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Noch immer Krieg im Norden des Landes

Es sind schlimme Nachrichten, die uns derzeit aus Burma erreichen. Zuletzt von einer Mörserattacke auf das Dörfchen Mayan in der Nähe der Stadt Myitkyina: Eine Bambushütte wurde getroffen, ein achtjähriger Junge und seine Mutter kamen ums Leben. Der Vater, sein zweijähriges Baby und der Großvater wurden verletzt. 

Das ist kein Einzelfall im Norden des Vielvölkerstaates Burma. Partner von terre des hommes schlagen deshalb Alarm: Während die Weltöffentlichkeit die Regierung des ehemaligen burmesischen Generals Thein Sein dafür lobt, die Uniformen ausgezogen zu haben und das totalitäre Regime nach und nach zu lockern, und dass die Bürgerrechtlerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi nicht mehr unter Hausarrest steht, bombardiert die Armee von Burma im Norden des Landes die eigene Bevölkerung.

In der Region lebt die Volksgruppe der Kachin, eine der 135 Ethnien in Burma. Viele dieser Gruppen, beispielsweise die Shan, die Karen, die Mon, die Chin und die nicht als Minderheit anerkannten Rohingya pochen seit Jahrzehnten auf mehr Autonomie. Viele haben, um ihre Ziele durchzusetzen, Rebellenarmeen gegründet. Mit den meisten dieser Organisationen hat der Staat inzwischen Waffenstillstandsabkommen geschlossen.

Bei den Kachin liegt der Fall anders. Bereits seit 1994 existierte eine Friedensvereinbarung zwischen der damaligen Militärregierung und der »Kachin Independence Organisation« (KIO) sowie ihrem bewaffneten Arm, der »Kachin Independent Army« (KIA). Diese Übereinkunft hielt bis zum Juni 2012, als das Militär zum ersten mal wieder eine Offensive gegen die Kachin startete. Beschossen wurden vor allem das Hauptquartier der KIO in Laiza und Außenposten der KIA – aber eben auch Regionen, in den Zivilisten leben. Eine Begründung gab es nicht: Die Militäraktion wurde geleugnet. Als das nicht mehr ging, sprach die Regierung von »Trainingsflügen« des Militärs. Inzwischen wurde eine offizielle Begründung nachgeliefert: Die Rebellenarmee KIA zerstöre Infrastruktur, überfalle das Militär und drangsaliere die Bevölkerung.

Die militärischen Argumente sind nur vorgeschoben. Tatsächlich geht es wohl eher um die Frage, wer im Land das Sagen hat – der Präsident, das Militär oder, in ihren angestammten Gebieten, die ethnischen Minderheiten. Dabei geht es nicht nur um politischen, sondern auch wirtschaftlichen Einfluss. Im Kachin-Staat haben zuletzt die Pläne chinesischer Investoren, zwei große Staudämme zu bauen, für erhebliche Unruhe gesorgt. Zudem ist die Region reich an Bodenschätzen – wer dort das Sagen hat, bestimmt, wie und von wem sie ausgebeutet werden. Weitere Konfliktpunkte sind eine Öl- und Gaspipeline, die China durch das Gebiet der Kachin-Rebellen bauen will; die Bevölkerung vor Ort soll davon aber nicht profitieren. Sie muss nur die Umweltzerstörungen ertragen.

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