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Eine Samba für die Kinderrechte

»Lange Zeit half ich, den Lebensunterhalt unserer Familie zu sichern. An Kreuzungen verkaufte ich Süßigkeiten oder machte artistische Kunststücke und verdiente ein paar Münzen.« Wenn der 14-jährige Roberto erzählt, reist er in seine Vergangenheit. »Eigentlich war ich gerne auf der Straße. Unsere Baracke in der Favela war mir oft zu eng. Einen Ort zum Spielen hatte ich nicht, und so tobten wir uns auf der Straße aus«, erzählt Roberto weiter. »Doch bald lernte ich die Fratze der Gewalt kennen, die das Leben auf der Straße beherrscht. Ich sah den Abgrund der Drogen, die knallharte sexuelle Ausbeutung und die zerbrechlichen Menschen, die auf der Straße ums Überleben kämpfen. Um ein Haar wäre ich auch abgestürzt. Dass das nicht passiert ist, verdanke ich meiner Mutter und dem Projekt.«

Vorkämpfer für Kinderrechte

Das Projekt, von dem Roberto spricht, ist das »Straßenkinderprojekt« in São Bernardo do Campo, einem Bezirk der brasilianischen Metropole São Paulo. Es wurde von Straßenkindern gegründet, die – unterstützt von Sozialarbeitern – gemeinsam für ihre Rechte und für bessere Lebensbedingungen kämpften. Das Projekt ist Teil des Programms »A chance to play«, das terre des hommes und der Volkswagen Konzernbetriebsrat im Vorfeld der Fußball-WM 2014 in Brasilien ins Leben gerufen haben. Mehr als 60.000 benachteiligte Mädchen und Jungen werden mit Spiel-, Sport und Lernangeboten erreicht.

Heute gehört das »Straßenkinderprojekt« in Brasilien zu den Vorkämpfern für Kinderrechte. Die Organisation versteht sich als Kollektiv von Kindern und Jugendlichen, die ihr Geschick selbst in die Hand nehmen wollen. Gemeinsam suchen sie Wege, um die im Gesetz verankerten Kinderrechte zu verwirklichen. Roberto ist eine treibende Kraft im Projekt. Er koordiniert mit anderen Jugendlichen eine Perkussionsgruppe. »Jeder bringt seine eigene Geschichte mit, die immer durch Gewalt und Ausbeutung gezeichnet ist. Gemeinsam haben wir, dass wir alle sehr gerne trommeln. Doch es geht uns um viel mehr, als nur eine gute Sambagruppe während der kurzen Karnevalszeit zu sein«, sagt Roberto. »Wir entscheiden uns mit unseren Samba-Stücken immer für ein Thema, das Bezug zu den Kinderrechten hat. Dieses Jahr natürlich zur Fußballweltmeisterschaft, denn Fußball ist mein Lieblingssport. Unsere Botschaft ist, dass die Fußball-WM kein Geschäft für wenige sein soll, sondern ein Fest für alle, egal ob arm oder reich«, erzählt Roberto selbstsicher.

Ist die Samba einmal fertig komponiert, organisieren die Kinder und Jugendlichen ihren Umzug und ziehen durch die Straßen. Auf diese Weise erreichen sie Tausende Gleichaltriger mit der Botschaft, dass auch sie sich gegen die Verletzung der Kinderrechte einsetzen können. Mit Hilfe von »A chance to play« ist das Straßenkinderprojektweit über São Bernardo hinaus bekannt geworden. Andere Organisationen laden die Sambagruppe ein, und die rebellische und hoffnungsvolle Samba der Straßenkinder tönt inzwischen durch viele Viertel von São Paulo.

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