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Erste Hilfe gegen die Traumata des Krieges

Bei Xenion bekommen Kinder und Jugendliche aus der Ukraine psycho-soziale Hilfe, Rat und Zuwendung

Es sind schreckliche Bilder, die die aus der Ukraine geflüchteten Menschen ihr Leben lang begleiten werden: Bilder von toten Nachbar*innen, von Bomben-Explosionen oder von verzweifelten Familien-Mitgliedern. Dazu kommt die Sorge um Freund*innen und Verwandte, die im Krieg zurückgeblieben sind.

Der Kummer und die Geschichten der ukrainischen Flüchtlinge gehen jedem, der ihnen zuhört, nahe - auch den Therapeut*innen und Sozialarbeiter*innen des Berliner Vereins Xenion. Xenion betreibt seit 35 Jahren ein psycho-soziales Behandlungszentrum für traumatisierte Flüchtlinge und Opfer von Krieg, Folter und anderen schweren Menschenrechtsverletzungen. Unter ihnen sind auch viele Kinder und Jugendliche.

Rund 50 Therapeut*innen, Sozialarbeiter*innen, Verwaltungs­kräfte, Dolmetscher*innen und andere Helfer*innen sind fest bei Xenion angestellt, dazu kommen Honorarkräfte. Sie helfen mit Therapien, mit  Zuwendung, mit Gesprächen, die emotional entlasten und Halt geben. Aktuell versorgt Xenion 2.500 Klient*innen, darunter 800 Kinder und Jugendliche. Rund 260 davon sind in Therapie. Xenion arbeitet an der Belastungsgrenze und braucht dringend mehr Personal, um die Hilfe für die in Berlin ankommenden Geflüchteten aus der Ukraine auszubauen.

terre des hommes arbeitet bereits seit dem Jahr 2000 mit Xenion zusammen und unterstützt nun auch die Hilfe für die Flüchtlinge aus der Ukraine: »Wir haben Personalsstellen finan­ziert, die bei Xenion sonst weggefallen wären, weil die Senatsverwaltung für Jugend Zuschüsse gekürzt hat«, sagt Teresa Wil­mes, Referentin für Deutschland und Europa bei terre des hommes.  »Wir  schließen damit  eine Lücke und finanzieren die Stellen bis Ende des Jahres.«

Panik, Schweigen, Introvertiertheit und psychotraumatische Belastungsstörungen

Die Unterstützung von Xenion ist umfassend: Zunächst findet mit den Hilfesuchenden ein Gespräch statt, in dem die wichtigsten Fragen geklärt werden: Wie geht es dem Klienten? Was braucht er oder sie? Sind längerfristige Angebote nötig? Aber schon für diese ersten Basisgespräche gibt es derzeit eine Wartezeit von drei bis vier Wochen. »Wir haben zurzeit überdurchschnittlich viele Mädchen«, sagt Ronald Reimann, leitender Mitarbeiter bei Xenion. »Das ist ungewöhnlich. Normalerweise kom­men gleich viele Jungs wie Mädchen.« Auch seien die Hilfe suchenden Minderjährigen derzeit besonders jung, nicht mehr wie sonst meist 16 oder 17 Jahre alt. Bei allen sind die Folgen der schrecklichen Erlebnisse zu erkennen. Reimann: »Panik, Schweigen, Introvertiertheit, im schlimmsten Fall psychotraumatische Belastungsstörungen und Dauerschäden.« Durch die ersten Gespräche will Xenion ihnen Halt geben.

Xenion plant, für ukrainische Jugendliche auch Austauschgruppen einzurichten. Mit jungen Afghan*innen wurden dabei gute Erfahrungen gemacht: Die Jugendlichen haben einen festen Rahmen, in dem sie erfahren, dass es an­deren genauso geht wie ihnen selbst. Das entlastet. In den Austauschgruppen treffen sich Jugendliche einmal pro Woche. Harmlose Plauserrunden sind es jedoch nicht. Bei den Gesprächen können schreckliche Erinnerun­gen schnell wieder hochkommen. Ein Therapeut ist deshalb immer dabei, oft auch ein Sozialarbeiter.

Jungen Flüchtlingen, die schon länger in Berlin sind, bietet Xenion Treffs an, bei denen gekickert und gekocht wird oder auch einen Rap-Kurs. Mädchen können Selbst­verteidigung trainieren. »Aber bei den ukrainischen Jugendlichen«, sagt Rei­mann, »muss man erstmal schauen, was für sie am besten ist. Sie sollen selber sagen,was sie möchten.«

Xenion hat auch den Bereich »Akinda«. Dort werden Ehrenamtliche betreut und begleitet, die eine Vormundschaft für un­begleitete minderjährige Flüchtlinge übernommen haben. Reimann leitet »Akinda«. Seit Kriegsbeginn haben sich schon mehr als 50 Menschen gemeldet, die so eine Vor­mundschaft - die Zuständigkeit anstelle der Eltern - übernehmen wollen. Die Hilfsbereitschaft ist enorm.

29.04.2022

 

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