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15. Februar: Der Berg la Popa - El Cerro de La Popa – und die Stadtviertel Cerro Fresco und Angola an der Lagune

Die Bucht von Cartagena ist mit dem Pazifik und dem karibischen Meer durch Flüsse und Lagunen verbunden. Wir werden uns mit Kindern treffen, die an den Straßen an der Lagune „Cano Juan Angola“ wohnen. Der Fluss und die Lagune sind stark verschmutzt. Plastikmüll schwimmt an den Ufern oder haftet an den Ästen der Ufergewächse. Dazu kommen die unsichtbaren Kontaminierungen von der Industrie und von den ungefiltert eingeleiteten Fäkalien der Haushalte. Ungefähr 30% der Haushalte sind ohne Sanitärsystem und ohne Anschluss an die Wasserversorgung. Ein weiterer Umwelteinfluss ist die Erosion, die durch die Zunahme von Stürmen und Niederschlägen eine zunehmende Rolle spielt. Wassermassen machen sich vom Berg in das Tal Platz und reißen Erdmassen mit sich. Hochwasser und Überflutungen in dem Stadtzentrum von Cartagena treten häufiger auf als früher.

Die Regierung stellt kein Geld für den Ausbau des Sanitärsystems und für den Anschluss an das Wasserversorgungssystem für die armen Vierteln, die sich am Berg la Popa befinden, zur Verfügung. Angeblich sei es technisch schwierig, diese Haushalte anzubinden. Wir haben auf dem Berg la Popa eine touristische Stätte besucht, um eine Toilette zu aufzusuchen. Hier gab es Wasser zum Händewaschen und zur Spülung. Es ist alles eine Frage des politischen Willens.

In der Mitte des Bildes sehen wir die alte Festung. Im 16. Jahrhundert war Cartagena der wichtigste Hafen für die Spanier. Die Festungsanlage war notwendig, um den Hafen vor Piraten zu schützen. Sie waren auf das Gold aus, das von hier verschifft wurde. Hier war ebenso der größte Sklavenhandel von Lateinamerika. Weitere Befestigungsanlagen waren auf den vorgelagerten Inseln. Berühmt ist die Festung San Fernando, das Gebiet wurde „tierra bomba“ genannt. Das einheimischen Völker vor der Kolonialzeit waren die „Bukachiku“ und die „Kaimerie“.

Der Klimawandel hat durch seine zunehmenden Niederschläge riesige Flutwellen verursacht. Die Regierung ist dabei, Deiche zu errichten, um die Stadt und besonders den touristischen Teil der Stadt vor Hochwasser zu schützen.

Die Besonderheit von Cartagena ist das Flusssystem, das den Pazifik im Westen und die Karibik im Osten verbindet. Die Flüsse führen Süßwasser, das sich mit dem Salz des Meerwassers mischt. Die Pflanzen sind Mangrovenbäume. Die arme Bevölkerung, sehr häufig Flüchtlinge aus Venezuela, nimmt sich aus dem Bestand Holz zum Kochen.

Die Aktivisten im Netzwerk von Funsarep kämpfen für Wasser, Wald und Parkanlagen. Sie fordern die Beteiligung an der Stadtplanung. Nur durch ziviles Engagement können die natürlichen Bedingungen der Stadt erhalten und verbessert werden. Der Kampf ist umso wichtiger, da im Osten ein neuen Touristengebiet entstehen soll. Bis heute gibt es nur aggressive Pläne. Die Bewohner der betroffenen Viertel werden nicht befragt. Früher wurden sie schlicht von ihrem Territorium vertrieben. Dort, wo heute das Touristenviertel ist, lebten früher die Fischer. Sie wurden auf die der Küste vorgelagerten Inseln umgesiedelt. Die afro-kolumbianische Bevölkerung musste ebenso weichen. Sie wurde gnadenlos aus der Innenstadt vertrieben. Wir besuchen später die Viertel wie z.B. Santa Rita, Cerro Fresco und Angola, die sie heute bewohnen.

Wie wird Cartagena regiert? Die Abgeordneten werden für vier Jahre gewählt. Nur wenige halten die vier Jahre im Amt durch. Die meisten müssen das Amt vorzeitig wegen Korruption aufgeben. Es geht eher um Geschäfte machen, also darum „Deals“ abschließen als um große Politik. Ein schönes Beispiel für die Verhältnisse ist die Stadtruine inmitten der Stadt.

