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Kinderzentren in Flüchtlingscamps und Gemeinden

Ausgangssituation

Im autonomen Gebiet Kurdistan leben noch immer eine Million Binnenvertriebene und Hunderttausende Flüchtlinge aus Syrien. Ihre Lage in den Gouvernements Erbil und Dohuk ist wie überall im Nordirak prekär. Fast die Hälfte der Geflüchteten sind Kinder und Jugendliche, viele leben von ihren Familien getrennt. Andere haben mitansehen müssen, wie Familienangehörige getötet oder vergewaltigt wurden. Es fehlt an psychologischer und psychosozialer Betreuung. Auch wenn mittlerweile eine Einigung mit den verantwortlichen Ministerien zur Einschulung und Wiedereinschulung der rund 300.000 Flüchtlingskinder im Schulalter getroffen wurde, ist eine angemessene Bildung nach wie vor eine der größten Herausforderungen.

Die terre des hommes-Partnerorganisation

Im Projekt arbeiten drei Organisationen Hand in Hand: Unsere Schwesterorganisation terre des hommes-Italien ist seit vielen Jahren im Nordirak aktiv. Schwerpunkte der Arbeit sind der Schutz, die Förderung und die Bildung von Kindern. Die kurdische Jiyan Foundation und der deutsche Verein trauma aid schulen Therapeuten speziell für die Behandlung von Kindern. Sie sollen ihre traumatischen Erfahrungen verarbeiten und in einen strukturierten Alltag zurückfinden.

Maßnahmen und Wirkungen

terre des hommes kümmert sich mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) um rund 5000 Mädchen und Jungen aus vier Flüchtlingscamps und fünf Gemeinden bei Erbil und Dohuk. In Kinderzentren können die Mädchen und Jungen spielerisch ihre Traumata und Gewalterfahrungen verarbeiten und Kraft tanken. Seit Projektstart 2016 nutzten mehr als 10.000 Kinder die Sport- und Freizeitangebote.

Die informellen Bildungsangebote sind seit dem vergangenen Jahr an das Curriculum der staatlichen Schulen angelehnt und der Unterricht wird in den Sprachen Kurdisch, Arabisch und Englisch gehalten. Sehr häufig sind die Eltern Analphabeten und können ihren Kindern bei schulischen Aufgaben keine Unterstützung bieten. Auch sie werden in das Projekt einbezogen und über Kinder- und Menschenrechte und Gesundheitsthemen aufgeklärt. Auf dem Stundenplan stehen auch Friedens- und Menschenrechtserziehung, damit die Kinder lernen, Konflikte friedlich zu lösen.

Mädchen und Jungen mit schweren Symptomen psychischer Belastungsstörungen werden an psychologische Fachkräfte und spezialisierte Organisationen weitervermittelt. Psychologische Erstversorgung und Betreuung bietet unser Partner Jiyan Foundation in zwei Kliniken in Dohuk und Erbil an sowie in den Flüchtlingscamps Khanke und Hasansham. Ziel ist es, die psychischen Störungen frühzeitig zu therapieren und dadurch zu verhindern, dass sie sich langfristig manifestieren und die weitere Entwicklung der Jugendlichen blockieren.

Herausforderungen und Planung

Zu Beginn des Projektes gab es in Dohuk und Erbil kaum Angebote zur psychotraumatischen und psychischen Versorgung. Deshalb bauen die Partnerorganisationen eine Basisversorgung auf und qualifizieren 25 im Irak ausgebildete Psychologinnen und Psychologen in Traumatherapie. Sie helfen den Kindern und Jugendlichen, mit ihren traumatischen Erfahrungen umzugehen und den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Um eine nachhaltige Verbesserung der Situation zu erzielen, müssen im nächsten Schritt lokale Experten zu Ausbildern qualifiziert werden, damit sich Versorgungsstrukturen auch ohne die Hilfe internationaler Organisationen ausweiten können.

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