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Mit Sport und Musik für eine bessere Zukunft

Kräftig stampfen die Jugendlichen mit dem Fuß auf. »Lauter«, ermutigt Lehrerin Tamires Ballarini die Elf- bis 13-Jährigen, »Noch lauter!« Sie üben den »Coco« ein, einen traditionellen brasilianischen Tanz. Der Kurs findet in dem knallrot gestrichenen Hauptgebäude der Organisation Gotas de Flor com Amor in Brooklin statt, einem Stadtteil im Süden der brasilianischen Metropole São Paulo.

Der Stadtteil gleicht einem Flickenteppich. Wohlhabende Menschen leben hier direkt neben den Ärmsten der Armen. So wie die Mauern und der Stacheldraht, die die Tennisplätze der Reichen vor ungebetenen Gästen schützen, trennt eine unsichtbare Wand die Kinder verarmter Familien vom Glück der Bessergestellten. Ihre Eltern, die oft arbeitslos sind oder sich als ungelernte Hilfsarbeiter durchschlagen müssen, können ihnen kein Vorbild bei ihrer Zukunftsplanung sein. Sie können ihnen kaum dabei helfen, für die Schule zu lernen oder sich auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Zudem gibt es in den engen Gassen der Armutsviertel, der Favelas, keine Beschäftigung für die Kinder und Jugendlichen. Die Teilnahme an Sportvereinen oder Nachhilfeunterricht kann sich keiner von ihnen leisten.

Kostenloses Angebot
Normalerweise haben die Kinder und Jugendlichen aus den Favelas wenig Raum für sinnvolle Freizeitbeschäftigungen. Bei Gotas de Flor ist das anders. 250 Kindern und Jugendlichen von sechs bis 16 Jahren bietet das Projekt Raum zum Spielen und Lernen. Die 42 Mitarbeiter des Zentrums geben ihnen in fünf Häusern in und in der Nähe von Brooklin Nachhilfeunterricht und Hausaufgabenhilfe, professionelle Berufsberatung und Freizeitkurse, zum Beispiel in Tanz, Theater, Musik und Sport. Die Jugendlichen lernen, wie man Papier recycelt, T-Shirts bedruckt oder Bücher bindet. Jeden Samstag wird ein Bücherei-Bus organisiert, in dem sich alle Jungen und Mädchen des Viertels mit Literatur eindecken können. Das gesamte Angebot von Gotas de Flor ist kostenlos - auch dank der Volkswagen-Belegschaft, die das Projekt seit 2005 mit seiner Initiative Eine Stunde für die Zukunft unterstützt.

Capoeira und Gitarre
Erschöpft gehen die Mädchen und Jungen vom Tanzkurs in die Pause. Ich liebe Bewegung und Musik, erzählt die zwölfjährige Alexsandra, die das Angebot von Gotas de Flor nutzt, seit sie sechs Jahre alt ist. Ich habe schon Capoeira getanzt, und Gitarrenunterricht nehme ich hier auch. Das tut gut, denn zuhause darf ich nie so einen Krach machen! So richtig auspowern kann sich auch der elfjährige Victor. Wenn er nicht tanzt, spielt er mit seien Freunden Volleyball oder Fußball.

Nicht selten teilen sich ganze Familien in den Favelas ein einziges Zimmer. Um der Enge der Wohnungen zu entfliehen, lungern viele Jugendliche an Nachmittagen und Wochenenden untätig auf den Straßen herum. Langeweile und Perspektivlosigkeit machen aus ihnen leichte Beute für Drogenbosse, die sie als Dealer rekrutieren, erzählt Denise Alves Lopes Robles, die Präsidentin und Gründerin der Jugendhilfeeinrichtung. Robles gründete Gotas de Flor im Jahr 1992. »Ich war damals als Psychotherapeutin tätig«, erzählt sie. Irgendwann hatte ich es satt, immer nur denen zu helfen, die es sich leisten können. Sie sprach Jugendliche auf der Straße an, begann, mit ihnen zu arbeiten. Doch bald erkannte sie, dass es für viele von ihnen bereits zu spät war. Haben die Jungen und Mädchen sich erst einmal daran gewöhnt, von einem Tag auf den anderen zu leben, ist es schwer, sie umzustimmen. Mit dem Drogenhandel verdienen viele von ihnen schließlich gutes Geld. Dass sie sich damit in Lebensgefahr begeben, und dass sie langfristig mehr davon haben, an ihren Schulnoten zu arbeiten, dafür fehlt ihnen die Perspektive.

Daher setzt Robles mit ihren Mitarbeitern von Gotas de Flor heute auf Prävention, bietet schon Kindern ab dem sechsten Lebensjahr ihre Unterstützung an. Zum Beispiel der achtjährigen Hellen. Ihr Zuhause ist das Armenviertel Comando, wo sie zusammen mit ihren Eltern und neun Geschwistern in einer Zweizimmerwohnung lebt. Der Vater, ein Bauarbeiter und die Mutter, eine Putzfrau, können die Familie eben so ernähren. Zeit für ihre Kinder haben sie kaum. Bei Gotas de Flor, wo Hellen schon seit zwei Jahren ihre Nachmittage verbringt, kümmern sich die Betreuer liebevoll um sie. Zum Beispiel in Sachunterrichtskursen, die weit über das hinausgehen, wes sie in der Grundschule lernt. Besonders gerne, erzählt das Mädchen, beschäftige sie sich mit Tieren und Pflanzen. Am liebsten mag ich Löwen. Die sind stark, und sie brauchen von niemandem Hilfe.

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