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Wasser für Hoang Van Thu

Armutsbekämpfung durch Dorfentwicklung
Die Provinz Lang Son gehört mit zu den ärmsten Regionen Vietnams. Die rasante Wirtschaftsentwicklung des Landes hat diese Region bisher nicht erreicht. Mehr als 30 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind unterernährt. Die an China grenzende Region Lang Son umfasst eine Fläche von knapp 820.000 Hektar, von der aber lediglich etwa zehn Prozent landwirtschaftlich genutzt werden kann. Doch die Erträge sind gering, denn der größte Teil der Region besteht aus Bergen und Ödland. Sehr kalte Winter und ein akuter Wassermangel lassen nur eine Ernte pro Jahr zu. Die 750.000 Einwohner der Provinz gehören verschiedenen Ethnien an. Die Mehrheit von ihnen lebt von der Landwirtschaft.

Die Versorgung mit Trinkwasser ist ein großes Problem. In der Trockenzeit mangelt es an Wasser, in der Regenzeit sind die Quellen stark verschmutzt. Viele der 3.600 Dorfbewohner leiden an Durchfall- und gefährlichen Augenerkrankungen, die ihre Ursachen in der Nutzung verunreinigten Wassers haben.

Kaum Perspektiven für Kinder
Nicht nur die kargen landwirtschaftlichen Erträge und die katastrophale Wasserversorgung stellen die Bewohner vor Probleme. Die große Armut in der Region hat dazu geführt, dass viele Männer und Frauen in die Wirtschaftsmetropolen Vietnams abwandern, um hier Arbeit zu finden. Hierdurch ist die Betreuung der Kinder oftmals nicht mehr sicher gestellt. Das führt zu vielerorts zur Auflösung der traditionellen Familienstrukturen, denn auch die älteren Menschen haben kaum Zeit, sich um die Erziehung der zurückgebliebenen Kinder zu kümmern.

Begünstigt durch die Grenznähe werden viele Frauen mit dem Versprechen auf ein hohes Einkommen von Menschenhändlern nach China gelockt, wo sie dann zur Prostitution gezwungen werden. Auch die Zwangsverheiratung mit chinesischen Männern ist eine weit verbreitete Praxis.

Kinder haben kaum eine Perspektive. Viele Familien sind zu arm, um ihre Kinder zur Schule zu schicken. Die meisten Kinder können aber nicht zur Schule gehen, weil ihre Arbeitskraft für die Feldarbeit und das Heranholen von Trinkwasser gebraucht wird. Erschwert wird die Situation dadurch, dass öffentliche Schulen vielerorts weit entfernt liegen und es an Transportmitteln fehlt.

Die Situation in Hoang Van Thu
Wasserknappheit ist eine Hauptursache für Erkrankungen. Ungefähr 57 Prozent der Menschen in Hoang Van Thu und den umliegenden Dörfern leiden an infektiösen Augenerkrankungen, 58 Prozent unter Hautkrankheiten, und 61 Prozent unter Magen- und Darminfektionen. Bei den Frauen liegt die Rate der gynäkologischen Erkrankung bei 70 Prozent.

Lebensmittelmangel und verschmutzte Wasserquellen haben die Zahl der Kinder, die an Mangelernährung leiden, von fünf auf 39 Prozent erhöht. Die Lebensbedingungen in dieser Gegend sind so hart, dass fast 30 Prozent der Einwohner Arbeit außerhalb der Gemeinde annehmen müssen. Die schweren Arbeiten müssen von Frauen und Kindern während der Abwesenheit ihrer Männer übernommen werden. Die schwerste Arbeit ist das Schleppen von Wasser. Die Wasserquelle liegt oft mehrere Kilometer entfernt. Wegen der Entfernung und der schwierigen Wegstrecken können die Kinder nur die Hälfte der Wassermenge nach Hause bringen. Häufig verletzen sich die Kinder beim Schleppen der schweren Wasserbehälter auf den steilen und rutschigen Wegen.

Wie terre des hommes hilft
terre des hommes unterstützt die Bewohner des Dorfes nun, die Trinkwasserversorgung zu verbessern. Durch diese Maßnahme soll zunächst die Zahl der Erkrankungen verringert werden. Im zweiten Schritt sollen dann die Lebensbedingungen der Familien verbessert werden. Durch den Bau von Wasserleitungen können sich die Erwachsenen intensiver um die Landwirtschaft kümmern, während die Kinder von der schweren Knochenarbeit des Wasserholens befreit werden.

In der ersten Projektphase sollen die Wasserquellen besser gegen Verunreinigungen gesichert werden. Danach folgt der Bau von Wasserleitungen, die bis ins Dorf reichen. Aufgrund der gebirgigen Steillagen werden keine zusätzlichen Wasserpumpen benötigt. Das Wasser wird dann in mehrere Großbehälter im Dorf geleitet und anschließend gefiltert. Mehrere Dorfbewohner sind für die Pflege der Wasseranlage, die Überwachung der Rohrleitungen und die notwendigen Reparaturen zuständig. Jede Familie zahlt für die Nutzung des Trinkwassers einen Betrag von 2.000 VND (10 Cent) pro Monat. Die Gebühr deckt die Arbeitskosten für das Wartungspersonal und die Kosten für Ersatzteile. Die angesparte Summe ist für die zukünftige Erweiterung des Systems vorgesehen. An den Ausgrabungen, der Installation der Pipeline und den Transport der Baukosten beteiligen sich die Bewohner aktiv.

Der terre des hommes-Projektpartner unterstützen die Dorfbewohner bei der Umsetzung des Projektes und bei der Durchführung weiterer Maßnahmen, die der Verbesserung der Lebensbedingungen dienen. So sollen Aufklärungskurse über Krankheiten und Präventionsmaßnahmen angeboten werden. Zusätzliche Ausbildungsangebote sollen den Kindern beim Lernen helfen und dazu beitragen, die Einschulungsquote zu erhöhen. Bis Ende 2014 soll erreicht werden, dass die Zahl der Patienten mit Durchfall- und Augenerkrankungen stark reduziert wird.

Da der Bedarf an sauberem Trinkwasser steigen wird, sind zusätzliche Quellen notwendig. Um diese neuen Quellen ausfindig zu machen, soll vor allem das Wissen der älteren Dorfbewohner, die mit den Gegebenheiten der Natur besser vertraut sind, einbezogen werden.

Mehr als 500 Familien werden nach Abschluss der Projektarbeiten regelmäßig über sauberes und gesundes Trinkwasser verfügen. Und viele Kinder werden dann auch die Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen, statt täglich schwere Wasserbehälter zu schleppen.

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