Kaiserslautern: 40 Jahre im Einsatz

Die terre des hommes-Gruppe Kaiserslautern kümmert sich um Flüchtlinge in ihrer Stadt

Seit 40 Jahren setzt sich die ehrenamtliche terre des hommes-Gruppe Kaiserlautern für Kinder in Not ein, zurzeit vor allem für Flüchtlingskinder. Iris Stolz sprach mit Waltraut Müßig über die Aktivitäten.

Wie viele Flüchtlinge leben zurzeit in Kaiserslautern?

Etwa 1.000. Sie kommen aus Syrien, Eritrea, Somalia, Afghanistan, aus den Balkanländern und aus Tschetschenien. Die Erstaufnahme liegt am Asternweg, einem sozialen Brennpunkt. Hier sind viele Wohnungen immer noch sogenannte »Schlichtwohnungen«, in denen es kein Bad gibt und nur eine Ofenheizung. Sie werden jetzt aber umgebaut und viele sind schon saniert.

Wie sieht die Arbeit mit den Flüchtlingen aus?

Zuerst haben wir in der Kleiderkammer geholfen und die Grundschulkinder betreut. Inzwischen gibt es aber Integrationslehrkräfte. Wir kümmern uns jetzt um die Kinder, während ihre Eltern Deutsch lernen. Wir begleiten sie auch zur Schule, besorgen Lehrmittel, beantragen Zuschüsse oder versuchen, einen Kindergartenplatz zu bekommen. Auch gehen wir mit den Erwachsenen zu den Ämtern, helfen beim Einkaufen und geben Sprachkurse für Flüchtlinge, die nicht lesen und schreiben können. Da tauchen schon mal Probleme auf, zum Beispiel aktuell bei einer Familie, in der die Mutter und die älteren Kinder sehr viel schneller Deutsch lernen als der Vater. Der zehnjährige Sohn ist jetzt Dolmetscher, während der Vater keine Lernbereitschaft zeigt und nach über einem Jahr Aufenthalt weder etwas versteht noch Deutsch spricht.

Welches sind die größten Probleme?

Ein großes Problem sind die vielen Sprachen. Es gibt zu wenig Dolmetscher! Auch deshalb sind Absprachen und Verabredungen oft schwierig. Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit führen bei uns Helfern zu Frust, besonders wenn es um Behördentermine geht. Und dann gibt es kulturelle Unterschiede: In einigen Gruppen darf es keinen Augenkontakt von Frauen zu Männern geben, und man gibt sich auch nicht die Hand. Auch die Erziehungsstile sind verschieden: Viele Eltern spielen wenig oder gar nicht mit ihren Kindern, und ältere Geschwister müssen früh für die Kleineren Verantwortung übernehmen. 

Macht die Arbeit trotzdem Spaß?

Ja! Es gibt viele gemeinsame Aktionen und Feste, das ist für alle bereichernd. Oft gibt es auch ganz überraschende Lernerfolge - nicht nur in der Sprache. Die meisten Flüchtlinge sind sehr dankbar für die Hilfe und fühlen sich angenommen und entlastet. Das festzustellen, ist ein schönes Gefühl.

 

 

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