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Kinder und bewaffnete Konflikte – Eine Bilanz

Mit dem Jahreswechsel endet der Vorsitz der Arbeitsgruppe im UN-Sicherheitsrat »Kinder und bewaffnete Konflikte«, den Deutschland in den letzten zwei Jahren innehatte. In Genf wurde auf einer hochkarätig besetzten Veranstaltung Bilanz gezogen. Unter anderem Leila Zerrougui, Sonderbeauftragte des UN Generalsekretärs für »Kinder und bewaffnete Konflikte« und Hans-Peter Kaul, Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, bewerteten neben Ralf Willinger von terre des hommes, der das Deutsche Bündnis Kindersoldaten vertrat, die Fortschritte der letzten zwei Jahre.

Einer der größten Erfolge der Arbeitsgruppe des Sicherheitsrates ist, dass 2011 der Beobachtungs- und Berichtsmechanismus erweitert wurde: Neben staatlichen Armeen und bewaffneten Gruppen, die Kinder rekrutieren, können nun auch solche Konfliktparteien an den Pranger gestellt werden, die Schulen oder Krankenhäuser angreifen. Sie werden jetzt auch in der sogenannten „Liste der Schande“ im Anhang des jährlichen Berichts des UNO-Generalsekretärs zur Situation von Kindern in bewaffneten Konflikten aufgeführt. In dieser Liste der Schande finden sich 2012 52 Konfliktparteien, darunter viele Oppositionsgruppen, aber auch zahlreiche Regierungsarmeen und ihre Verbündeten, letztere beispielsweise aus Burma, dem Sudan, der Demokratischen Republik Kongo oder Somalia. Insgesamt werden im Bericht über 20 Länder genannt, in denen Kinder rekrutiert, getötet, verstümmelt oder vergewaltigt werden und in denen oft auch systematische Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser stattfinden.

»Es gibt weiter etwa 250.000 Kindersoldaten in über 20 Ländern weltweit, es muss dringend mehr getan werden«, so Ralf Willinger von terre des hommes. »Beispielsweise muss die massive Verbreitung von Kleinwaffen endlich gestoppt werden, viele Konfliktgebiete dieser Welt werden regelrecht mit Waffen überflutet. Deutschland trägt dazu leider wesentlich mit bei, es ist inzwischen der drittgrößte Waffenexporteur. Waffenexporte in Krisengebiete sollten grundsätzlich gestoppt werden, sie heizen dort die Konflikte an und verursachen großes Leid und viele zivile Opfer, darunter viele Kinder. Außerdem dürfen Länder ihre Grenzen nicht vor Flüchtlingen aus Krisenregionen verschließen. Viele flüchtende Kinder und Jugendliche werden an der EU-Außengrenze oder schon vorher in der Türkei oder Nordafrika wieder in Kriegsländer wie Somalia, Eritrea, Sudan oder Afghanistan zurückgedrängt, oft mit brutaler Gewalt. In diesen Ländern sind sie in hoher Gefahr, als Soldaten rekrutiert, getötet oder verletzt zu werden. Dies muss unbedingt verhindert werden, hier sind gerade auch reiche Länder wie Deutschland und die EU in der Pflicht.«

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