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Einfach überzeugend

Für indische Verhältnisse ist es fast ein Katzensprung von der Millionenstadt Kalkutta zum nur 65 Kilometer entfernten Dorf Sikharbali. Im Vergleich zum Asphaltdschungel und dem Menschengewimmel Kalkuttas liegt das kleine Dorf idyllisch gelegen inmitten eines kleinen Waldes, bestellte Felder rings herum. Tanushree ist 17 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie hier. Außer ihrer Familie gibt es noch 116 weitere, fast alle leben hier von der Landwirtschaft. Fast alle sind sehr arm.

Die Auswirkungen von Pestiziden

Seit Jahren nutzen die Kleinbauern, die von den schmalen Erträgen ihrer kleinen Parzellen leben, chemischen Dünger. Diese Erträge verringerten sich von Jahr zu Jahr und somit auch der Verdienst. Doch die Preise für den Dünger blieben hoch. Viele Bauern mussten sich verschulden, um sich den Dünger leisten zu können. »Unser Geld ging für den Kauf von Pestiziden drauf. Für Schulbücher, Stifte und Hefte blieb fast nichts übrig. Außerdem habe ich bemerkt, wie schlecht es meinem Vater ging, als er noch mit chemischem Dünger die Felder behandelt hat. Handschuhe oder Schutzmasken hat er nie getragen. Die Chemie hat ihn krank gemacht«, erklärt die 17-Jährige.

Der Umstieg auf die ökologische Landwirtschaft

Tanushree könnte in ihrer Freizeit sicher andere Dinge machen. Doch sie engagiert sich in einem der insgesamt 300 Jugendklubs, die die von terre des hommes unterstützte Nichtregierungsorganisation NISHTHA aufgebaut hat. Die Jugendlichen kümmern sich um viele Themen, die ihnen wichtig sind und sie direkt betreffen. Eines davon ist die Verheiratung von Kindern an erwachsene Männer – ein Phänomen, das im ländlichen Indien immer noch sehr verbreitet ist. Ein anderes wichtiges Thema ist der Umweltschutz. In den Jugendklubs werden u.a. Lösungen für das allgegenwärtige Müllproblem gesucht. Die Gruppe, in der sich Tanushree engagiert, kümmert sich um ein großes Vorhaben: Der Umstieg auf die ökologische Landwirtschaft im Dorf Sikharbali. Dorfbewohner, die mit dem entsprechenden Know-how ausgestattet wurden, geben ihr Wissen über organisch hergestellten Dünger und biologische Pflanzenschutzmittel an die Familien weiter. Der Vorteil für die Kleinbauern liegt auf der Hand: Sie leben gesünder und sparen Geld, denn chemische Dünger und Schädlingsbekämpfungsmittel sind teuer. Bio-Dünger und organische Schädlingsbekämpfungsmittel werden hingegen u.a. aus Abfällen zusammengemischt und sind für jeden erschwinglich.

Mit Willenskraft und viel Engagement

In ihrem Dorf konnte der Öko-Klub bislang die Hälfte aller Bauern für den Umstieg auf die organische Landwirtschaft begeistern. Und so entschieden, wie die jungen Menschen sind, wird auch die andere Hälfte bald folgen. Denn Tanushree opfert ihre Freizeit aus tiefster Überzeugung: »Es hat tausend Jahre gedauert, um hier fruchtbares Land zu bekommen und nur knapp 20 Jahre, um dieses Land unfruchtbar und trocken zu machen - das dürfen und wollen wir nicht akzeptieren.«

 Zum Video über Tanushree und ihr Engagement

25.4.2014

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