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Weiden »Chancen im Bildungssystem«

Die terre des hommes-Aktiven Ursula und Jost Hess sind im oberpfälzischen Weiden in der lokalen Flüchtlingsarbeit aktiv – seit mehr als 30 Jahren. Im Interview sprechen sie über ihre Motivation und die aktuelle Situation.

Wie kam es zu Eurem Engagement in der Flüchtlingsarbeit?

1985 wurde in der Stadt Weiden das Auffanglager für Flüchtlinge eröffnet. Es gab viel Angst und Misstrauen: Viele Menschen fragten sich, ob sie noch ihre Wäsche im Garten zum Trocknen aufhängen können. Die hier untergebrachten Flüchtlinge lebten wie im Ghetto, eine deprimierende Situation. Darum gründeten wir mit ein paar engagierten Mitstreitern den Arbeitskreis Asyl. Wir wollten Vorurteile abbauen, uns aber auch konkret um die Kinder kümmern. Im Lauf der Zeit entstanden eine Kindergartenund verschiedene Schülergruppen, der sich immer mehr Kinder anschlossen.

Was genau macht der Arbeitskreis Asyl?

Etwa 70 Mitarbeiter unterstützen täglich rund 260 Mädchen und Jungen. Von der zweiten bis zur zehnten Klasse werden die Kinder hier bei den Hausaufgaben betreut. Durch schulische Unterstützung erleichtern wir den Kindern die Integration und ermöglichen bessere Chancen im deutschen Bildungssystem. Darüber hinaus vermitteln wir Kindern und Jugendlichen aber auch Werte wie Demokratie, Frieden und Menschenrechte.

Wie ist derzeit in Weiden die Situation für Flüchtlinge?

Derzeit sind etwa 320 Asylbewerber in Weiden untergebracht. Für die Kommune ist das eine finanzielle Herausforderung. Bund und Länder müssten hier mehr finanzielle Unterstützung leisten. Denn die Lebens- und Wohnbedingungen sind Asylsuchende nicht einfach: Oft leben Familien mit vier oder mehr Personen im selben Zimmer, das führt zu Spannungen. Ganz zu schweigen von den Konflikten zwischen den Flüchtlingen untereinander. Sie haben unterschiedliche Sprachen, Werte und Religionen und müssen erst selbst lernen, die Unterschiede zu akzeptieren und zu tolerieren.

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