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Kinderarbeit: Ausbeutung stoppen, Kinder stärken

Weltweit arbeiten 160 Millionen Mädchen und Jungen. Die Hälfte von ihnen – 79 Millionen Kinder - schuftet unter Bedingungen, die gefährlich und ausbeuterisch sind: Sie pflücken Baumwolle auf pestizidverseuchten Feldern, schürfen Gold, Mica oder Eisenerz in engen, ungesicherten Schächten, schuften zwölf Stunden am Tag in Fabriken oder sind als Dienstmädchen der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgeliefert. Für Schule und Spiel bleibt ihnen keine Zeit.

Ausbeuterische Kinderarbeit ist weltweit verboten. Die internationale Gemeinschaft hat sich mit den UN-Nachhaltigkeitszielen sogar vorgenommen, Kinderarbeit bis 2025 weltweit zu beenden. Trotz dieser Vorsätze mangelt es in Politik und Wirtschaft an Willen und Entschlusskraft: Bisher investieren Regierungen weltweit zu wenig in gute Bildungssysteme für alle Kinder. Erwachsene verdienen nur Hungerlöhne, so dass Kinder mitarbeiten müssen. Kinder aus armen Familien haben keine Lobby und kaum eine Chance, ihre Interessen durchzusetzen.

terre des hommes befreit Kinder aus ausbeuterischer Arbeit und ermöglicht ihnen eine Schul- und Berufsausbildung. Gemeinsam mit Kindern und unseren Partnerorganisationen streiten wir dafür, ausbeuterische Kinderarbeit zu beenden: Regierungen müssen in gute Bildung für Kinder aus armen Familien investieren, die gesetzlichen Mindestlöhne für Erwachsene erhöhen und Arbeitgeber in Risikobranchen kontrollieren.

Ihre Ansprechpartnerinnen

Barbara Küppers
Politik und Kommunikation
Telefon: 05 41 / 71 01-175
b.kueppers@remove-this.tdh.de

Antje Ruhmann
Referat Programme und Politik
Telefon: 05 41 / 71 01-171
a.ruhmann@remove-this.tdh.de

Was ist Kinderarbeit? Was ist Ausbeutung?

Die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen legt in Artikel 32 fest: Jedes Kind hat das Recht, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt zu werden. Was genau damit gemein ist, legt die Internationale Arbeitsorganisation IAO fest:

Ausbeuterische Kinderarbeit laut IAO-Konvention 182 aus dem Jahr 1999:

  • Sklaverei und Schuldknechtschaft und alle Formen der Zwangsarbeit
  • Arbeit von Kindern unter 13 Jahren
  • Kinderprostitution und -pornografie
  • Einsatz von Kindern als Soldaten
  • Illegale Tätigkeiten, wie zum Beispiel Drogenschmuggel
  • Arbeit, die die Gesundheit, die Sicherheit oder die Sittlichkeit gefährdet, also zum Beispiel Arbeit in Steinbrüchen, das Tragen schwerer Lasten oder sehr lange Arbeitszeiten und Nachtarbeit.

Arbeit, die die Gesundheit, Sicherheit oder Sittlichkeit eines Kindes gefährdet, ist in Artikel 3 der IAO Empfehlung 190 definiert:

  • Arbeit, die Kinder körperlichem, seelischem oder sexuellem Missbrauch aussetzt
  • Arbeit unter Tage, unter Wasser, in gefährlichen Höhen oder engen Räumen
  • Arbeit mit gefährlichen Maschinen, mit Ausrüstung oder Werkzeugen, sowie das Tragen schwerer Lasten
  • Arbeit in ungesunder Umgebung, die Kinder gefährlichen Substanzen, zu hohen Temperaturen, Lärm oder Vibrationen aussetzt
  • Arbeit unter schwierigen Bedingungen, wie etwa lange Arbeitszeiten, Nachtarbeit oder isolierte Arbeit, bei der das Kind dem Arbeitgeber ausgesetzt ist.

Weitere Informationen:
ILO Conventions on child labour (IPEC)

Wie viele Kinder arbeiten weltweit?

Die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) hat zum Welttag gegen Kinderarbeit im Juni 2021 einen Bericht über die Situation der Kinderarbeiter*innen vorgelegt. Laut IAO arbeiten in der Altersgruppe zwischen fünf und 17 Jahren weltweit 160 Millionen Kinder.