Das Hochhaus wurde mit Geld der UN ohne Genehmigung gebaut. Die UNESCO hat Einspruch erhoben und den Bau gestoppt. Die „Ruine“ wird demnächst abgerissen.

Cartagena ist UNESCO Weltkulturerbe. https://www.weltkulturerbe.com/suedamerika/kolumbien/cartagena.html

Wir fahren vom Berg La Popa weiter in das Viertel Santa Rita. Aus Sicherheitsgründen werden wir von zwei Polizisten auf dem Motorrad eskortiert. In dieses Viertel fährt kein Bus, kein Taxi. Es gilt als unsicheres Gebiet. Die Bewohner fahren mit privaten Motorrädern in das Viertel. Das Viertel wird „Cerro Fresco“ genannt  – der kühle Berg.

Felicidas hat den Verein „Mesa por la defensa territorial del cerro de la Popa” – Runder Tisch zur Verteidigung des Gebietes des Berges de la Popa - gegründet.

Wir können mit den drei Leader sprechen.

Sie führen verschiedene Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen in deren Freizeit durch. Die Kinder, die wir gestern bei Funsarep getroffen haben, wohnen hier im Viertel San Rita und werden hier betreut. Früher gab es hier keinen sicheren Ort, kein Raum zum Spielen für Kinder. Heute gibt es sichere Orte für die Kinder. Das Vereinshaus ist ein Beispiel. Hier im Haus und im Innenhof sind die Kinder sicher. Hier werden Workshops und andere Aktivitäten (Sport, Spiel, Mitmach-Aktionen) durchgeführt. Die Kinder haben die Schönheit ihres Viertels erfahren und schützen den Ort gemeinsam und mit Unterstützung der engagierten Personen. Sie organisieren Umweltschutzaktionen und schaffen sich sichere Räume im Viertel. Probleme werden angesprochen und eine Lösung wird zusammen mit Funsarep und den Betreuer*innen des Vereins gesucht. Sie vernetzen sich mit anderen Kindern aus der Nachbarschaft und geben ihre Erfahrungen an sie weiter. Die Kinder des Viertels besuchen Workshops, in denen sie malen lernen, sich über Umweltschutz und Sicherheit informieren können. Zum Thema Sicherheit haben sie beispielsweise einen Plan ausgearbeitet, wie sie sich im Falle einer Bedrohung oder eines Vorfalls verhalten sollen. Es gibt eine Liste mit Vertrauenspersonen, an die sie sich wenden können. Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit im Viertel wurden gemeinsam durchgeführt, beispielsweise Pflanzen zuschneiden, dass sie nicht mehr als Verstecke für Diebe und Gewalttätern genutzt werden können.

Eine Gruppe von Mädchen zwischen 8 und 17 Jahren haben sich zusammengeschlossen und sich den Namen „Mädchen ohne Angst – Mädchen mit eigener Stimme“ gegeben. Sie haben sich die Arten der Gewalt näher angeschaut und Strategien entwickelt, die Risiken zu minimieren. Über die Gewalt zu sprechen, sich Hilfe von den Vertrauensfrauen zu holen und die Probleme zu artikulieren, hat ihnen sehr geholfen. Sie geben ihre Erfahrungen an andere Kinder und Frauen weiter und bauen so ein Netzwerk auf. Es gibt auch eine Gruppe mit Kindern alleinerziehender Mütter, die Handarbeiten gemeinsam durchführen und über ihre Probleme sprechen. Sie betreuen die Kinder, wenn die Mütter wichtige Termine wahrnehmen müssen.

Studenten*innen von Schulen und Universitäten sind ebenso im Verein engagiert. Regelmäßige Treffen und selbstorganisierte Aktionen zum Umweltschutz wie Mülleinsammeln und Aktionen zur Sicherheit wie Schutzräume schaffen, finden statt. Jede Woche bietet der Verein einen Workshop zum Thema Gewalt gegen Frauen in Kooperation mit Funsarep an. Die Risiken der Drogen, des Drogenhandels und der Prostitution werden angesprochen. Die Mädchen „lernen NEIN zu sagen“.

Die Sicherheit hat sich durch die getroffenen Maßnahmen und durch die Vernetzung der Bewohner des Viertels, soweit erhöht, dass sich heute die Kinder im Viertel zu Fuß bewegen können und z.B. ohne Begleitung von Erwachsenen in die Schule gehen können.

