Kolumbien: Neuanfang in der Friedensgemeinde

In Kolumbien herrschte über 50 Jahre lang ein bewaffneter Konflikt zwischen verschiedenen Guerillabewegungen, paramilitärischen Gruppen und der staatlichen Armee. Millionen Menschen wurden ermordet, sind »verschwunden«, wurden zwangsweise von ihrem Land vertrieben, gefoltert oder als Geiseln genommen. Viele Kinder und Jugendliche mussten sexuelle Gewalt erleben oder wurden durch die bewaffneten Gruppen als Kindersoldaten- und soldatinnen rekrutiert und benutzt.

Mit etwa sieben Millionen Opfern interner Vertreibung ist Kolumbien nach Syrien aktuell das Land mit den meisten Binnenvertriebenen weltweit. Während der Krieg in den meisten Städten schon länger kaum mehr zu spüren ist, sind in den ländlichen Gebieten insbesondere Kinder, Jugendliche, Frauen, ethnische und kulturelle Minderheiten, wie afrokolumbianische und indigene Bevölkerung besonders stark vom bewaffneten Konflikt betroffen.

Zum Beispiel Carlos: Die Gemeinde, in der er lebt, liegt mitten in einem umkämpften Gebiet. Denn auch nach dem Friedensabkommen, das 2016 zwischen der kolumbianischen Armee und der bedeutendsten Guerillabewegung FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) ausgehandelt wurde, streiten die verbliebenen bewaffneten Akteure erbittert um die Kontrolle der Territorien. Der Staat ist nicht präsent, stattdessen haben paramilitärische kriminelle Banden das Sagen. Auch die ELN-Guerilla kommt immer wieder in die Dörfer. Die Zivilbevölkerung steht zwischen den Fronten. Viele von Carlos´ Freunden wurden ermordet oder sind vor drohender Rekrutierung geflohen.

Doch Carlos´ Gemeinde und 135 andere leisten gewaltfreien Widerstand: Sie haben sich zu Friedensgemeinden erklärt und zu einem Netzwerk namens Conpaz (mit Frieden) verbunden, das von der kolumbianischen Menschenrechtsorganisation Justicia y Paz, von terre des hommes und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt wird. Hier haben bewaffnete Gruppen keinen Zutritt. Ehemalige Kindersoldatinnen und -soldaten bekommen psychosoziale, juristische und praktische Hilfe bei der Gestaltung eines neuen Lebens.

Stark gemacht werden die Gemeinden nicht nur durch die Förderung ihrer Selbstorganisation, sondern auch durch die Friedenserziehung von Kindern und Jugendlichen. Diese geben das Erlernte weiter, beteiligen sich am Friedensprozess und engagieren sich dafür, dass in Kolumbien endlich eine Kultur des Friedens die Oberhand gewinnt.

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