Unter ihnen sind 79 Millionen Mädchen und Jungen in gefährlicher Arbeit:

  • Sie schuften an gefährlichen Orten wie Steinbrüchen oder kommerziellen Plantagen, sie leisten Nachtarbeit oder haben viel zu lange Arbeitszeiten.
  • 89,3 Millionen Kinderarbeiter sind zwischen fünf und elf Jahren alt. Etwa zehn Millionen Kinder werden wie Sklaven gehalten.
  • Sie leisten Zwangsarbeit, zum Beispiel in Haushalten oder in der Landwirtschaft. Sie werden verkauft und gehandelt. Sie werden sexuell ausgebeutet etwa für Prostitution oder die Herstellung von Pornographie. Auch Kinderehen zählt die Internationale Arbeitsorganisation zu Sklaverei und damit zu ausbeuterischer Kinderarbeit.

Wo arbeiten die meisten Kinder? Länder und Regionen

Weltweit arbeitet etwa jedes zehnte Kind – im Durchschnitt. In den ärmsten Ländern der Welt arbeitet jedes vierte Kind, in Kriegs- und Krisengebieten sind es sogar über 30 Prozent der Kinder. Das ist der Grund, warum in Afrika südlich der Sahara sehr viele Kinder arbeiten müssen: Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es die meisten fragilen Staaten und Konflikte, allein 39 Prozent der weltweiten Flüchtlinge leben hier. Jedes vierte Kind arbeitet, insgesamt sind es 86,6 Millionen. Mit weitem Abstand folgen Nordafrika und der Nahe und Mittlere Osten mit 10 Millionen Kinderarbeiter*innen, hier arbeiten 7,8 Prozent der Kinder. Damit ist Kinderarbeit in dieser Region stark angestiegen, vor allem als Folge des Syrienkonfliktes.

Gibt es in Deutschland Kinderarbeit?

Auch in Deutschland arbeiten Minderjährige, allerdings zumeist legal: Auszubildende in Betrieben etwa oder Schüler*innen, die sich etwas dazuverdienen. In Deutschland gilt das Mindestalter von 15 Jahren. Leichte Arbeiten an wenigen Stunden in der Woche dürfen auch schon 13-Jährige verrichten, wie etwa Zeitungen austragen oder Babysitten (JArbSchG - Gesetz zum Schutze der arbeitenden Jugend). Ausbeuterische Kinderarbeit, wie sie die Internationale Arbeitsorganisation definiert, gibt es in Deutschland in Einzelfällen: Das Bundeskriminalamt berichtet von Minderjährigen, die aus dem Ausland in deutsche Bordelle verkauft werden. Andere Kinder werden für die Herstellung von Kinderpornographie benutzt. In einigen Fällen arbeiten Jugendliche illegal und nicht gemeldet gegen Hungerlöhne, vor allem auf dem Bau und im Gastgewerbe (BKA-Bundeslagebild Menschenhandel und Ausbeutung 2019).

Wo arbeiten Kinder? Sektoren

Kinderarbeit steckt in vielen Produkten: Autos, Kosmetik, Handys und Computern, Mode und Heimtextilien, Kaffee, Schokolade, Tee und Säften, Haselnüssen und Chilis. Kinder arbeiten häufig am Anfang der Lieferkette bei der Förderung oder dem Anbau von Rohstoffen: Sie schürfen Mica, das in Autos, Kosmetik und Elektronik genutzt wird. Sie ernten Baumwolle für die Modeindustrie. Sie pflücken Kakao, Kaffee oder Orangen für Lebensmittelkonzerne. Rund zehn Prozent der Kinderarbeiter arbeiten für solche Waren, die in die Weltmärkte exportiert werden.

Dabei sind viele nicht angestellt, sondern arbeiten an der Seite ihrer Eltern oder selbstorganisiert: Sie verkaufen etwa an Zwischenhändler, was sie am Tag geschürft haben. Oder sie ziehen mit ihren Eltern zur Erntezeit auf Plantagen.

