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Tatkräftig für Kinderrechte

In Kolumbien stehen sich das staatliche Militär, Guerilla und paramilitärische Gruppen seit Jahrzehnten in einem bewaffneten Konflikt gegenüber. Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung. Besonders Kinder laufen Gefahr, von einer der Konfliktparteien als Kämpfer, Helfer oder auch einfach nur Spion oder Bote zwangsrekrutiert zu werden. Sie davor zu schützen und ihnen eine Zuflucht zu geben ist das Ziel der Nichtregierungsorganisation Benposta, die mit finanzieller Unterstützung von terre des hommes seit über zehn Jahren in der Hauptstadt Bogotá und zwei weiteren Städten Jungen und Mädchen im Alter zwischen acht und 20 Jahren betreut.

Hausarbeit und Schulbesuch

Auch Tatjana lebt seit knapp drei Jahren bei Benposta, und wie für viele Kinder war Benposta auch für sie ein Rettungsanker vor der Gewalt, die ihr in ihrem Umfeld und auf der Straße täglich begegnete. Der selbstbestimmte und von den Jugendlichen bei Benposta in vielen Teilen eigenverantwortlich organisierte Alltag von Hausarbeit, Schulbesuch und Gemeinschaftsaktivitäten wie Spiel und Theater gefällt den Jugendlichen, der respektvolle Umgang miteinander und mit den Betreuerinnen und Sozialarbeitern im Projekt stärkt ihren sozialen Zusammenhalt. Auch Tatjana empfindet dies; sie ist in ihrem Auftreten erwachsener, als es ihr jugendliches Alter vermuten lassen würde. Sie möchte dazu beitragen, dass Kinder in ihrem Land besser vor Krieg und Gewalt geschützt sind, aber auch bessere Schul- und Bildungsmöglichkeiten haben. Die Chance bot sich mit dem Bericht der kolumbianischen Regierung über die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention für den Kinderrechtsausschuss in Genf. Der Regierungsbericht war sehr aus der Sicht der Hauptstadt Bogotá geschrieben, wo es durchaus Schulen und Betreuungseinrichtungen gibt. Aber was ist mit den ländlichen Gebieten, in denen Bürgerkrieg herrscht? Und Schulen zu haben, ist sicher wichtig, aber was nützen sie den Kindern, wenn die sich Lernmaterial und Schuluniformen nicht leisten können oder als Angehörige ethnischer Minderheiten ausgegrenzt und diskriminiert werden? Um dieser Darstellung etwas aus ihrer Perspektive entgegenzusetzen, hat sich Tatjana der Initiative kolumbianischer Jugendlicher angeschlossen, die einen Alternativbericht erarbeitet hat. Wir wollten zeigen, dass die Praxis, die wir erleben, eine andere ist, als das, was die Regierung in ihrem Papier beschreibt, so Tatjana. Ein anderes Beispiel: die verbindliche Entschädigung von Gewaltopfern, bei der die Regierung auf ein bestehendes Gesetz verweist. Unvollständig verwirklicht, so die Kritik der Jugendlichen, denn das gelte eben nicht für die Kinder der indigenen Bevölkerung.

Ende Januar war Tatjana auf Einladung des UN-Kinderrechtsausschusses in Genf dabei, als der kolumbianische Regierungsbericht im Ausschuss diskutiert wurde. Den Alternativbericht, an dem Tatjana mitgearbeitet hatte, hatten die Ausschussmitglieder aus 19 Ländern vorab bekommen. Der Ausschuss hat sich eine Stunde Zeit für das Gespräch mit uns Jugendlichen genommen, sagt Tatjana zufrieden. Und man hat gemerkt, dass die UN-Vertreter unseren Bericht offenbar genau gelesen haben, denn der Abgesandte der kolumbianischen Regierung wurde recht kritisch befragt, gerade auch zur Kritik, die wir geäußert hatten.

Dass sich die Lage der Kinder nach einem solchen Termin nicht über Nacht ändern wird, ist Tatjana klar. Aber es war eine große Erfahrung für sie, nach Europa zu reisen und dort als Vertreterin ihrer Altersgenossen gehört und ernst genommen zu werden. Ich werde am Ball bleiben und mich für Gerechtigkeit in meiner Heimat einsetzen, sagt sie. Das ist ihr Weg, Benposta etwas zurückzugeben und den Altersgenossen in ihrem Land zu zeigen, dass sich die Welt für das Schicksal der Jugendlichen in Kolumbien interessiert.

2.2.2015

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