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Anden: Gletscherschmelze nimmt zu

Das Wasser wird knapp

Die Zahlen sind alarmierend und eigentlich müsste schnell gehandelt werden. Doch die am 16. April im EU-Parlament gestoppte Reform des Emissionshandels macht dem Klimaschutz einen Strich durch die Rechnung. Die von der EU-Kommission eingebrachte Verordnung sah vor, CO2-Zertifikate vom Markt zu nehmen und dadurch die Nachfrage und somit auch ihren Preis zu erhöhen. Dies wäre ein Anreiz für Unternehmen, in klimafreundliche Energien zu investieren. Doch der Vorstoß wurde von einer knappen Mehrheit der EU-Parlamentarier abgelehnt.

Dabei ist allgemein bekannt, dass die Begrenzung von Klimawandel und Erderwärmung nicht auf morgen verschoben werden darf. Projektpartner von terre des hommes berichten, dass besonders arme Familien unter den verschärften Klimabedingungen leiden. Erst kürzlich hat eine Studie zum Abschmelzen der Gletscher in den Anden aufgezeigt, dass die meisten Gletscher, die unter einer Höhe von 5.000 Metern liegt, in den nächsten Jahrzehnten verschwunden sein werden.

Grund hierfür ist die durch den Klimawandel steigende Temperatur, die Antoine Rabatel, Umweltwissenschaftler aus Grenoble und Verfasser der Studie, im Zeitraum von 1950 bis 1994 mit durchschnittlich 0,7 Grad Celsius angibt. Das hat dazu geführt, dass in Peru bereits alle Gletscher, die unter 5.100 Metern liegen, verschwunden sind. Rabatel geht davon aus, dass die Tage der niedrig gelegenen Gletscher der Andenregion gezählt sind: »Da die maximale Dicke dieser kleinen, in niedrigeren Höhenlagen gelegenen Gletscher selten mehr als die 40 Meter überschreiten, kann es sein, dass diese durch den derartigen jährlichen Verlust in den nächsten Dekaden komplett verschwinden werden«, heißt es in der Studie.

Für die in den Anden lebenden Kleinbauern und indigenen Bevölkerungsgruppen bedeutet das ganz konkret: Das Wasser wird knapp. Denn das Schmelzwasser der Gletscher dient dazu, die Felder zu bewässern. Bleibt das Schmelzwasser aus, werden sich die  Ernteerträge deutlich reduzieren und die Familien haben nicht genug zu essen. Deshalb arbeiten Projektpartner von terre des hommes in Peru und Bolivien zusammen mit der Bevölkerung daran, natürliche Wasserspeicher zu bauen, angepasste Pflanzen zu züchten und traditionelles Saatgut wieder zu beleben, was an die besonderen klimatischen Verhältnisse der Anden angepasst ist. Doch nicht nur die Menschen in den Anden sehen sich in ihrer Existenzgrundlage bedroht. Die Gletscher in der Umgebung der bolivianischen Großstadt La Paz sind ebenfalls betroffen. Circa 15 Prozent der Trinkwasserversorgung von La Paz wird über die umliegenden Gletscher geliefert, in der Trockenzeit steigt der Bedarf sogar auf 28 Prozent an.

»Wir können nicht als einzelnes Land den Klimawandel stoppen. Dies müsste Teil einer globalen Anstrengung sein«, erläutert Wilson Suarez von der Nationalen Behörde für Hydrologie und Meteorologie in Peru und Mitverfasser der Studie. »Wir können nur durch Forschungen Szenarien projizieren und beginnen, uns auf diese Gegebenheiten einzustellen«, so sein Fazit. Ein deutlicher Appell an die internationale Gemeinschaft, endlich konkrete Taten für den Schutz des Klimas und der Umwelt in die Wege zu leiten.

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