Auch Kinder, die nicht für die Weltmärkte schuften, arbeiten meistens im Familienverbund oder selbstorganisiert im sogenannten informellen Sektor: Sie hüten das Vieh auf den Weiden, arbeiten auf dem Feld, betreuen kleinere Geschwister, holen Wasser oder verkaufen Snacks oder andere Kleinigkeiten auf der Straße. 70 von 100 Kinderarbeitern – insgesamt 107 Millionen - arbeiten in der Landwirtschaft, gefolgt von Dienstleistungen (31,4 Millionen) und Industrie (16,5 Millionen).

Welche Folgen hat Kinderarbeit?

Ausbeuterische Kinderarbeit schädigt die körperliche und seelische Gesundheit von Kindern und raubt ihnen die Chance auf Bildung. Auch für die gesamte Gesellschaft ist Kinderarbeit schädlich, denn sie verursacht Armut. Nicht-ausbeuterische Arbeit kann auch positive Folgen haben.

Negative Folgen von ausbeuterischer Kinderarbeit:

  • Kinder ruinieren ihre Gesundheit bei der Arbeit: In Steinbrüchen atmen sie Stäube ein, die die Atemwege nachhaltig schädigen. Auf Plantagen sind sie schädlichen Pestiziden ausgesetzt, die Kopf- und Bauchschmerzen auslösen und langfristig Krebs verursachen können. Kinder, die viel zu schwere Lasten tragen oder den ganzen Tag monotone Bewegungen ausführen, tragen Haltungsschäden davon. Kinder, die schwer arbeiten, sind chronisch müde und können sich kaum konzentrieren.
  • Viele Kinder verlieren sogar ihr Leben: Nach Angaben der IAO sterben jedes Jahr etwa 22.000 Kinder und Jugendliche bei Arbeitsunfällen.
  • Die seelische Gesundheit von Kindern ist durch schwere Arbeit und endlose Plackerei gefährdet. Hinzu kommt, dass viele Gewalt erleiden: Sie werden angeschrien, geschlagen und getreten, ihnen wird Nahrung vorenthalten oder sie werden eingesperrt. Immer wieder werden Kinder bei der Arbeit sexuell belästigt und vergewaltigt. Kinder, die dem Willen anderer Menschen völlig unterworfen sind, können nur schwer ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln. Mädchen und Jungen leiden unter Angst und Minderwertigkeitsgefühlen, trauen sich nichts zu oder verstummen. Manche Kinder begehen Selbstmord.
  • Ein Drittel der arbeitenden Kinder besucht keine Schule. Wer nichts lernt, hat kaum eine Chance auf besser bezahlte Arbeit und wird sich als Tagelöhner*in und ungelernte Arbeitskraft durchschlagen müssen. So hält ausbeuterische Kinderarbeit Mädchen und Jungen und ihre Familien in Armut fest.
  • Die Ausbeutung von Kindern schädigt die Wirtschaft eines Landes und hemmt Entwicklung: Denn aus Kinderarbeiter*innen, die keine oder schlechte Schulabschlüsse haben, werden ungelernte Arbeitskräfte. Um Produktivität zu steigern und mehr Steuern einzunehmen, brauchen Volkswirtschaften aber gut ausgebildete Arbeiter*innen.

Reich werden vor allem in der illegalen Wirtschaft einzelne Personen oder Gruppen: Mit Kinderprostitution und Kinderpornografie werden jedes Jahr Milliardenumsätze gemacht. Kinder graben im Kongo nach Coltan, das Geschäft wird von Warlords kontrolliert, die jegliche Regulierung des Bergbaus verhindern. Die internationale IT-Industrie profitiert, denn Coltan wird für die Herstellung von Laptops und Handys gebraucht.

Positive Folgen nicht-ausbeuterischer Kinderarbeit:

Die Arbeit von Kindern kann auch positive Folgen haben: Nicht jede Kinderarbeit gehört zu den schlimmsten Formen, nicht alle Kinder arbeiten an gefährlichen Orten. Kinder ab zwölf Jahren arbeiten einige Stunden am Tag und helfen entweder im elterlichen Betrieb oder leisten leichte Arbeit, wie etwa das Austragen von Zeitungen, nachbarschaftliche Hilfen oder Verkaufen von Lebensmitteln oder kleinen Dingen auf der Straße. Dank ihres Verdienstes können sie zur Schule gehen und sich Hefte, Stifte und Bücher oder etwas zu essen kaufen. Oft geht es für arbeitende Kinder darum, ihre Zeit sehr gut einzuteilen, damit sie die Schule nicht vernachlässigen und dennoch genug Einkommen erwirtschaften. Wenn sie auf dem elterlichen Hof oder im Handwerksbetrieb arbeiten, lernen sie nicht nur wichtige Fähigkeiten, sondern auch Werte, wie zum Beispiel Zusammenarbeit und Einsatz für die Gemeinschaft.

