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Das große Märchen von der »kleinen Grippe«

»Ich mache mir große Sorgen, dass ich für die Behörden einfach unsichtbar bin und komplett übersehen werde,«, sagt Carol. Das junge Mädchen lebt in Sapopemba, einem Stadtbezirk in der brasilianischen Metropole São Paulo, der besonders von der Covid 19-Pandemie betroffen ist. So wie sie empfinden viele Bewohner die bedrückende Situation in den Armenvierteln. Täglich steigt die Zahl der Erkrankten, doch die Regierung leugnet die Krise und verweigert die Hilfe bei der Bekämpfung der Seuche.

Deutlich mehr Erkrankte in den Armenvierteln

Dabei entwickelt sich Brasilien weltweit zum neuen Corona-Hotspot. Offiziell sind bereits 163.000 Menschen erkrankt, mehr als 11.000 starben an den Folgen der Pandemie. Flächendeckende Tests gibt es nicht. Somit dürfte die Zahl wesentlich höher liegen. »In den Armenviertel erkranken fünfmal mehr Menschen an dem Virus als in anderen Bezirken der Metropole«, berichtet terre des hommes-Projektkoordinatorin Bruna Leite. Das wegen der Sparmaßnahmen ohnehin geschwächte Gesundheitssystem ist angesichts der dramatisch steigenden Infektionszahlen vollends kollabiert. Doch der brasilianische Präsident Bolsonaro spricht lediglich von einer »kleinen Grippe«, die das Land befallen habe. Der Gesundheitsminister musste bereits seinen Hut nehmen, weil er sich an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation halten wollte.

»Unsere Projektpartner sind zutiefst besorgt über die Situation und haben ihre Aktivitäten bereits auf Notfallpläne umbestellt«, so terre des hommes-Mitarbeiterin Leite. Hauptziel sei es nun, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die sozialen Folgen vor allem für die ärmsten Familien zu lindern.

Besonders betroffen von der Corona-Krise sind die Armenviertel im Bundesstaat São Paulo. Hier leben die Menschen unter katastrophalen hygienischen Verhältnissen auf engstem Raum zusammen. Das Stadtviertel Sapopemba, in dem auch Carol mit ihrer Familie lebt, weist landesweit die zweithöchste Corona-Sterblichkeitsrate auf. Das junge Mädchen ist verzweifelt. »Ich glaube, dass die Behörden uns nicht respektieren. Sie kümmern sich einfach nicht um uns und unser Leben.«

Aufklärungsarbeit dringend nötig

Im Mittelpunkt der terre des hommes-Corona-Hilfe stehen zwei Randbezirke und zwei Städte im Großraum von São Paulo. Da es kaum Informationen über die Ansteckungsgefahren gibt, haben Partnerorganisation eine große Aufklärungskampagne über die Gefahren und über lebenswichtige Schutzmaßnahmen gestartet.

Andere Partner, wie das von terre des hommes geförderte Kulturzentrum Fernando Solano (CCFST), verteilen Nahrungsmittelkörbe. Sie enthalten Bohnen, Trockenfleisch, Reis und andere Grundnahrungsmittel. Knapp 30 Euro kostet ein solcher Lebensmittelkorb, mit dem eine Familie drei Wochen überleben kann. Etwa 700 Menschen können im Moment mit diesen Hilfspaketen versorgt werden. Angesichts der katastrophalen sanitären Verhältnisse und der hohen Ansteckungsgefahr werden Hygienekits mit Gesichtsmasken, Seife und Desinfektionsmittel an die Bewohner ausgegeben. Für die Kinder, die besonders unter der Krise leiden, gibt es außerdem Spielzeug und Bastelmaterial. Nicht nur die Angst vor einer Ansteckung belastet sie, sondern auch die soziale Isolation, wie ein kleiner Junge es beschreibt: »Ich bin sehr traurig, weil ich nicht zur Schule gehen, meine Freunde oder Verwandten sehen kann.«

terre des hommes-Koordinatorin Leite sieht aber auch die Notwendigkeit, bereits jetzt langfristige Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie zu ergreifen. Notwendig seien Schritte zur Verbesserung der gesundheitlichen Grundversorgung in den Armenvierteln. So unterstützt terre des hommes die Partnerorganisation Educação Educativa bei einem Klageverfahren gegen die Regierung. Damit soll ein Gesetz gestoppt werden, mit dem die Bolsonara-Regierung - trotz der alarmierenden Zustände - die Ausgaben für das öffentliche Gesundheits- und Sozialwesen für die nächsten 20 Jahre drastisch kürzen will.

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