Material sei knapp, wurde uns mitgeteilt. Hier würde Geld zur Unterstützung der Workshops sehr gut helfen.

Wir fahren weiter zum Markt Santa Rita. Der Markt hat eine bewegende Geschichte. Die Ladenbesitzer*innen und Verkäufer*innen betreiben ihr Geschäft in festen Ständen. Sie sind alle Selbstständige. Funsarep unterstützt sie bei der Durchsetzung und Verteidigung ihres Marktes. Viele Märkte wurden in den letzten Jahrzehnten aufgegeben, da sie nicht in das touristische Bild passten. Durch den Kampf seit 2006 wurde in 2010 ein hoher Geldbetrag von der Regierung zur Verfügung gestellt. Zusätzlich wurden Darlehen aufgenommen. Der Markt ist wichtig, da hier im Viertel sehr viele armen Menschen wohnen. Sie kommen hier zusammen, kaufen ein, diskutieren und schließen neue Kontakte. Wir sprechen mit einigen Verkäuferinnen und spüren den Spirit von Kampf und Solidarität.

Wir essen im Marktrestaurant – ein großer offener Raum.

Der Müll und das Meer, der Fisch und der Mensch.

Wir fahren weiter in das Viertel "Angola". Das Wohngebiet liegt direkt an dem Mangrovenfluss und der Lagune. Was bedeutet der Fluss für die Gesellschaft, was für die Kinder?

Das Problem ist die Verschmutzung des Wassers durch Müll, der durch das bewegte Wasser des Flusses mit der offenen Verbindung zwischen Pazifik im Westen und der Karibik im Osten, an die Ufer geschwemmt wird.

Die Kinder wissen um die Bedeutung einer sauberen und gesunden Umwelt. Sie nehmen an Aktionen teil, um den Fluss und die Ufer zu reinigen und sauber zu halten. Die fünfzehn anwesenden Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren berichten uns von ihren Erfahrungen durch Sammeln von Müll und Reinigen der Ufer. Sie wohnen alle hier und schaffen sich saubere Räume zum Spielen und Sporttreiben. Israel von Funsarep stellt kurz terre des hommes vor. Kelly, eine der drei anwesenden Leiterinnen der Kinder- und Jugendarbeit, ist schon seit 15 Jahren in Angola und nennt die Risiken von Banden und Drogen, die in der Vergangenheit das Straßenbild dominierten. Heute ist die Straße sicher. Die Kinder haben heute einen geschützten Raum. Das ist mit ein Ergebnis von Funsarep, unterstützt durch terre des hommes, und des Aktionsbündnisses "Autentico & No Violento" (authentisch & gewaltfrei) mehrerer NGOs. Das Konzept beruht auf einem Buch von terre des hommes. Hier wird von Empowerment der Kinder und Jugendlichen gesprochen. Sie lernen ihre Rechte kennen und sie werden unterstützt, diese durchzusetzen. Die Kinder selbst bringen anderen Kindern bei, wie sie sich engagieren können. Sie werden ermuntert, an Aktionen zum Recht auf eine gesunde Umwelt mitzumachen. Diese Aktivitäten sind auf die Kinder des Viertels und deren Nachbarschaft bezogen. Gegenüber, am anderen Ufer des Flusses, stehen Apartment-Hochhäuser. Hier wohnen die Besserverdienenden. Es gibt zu der oberen Schicht keine Verbindung.

Telma, die zweite Betreuerin der Gruppe berichtet, dass die Müllbeseitigungsaktionen der Kinder auch schon durch die städtischen Behörden unterstützt wurden, in dem sie große Maschinen bereitgestellt haben, um große Mengen an Müll zu beseitigen. Positiv kamen die Bepflanzungsaktionen der Kinder an. Der Mangrovenwald braucht Schutz und Neubelebung durch neue Pflanzen, die die Kinder setzen. Telma arbeitet auch mit Frauen, da diese besonderen Schutz benötigen.

Die Kinder haben heute ihre Werkzeuge mitgebracht und beginnen zu fegen und Müll einzusammeln und in Säcke zu packen. Wir sagen Danke für ihr Engagement und übergeben mitgebrachte Geschenke, so z.B. den Globus, mit dem wir die Länder Kolumbien und Deutschland den Kindern zeigen. Sie haben großen Spaß und bedanken sich für unsere Unterstützung.

Bilder und Text: Kurt Lehberger, 15.2.2024

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