terre des hommes unterstützt arbeitende Kinder dabei, die Schule zu absolvieren und sich zu organisieren, damit sie für ihre Interessen eintreten können und nicht in ausbeuterische Arbeit abrutschen.

Warum arbeiten Kinder?

Materielle Armut ist eine Ursache für ausbeuterische Kinderarbeit: Wenn Erwachsene zu wenig Einkommen erwirtschaften und sozial nicht abgesichert sind, steigt das Risiko, dass Kinder arbeiten müssen. Weitere Ursachen sind Diskriminierung, Rechtlosigkeit und schlechte Bildungssysteme. Infolge von Vertreibung und Flucht, Krieg und bewaffneten Konflikten und der Zerstörung der Lebensgrundlagen durch Umweltzerstörung und Klimawandel verelenden ganze Regionen – Kinderarbeit ist eine Folge.

  • Schlechte Bildungssysteme: 263 Millionen Kinder gehen weltweit nicht zur Schule – denn es gibt in ihrer Nähe keine Schule oder die Familie kann sich keinen Schulbesuch leisten. Noch viel mehr Kinder lernen in der Schule kaum etwas, denn sie sitzen in überfüllten Klassen und werden von schlecht ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet. In vielen Ländern gehört die Prügelstrafe noch zum Alltag. Schulgebühren oder Kosten für Hefte, Bücher oder Internetzugang schließen Kinder aus armen Familien aus. Mädchen oder Kinder, die Minderheiten angehören, werden gemobbt und ausgeschlossen.

  • Hungerlöhne, fehlende soziale Absicherung und keine gewerkschaftliche Organisation: Erwachsene sind arbeitslos oder verdienen nur Hungerlöhne. Gleichzeitig gibt es keine soziale Absicherung, wie etwa Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Kranken- und Kurzarbeitergeld: Familien sind dann auf die Mitarbeit der Kinder angewiesen. Während der weltweiten Lockdowns in der Corona-Pandemie verloren Tagelöhner*innen und Arbeiter*innen weltweit von einem Tag auf den anderen ihr Einkommen. Überall mussten Millionen Schulkinder mitarbeiten, um den Verdienstausfall ihrer Eltern auszugleichen. Ob sie in die Schule zurückkehren können, ist unklar. Denn viele haben den Anschluss verloren oder müssen Schulden der Familie abarbeiten. In manchen Branchen gibt es eine regelrechte Nachfrage nach Kinderarbeiter*innen: Arbeitgeber*innen stellen sowohl im informellen als auch im formellen Sektor Kinder ein, weil sie dann noch niedrigere Löhne zahlen können und Kinder sich nicht gewerkschaftlich organisieren. Hilfe von staatlichen Stellen können viele Familien nicht erwarten. In vielen Ländern sind Behörden und Polizei schwach oder korrupt und profitieren selbst von ausbeuterischer Arbeit.

  • Diskriminierung: In vielen Gesellschaften werden bestimmte Gruppen diskriminiert und grundlegender Rechte beraubt. Kinder haben nur selten eine Lobby und werden in vielen Gesellschaften zu wenig beachtet. Frauen und Mädchen werden als minderwertig angesehen. Als Folge wird dem Schulbesuch von Mädchen kein Wert beigemessen, sie gelten von klein auf als Arbeitskraft ohne Rechte und ohne Stimme. Solche Diskriminierung erfahren auch Kinder aus armen Familien, Kinder aus Flüchtlingsfamilien, Migrantenkinder, Ureinwohner oder Kinder anderer Hautfarbe, ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit.

  • Krieg und bewaffnete Konflikte zerstören ein Land und treiben Menschen in die Flucht. Weltweit sind die Hälfte der Flüchtlinge Kinder. Häufig arbeiten sie, um das Familieneinkommen aufzubessern und weil sie nicht zur Schule gehen können.

