrsschilder sicherer gemacht wurden. Sie wünschen sich des Weiteren eine Brücke über die verkehrsreiche Durchgangsstraße, die Renovierung der Schulen, das Verbot von Kneipen in der Nähe von Schulen, ein Kinderschutzzentrum und einen Sportplatz.


Am Nachmittag sind wir zu einer Radiosendung im örtlichen Radiosender eingeladen. Mit bescheidenen Mitteln wird hier ein abwechslungsreiches engagiertes Programm geboten. Wir dürfen miterleben, wie Jugendliche eine Radiosendung zum Thema sexuelle Gewalt gestalten. Wir sind beeindruckt von den persönlichen Aussagen der Jugendlichen zu diesem Tabuthema . Sie machen sich damit gegenseitig und anderen Jugendlichen Mut, für eine gewaltfreie Gesellschaft einzutreten.

Besuch beim Projektpartner CEMIG in Santa Cruz

Nach einem eindrucksvollen Treffen mit der Frauenvereinigung von CEMIG, mit viel Information zur Gender-Gerechtigkeit und einem gemeinschaftlichen Tanzen, trafen wir am Nachmittag den Mann des Jahres 2013 von Santa Cruz , Domingo Abrego.

Mit ihm besuchten wir die Schule Cupesi Terrado im Stadtbezirk Plan 3000. Dort trafen wir 500 Kinder und Jugendliche, die uns herzlich begrüßten und ein Theaterstück über Straßenbanden vorspielten. Insgesamt gibt es in Santa Cruz 160 Jungendbanden, mit ca. 3.000 Mitgliedern. Die Kinder finden in den Banden Ansprechpartner, die sie und ihre Sorgen verstehen und sie so akzeptieren wie sie sind. Ein besonderes Problem stellt der leichte Zugang zu Drogen in diesen Jugendbanden dar. Domingo Abrego arbeitete mit den Kindern und Jugendlichen, vermittelte ihnen Werte und Selbstbewusstsein, sodass sie jetzt bewusster mit ihren Problemen umgehen können. Inzwischen ist die Eigeninitiative so groß, dass die Jugendlichen untereinander dafür sorgen, keine Drogen zu nehmen und die Banden zu meiden. Ein Verdienst von Domingo Abrego, der zu Recht den Titel Mann des Jahres 2013 von Santa Cruz erhalten hat.

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