Vom Straßenkind zum Studenten: Romeo aus Simbabwe

Romeos Mutter starb, als er elf Jahre alt war. Drei Jahre später starb auch sein Vater. Während der kleine Bruder zur Großmutter nach Harare gebracht wurde, kam Romeo zu einem Onkel, der aber bald nach Sambia fortging. Romeo wurde ein Straßenkind – und traf auf Sozialarbeiter des terre des hommes-Projektes Thuthuka.

Ich war allein und musste Geld verdienen. Und mich um meinen kleinen Bruder kümmern. Deshalb machte ich mich auf nach Bulawayo im Süden von Simbabwe. Ich dachte, weil es näher an Südafrika liegt, kann ich dort Arbeit finden. Am Bahnhof begegnete ich einer Gruppe von Jungen, die auf der Straße lebten. Sie nahmen mich mit und ich blieb drei Jahre bei ihnen. Ich verdiente etwas Geld mit Betteln oder Autowaschen. Es lebten auch Mädchen bei uns, sie gingen abends in Bars und kamen morgens mit etwas Geld wieder. Doch wir hatten ständig Ärger mit der Polizei. Sie behaupteten, dass wir stehlen und sperrten uns über Nacht ins Gefängnis. Auch gab es immer wieder Streit und Schlägereien mit anderen Gangs, so dass wir manchmal unseren angestammten Platz verlassen und im Wald schlafen mussten. Wir haben viel geteilt, es ging gemeinschaftlich zu, auch wenn wir unterschiedlich alt waren. Die anderen wussten, dass ich einen Schulabschluss hatte und haben mir Zeitungen zum Lesen besorgt. Wir waren Freunde.

Trevor hat mir Mut gemacht

Hin und wieder gingen wir ins offene Zentrum von Thuthuka, wo wir uns waschen konnten und eine warme Mahlzeit bekamen. Dort arbeitete auch Trevor. Er hat mich überzeugt, an einem Training im Schreinern teilzunehmen. Und er hat mir immer wieder Mut gemacht. Ich sollte meine Zukunftsträume nicht aufgeben. Die Leute von Thuthuka haben mir dann geholfen, neue Papiere und Schulbescheinigungen zu besorgen. Die alten waren verloren gegangen. Irgendwann wollte ich nicht mehr auf der Straße leben und zog ins Thuthuka-Haus. Hier können Kinder und Jugendliche wohnen, die dem Leben auf der Straße den Rücken kehren wollen.

Ich ging weiter zur Schule, hatte gute Noten und qualifizierte mich für die Universität. Ich liebe das Schreiben und ich interessiere mich sehr dafür, was in der Welt passiert. Deshalb studierte ich Journalismus. Thuthuka hat mich finanziell unterstützt, und wohnen konnte ich bei einer Pastorin, die in der Nähe der Universität ein Haus hat.

Am Anfang war das Studium schwer, aber ich habe mich durchgebissen. Ich wusste, dass es meine einzige Chance war. Ich habe an der Uni Freunde gefunden, die von meiner Vergangenheit wussten, aber das war kein Problem. Ich wollte den Kreislauf durchbrechen und irgendwann eine Inspiration für andere sein. Mein Studium in Journalismus und Medienwissenschaften habe ich abgeschlossen, und mein Leben war auf einmal völlig verändert.

Viele haben den Weg in ein neues Leben nicht geschafft

Zu meinen Freunden von der Straße habe ich immer noch Kontakt. Viele haben den Weg in ein neues Leben nicht geschafft. Das Schlimmste am Leben auf der Straße ist, dass du nicht weißt, was du am nächsten Tag essen wirst. Und dass man sich nie wirklich sicher fühlen kann. Ich habe oft eine große Hoffnungslosigkeit verspürt – jeder Tag war wie der andere. Ich wusste, dass ist nicht das, was ich für mein Leben will.

Für viele Jugendliche scheint das Leben auf der Straße attraktiver als ein geregeltes Leben. Du willst einfach nicht mehr von irgendjemandem abhängig sein. Selbst, wenn du nur einen Dollar am Tag verdienst – der gehört dir, du kannst ihn ausgeben, wie du möchtest. Es gibt keine Regeln. Aber man gibt sich auch selbst auf. Viele Straßenkinder glauben nicht mehr an sich selbst.

Eine Arbeit habe ich immer noch nicht gefunden. Deshalb mache ich jetzt ein Masterstudium in »Internationale Beziehungen« an der Bindura-Universität in der Nähe von Harare. Ich arbeite nebenbei in der Presseabteilung der Universität und kann so die Studiengebühren bezahlen. Gleichzeitig bekomme ich Berufserfahrung. Aber ich bin noch nicht da, wo ich sein möchte. Ich will nicht mehr auf die Unterstützung anderer angewiesen sein.

So wie ich brauchen viele Kinder nur eine kleine Chance, damit sie ihre Talente entfalten können. Thuthuka ist deshalb sehr wichtig. Die Leute machen eine großartige Arbeit. Sie verändern Leben zum Besseren.

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