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Die Bundeswehr wirbt um Kinder

Die Bundeswehr benötigt jährlich rund 20.000 neue Rekruten. Um diese Zahl zu erreichen, werden die Werbemaßnahmen stark ausgeweitet und jedes Jahr Minderjährige als Soldaten rekrutiert: 2017 waren es 2.128 17-Jährige, darunter 448 Mädchen. Diese erhalten dieselbe militärische Ausbildung an der Waffe wie erwachsene Soldaten und werden dann oft schon bald nach Erreichen der Volljährigkeit in Auslandseinsätze geschickt.

Der gesetzliche Jugendschutz gilt nicht mehr: Die Mädchen und Jungen werden gemeinsam mit erwachsenen Soldaten untergebracht, sie haben dieselben Arbeitszeiten, besondere Schutzmaßnahmen gegen Mobbing oder Übergriffe gibt es nicht – obwohl laut einer Bundeswehr-Studie mehr als die Hälfte aller Soldatinnen in der Bundeswehr sexuell belästigt wurden und etwa jede dreißigste Opfer sexuellen Missbrauchs wurde (Quelle: Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, 2014).

Die Bundeswehr wirbt zunehmend bei Kindern und Jugendlichen, gezielt und einseitig: Jedes Jahr erreichen allein die Jugendoffiziere und Karriereberater der Bundeswehr an Schulen mehr als 400.000 Schüler, darunter auch Kinder von gerade einmal elf Jahren. Viele weitere Mädchen und Jungen werden auf Messen, bei Kasernenbesuchen oder Abenteuerevents erreicht. Doch die Werbung für Militäreinsätze widerspricht den Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention, die auch Deutschland unterschrieben hat. Die darin verbrieften Kinderrechte gelten für alle unter 18-Jährigen. Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes und die Kinderkommission des Deutschen Bundestages haben der Bundesregierung empfohlen, das Eintrittsalter in die Bundeswehr auf 18 Jahren anzuheben und jede Militärwerbung bei Kindern und Jugendlichen zu verbieten.

Auch über Jugendmedien und Social Media versucht die Bundeswehr, Nachwuchs zu werben. Viele Jugendliche lassen sich von guten Gehältern, festem Job, kostenlosem Studium und anderen Vergünstigungen der Bundeswehr locken. Die Risiken wie Trauma, Tod oder Verwundung werden in Schulvorträgen, Werbespots und Materialien der Bundeswehr gar nicht oder nur am Rande erwähnt. Werbeaktionen wie die »Bundeswehr Adventure Games« oder »BW Beachen« betonen stattdessen Abenteuer, Spaß, Sport und Teamarbeit, reale Einsatzbilder fehlen oft komplett.

Die Bundeswehr investiert immer stärker in Nachwuchsanwerbung. Die Kosten stiegen in den letzten zehn Jahren von 3,8 Millionen Euro auf 35,5 Millionen Euro.

Die Entscheidung über die Einladung von Soldaten in den Unterricht liegt allein bei der Schule. Schüler, Eltern und Lehrkräfte können sich in Lehrer- und Schulkonferenzen und über die Schüler- und Elternräte dagegen aussprechen. Auch können Eltern für ihre Kinder Ersatzunterricht beantragen, wenn Bundeswehrsoldaten in die Klasse kommen. Außerdem gibt es vor allem auf lokaler Ebene immer mehr Initiativen gegen die Bundeswehr-Werbeoffensive. Auch terre des hommes und andere Organisationen wie die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), die Kindernothilfe, Unicef Deutschland, Pax Christi, das Darmstädter Signal (kritische Soldaten) und die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG-VK) fordern den Stopp jeder Art von militärischer Werbung und Rekrutierung bei Minderjährigen.

Diskussionsveranstaltungen, bei denen Soldaten, Friedenspädagogen, Kinderrechtler oder andere Experten mit älteren Schülerinnen und Schülern kontrovers diskutieren, können sinnvoll sein - denn die Schüler haben auch ein Recht auf Information. Die Veranstaltungen müssen aber für die Schüler freiwillig und für Eltern und andere Interessierte offen sein. Weitere strenge Standards zum Schutz der Jugendlichen vor einseitiger militärischer Werbung müssen eingehalten werden. terre des hommes hat dazu Musterleitlinien für Schulen entwickelt.

Unsere Forderungen

  • Die Anhebung des Rekrutierungsalters der Bundeswehr auf mindestens 18 Jahre!
  • Den Stopp jeder Art von militärischer Werbung bei Kindern und Jugendlichen!
  • Die Veröffentlichung des Alters von Soldaten und Soldatinnen, die von bundeswehrinternen Rechtsverletzungen wie sexuellem Missbrauch, entwürdigenden Aufnahmeritualen oder Mobbing betroffen sind oder die sich beim Training oder im Einsatz verletzen, traumatisiert werden oder zu Tode kommen.

Auch der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes in Genf und die Kinderkommission des Deutschen Bundestages fordert dies von der Bundesregierung.

Unter 18 nie: 30.000 Unterschriften an Ministerin Ursula von der Leyen

Im September 2017 haben wir mehr als 30.000 Unterschriften an Verteidigungsministerin von der Leyen überreicht und unseren Forderungen bei einem Gespräch im Verteidigungsministerium Nachdruck verliehen. Allen, die bei der Unterschriftenaktion mitgemacht haben, danken wir herzlich! mehr

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