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»It’s Time to Talk – Children’s Views on Children’s Work«

Problemstellung / Projektansatz

Projektname: »It’s Time to Talk – Children’s Views on Children’s Work«

Projektort: 36 Länder weltweit

Projektpartner: Kindernothilfe (Deutschland) sowie 65 lokale Partnerorganisationen

Laufzeit/Dauer: 2016 bis 2020

Finanzvolumen: 1,1 Millionen Euro

Kofinanzierung: mit 825.000 Euro (75 Prozent) kofinanziert durch das BMZ

Problemstellung und Projektansatz

Kinderarbeit ist ein globales und vor allem komplexes Phänomen. Weltweit gibt mehr als 150 Millionen Kinder, die arbeiten: Darunter sind Kinder, die am Wochenende in einer Bäckerei aushelfen, Kinder, die während der Erntezeit in der elterlichen Landwirtschaft helfen und Kinder, die täglich in Steinbrüchen, Ziegeleien oder Textilfabriken arbeiten.

Dieser Vielfalt gegenüber steht die Eindimensionalität vieler politischer Diskussionen zum Thema Kinderarbeit. Das liegt unter anderem daran, dass arbeitende Kinder und Jugendliche in diesen Diskussionen keinen Raum bekommen - und das, obwohl sie diejenigen sind, die ihre Lebensumstände am besten kennen. Darüber hinaus haben Kinder und Jugendliche laut UN-Kinderrechtskonvention, Artikel 12, ein Recht darauf einbezogen zu werden, wenn über sie und ihre Lebensumstände debattiert und entschieden wird.

Das Projekt »It’s Time to Talk – Children’s Views on Children’s Work« wurde entwickelt, um diese Lücke zu schließen. Dazu wurde einerseits eine globale Konsultation arbeitender Kinder und Jugendlicher durchgeführt; andererseits wurden gemeinsam mit den Partnerorganisationen Kinderkomitees gegründet. Im Rahmen dieser Komitees konnten arbeitende Kinder und Jugendliche sich austauschen, sich gegenseitig unterstützen sowie Ideen und Forderungen sammeln, welche konkret zu einer Verbesserung ihrer Lebensumstände beitragen könnten. Diese Forderungen wurden an unterschiedliche Zielgruppen (Lehrkräfte, Eltern, Politiker*innen) adressiert und in unterschiedlichen Aktionsformaten vorgetragen.

Während die Kinderkomitees vorwiegend auf lokaler bis nationaler Ebene agierten, dienten ihre Erfahrungsberichte, Standpunkte und Forderungen des Weiteren als Grundlage für globale Advocacy-Bemühungen.

Evaluierungsdurchführung und Evaluierungsergebnisse

Evaluierungsdurchführung

Die Evaluierung wurde zwischen Januar und April 2020 durch ein Team von Evaluator*innen der Firma Treeangles unter Leitung von Dr. Karim Sahyoun durchgeführt. Es handelte sich um eine Endevaluierung mit dem Ziel, die Erreichung der zu Projektbeginn formulierten Soll-Indikatoren zu überprüfen. Zudem diente die Evaluierung der Auswertung des gewählten Projektansatzes und somit zur Vorbereitung eines Folgeprojektes. Das Team hat 14 Kinderkomitees besuchen und mit Kindern sowie Mitarbeiter*innen der Partnerorganisationen Gruppendiskussionen durchgeführt. Wo nötig und möglich wurden zusätzlich narrative Einzelinterviews geführt. Weiterhin wurden Kontaktlisten und Publikationen genutzt, um die Outcomes auf globaler Ebene zu untersuchen.

Evaluierungsergebnisse

Die externe Evaluierung belegte den positiven Einfluss des Projekts auf individueller und kollektiver, auf lokaler und globaler Ebene.

Arbeitende Kinder und Jugendliche profitierten enorm von der Teilnahme an den Kinderkomiteetreffen. Ihr Selbstbewusstsein wurde ebenso gestärkt wie ihr Verständnis für die eigenen Rechte. Durch den Austausch mit anderen Kindern sowie das gemeinsame Verfolgen von Forderungen erfuhren die Komiteemitglieder zum Teil erstmalig, dass sie die Möglichkeit haben, positive Veränderung für sich selbst und ihre Mitschüler*innen, Geschwister und Freund*innen zu erreichen.

Die beteiligten Partnerorganisationen vertieften ihr Wissen über kinderrechtsbasierte Partizipation. Die methodischen Fortbildungen im Rahmen des Projektes vermittelten Kompetenzen, die auch auf weitere Arbeitsbereiche der Organisationen angewandt werden konnten und so die Art und Weise, wie mit Kindern und Jugendlichen zusammengearbeitet wird, transformieren konnten.

Auf globaler Ebene konnte die Beteiligung von arbeitenden Kindern an politischen Debatten bei mehreren Veranstaltungen realisiert werden. So sprachen zwei Delegierte eines indonesischen Kinderkomitees beim Global Child Forum 2018 in Stockholm, zwei Delegierte aus den Kinderkomitees in Peru und den Philippinen bei den Feierlichkeiten zum 30. Jubiläum der Kinderrechtskonvention im BMZ 2019 und je zwei Delegierte aus Kenia und Bangladesch beim C20-Gipfel 2020.

Empfehlungen der Evaluierung

Empfehlungen der Evaluierung

Aus der Evaluierung ergaben sich mehrere Empfehlungen für das geplante Folgeprojekt. Auf lokaler Ebene wurde dazu geraten, die Komitees für mehr Kinder und Jugendliche zugänglich zu machen und dabei zugleich aktiver den möglichen negativen Auswirkungen vorzubeugen. Dazu gehört eine intensivierte Risikoanalyse vor Aktionen ebenso wie die Thematisierung von Frustration und Enttäuschung, wenn nicht sofort Erfolge sichtbar werden.

Zu Beginn des Folgeprojektes sollte eine Analyse des Umfelds der Komitees erfolgen, um Anknüpfungspunkte und mögliche Verbündete zu identifizieren und somit die Nachhaltigkeit der Maßnahmen abzusichern.

Auf globaler Ebene sollte angestrebt werden, die bisher singulären Möglichkeiten zur Partizipation zu verstetigen, idealerweise zu institutionalisieren.

Alle Empfehlungen wurden in der Erarbeitung des Folgeprojektes einbezogen. Es ist geplant, durch die Ausbildung von Multiplikator*innen und die Gründung einer Community of Practice das Konzept der Kinderkomitees breiter in der Zivilgesellschaft zu verankern und so für mehr Kinder und Jugendliche zugänglich zu machen. Zugleich kann durch diese breitere Basis ein größeres Gewicht in den Verhandlungen mit globalen Entscheidungsträger*innen erlangt werden, um sich für die Institutionalisierung von Partizipationsmechanismen einzusetzen.

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