  • In vielen Gegenden der Welt führt der Klimawandel zu Wetterextremen: Ernten fallen schlecht aus und Kleinbauern können nicht mehr von ihren Erträgen leben. Oft arbeiten Kinder mit oder die ganze Familie zieht in die nächstgelegene Stadt und arbeitet dort.

Was wirkt gegen Ausbeutung? Was hilft arbeitenden Kindern?

terre des hommes befreit Kinder aus ausbeuterischer Arbeit und ermöglicht ihnen eine Schul- und Berufsausbildung. Um ausbeuterische Kinderarbeit nachhaltig zu beenden und zu verhindern, dass Kinder in solche Arbeitsverhältnisse abrutschen, sind Veränderungen auf vielen Ebenen notwendig: in den Familien, der Schule und der Nachbarschaft, in Unternehmen und Behörden. terre des hommes bezieht deshalb alle ein, die die Situation von Kindern verbessern können - sowohl vor Ort, als auch international: Mütter, Väter und Geschwister, Nachbarn, Lehrkräfte und Schulleitungen, Arbeitgeber*innen, Handelsunternehmen und Verbraucher*innen. Wir alle können dazu beitragen, dass Kinder zur Schule gehen, statt zu schuften.

Wichtig sind vor allem die Kinder selbst. Sie haben das Recht, gefragt zu werden und mitzubestimmen. terre des hommes bezieht Mädchen und Jungen mit ein und unterstützt sie dabei, ihre Anliegen zu vertreten. So engagieren sich zum Beispiel im südindischen Tamil Nadu Mädchengruppen gemeinsam dafür, dass sie zur Schule gehen können und weder in einer Baumwollspinnerei arbeiten müssen, noch früh verheiratet werden. Damit sie ihre Anliegen vertreten und Politiker oder Behördenvertreter auf Probleme aufmerksam machen können, unterstützt terre des hommes in dem Projekt »Dialogue Works« (Dialog wirkt) Kinderarbeiter*innen in 15 Ländern (Homepage: Time to Talk).

Gemeinsam mit Kindern und mit unseren Partnerorganisationen fordert terre des hommes:

  • Bessere Bildungssysteme: Alle Kinder haben das Recht auf Bildung. Weltweit können 263 Millionen Mädchen und Jungen keine Schule besuchen. Regierungen und die internationale Gemeinschaft müssen mehr und wirksamer in Bildung investieren. Dabei sollte es das Ziel sein, Kindern aus armen Familien und diskriminierten Gruppen den Schulbesuch zu ermöglichen. Es braucht mehr Schulen, mehr und gut ausgebildete Lehrkräfte. Lehrpläne müssen sich an der Wirklichkeit der Schüler*innen ausrichten und Unterrichtsmethoden kinderfreundlich sein. Die Prügelstrafe muss abgeschafft werden. Besonders wichtig sind zum Beispiel kostenlose Schulmahlzeiten, gute Schulbüchereien. Schulen in Regionen, in denen viele Kinder arbeiten, müssen das Thema mit Kindern und Eltern ansprechen und zum Beispiel nachverfolgen, wenn Schüler*innen die Schule abbrechen. So sollten Schulen, die nach den Lockdowns in der Corona-Pandemie wieder öffnen, ihre Schüler*innen aktiv wieder zurückholen.
  • Existenzsichernde Löhne und soziale Absicherung für Erwachsene: terre des hommes engagiert sich zum Beispiel im Textilbündnis, damit Arbeitgeber*innen existenzsichernde Löhne zahlen: Arbeiter*innen müssen so viel verdienen, dass kein Kind der Familie mitverdienen muss und alle die Schule besuchen können. Wichtig sind auch soziale Absicherung für erwachsene Arbeiter*innen, wie etwa Kranken- und Arbeitslosenversicherung.

  • Fair Handeln: Arbeitgeber*innen vor Ort und internationale Unternehmen dürfen keine Kinder einstellen oder in ihrer Lieferkette dulden. terre des hommes-Partnerprojekte sorgen deshalb vor Ort dafür, dass Arbeits- und Gewerbeaufsicht aktiv werden und sicherstellen, dass keine Kinder ausgebeutet werden. Damit Hersteller*innen und Handelsunternehmen verantwortlich wirtschaften, haben Kinder- und Menschenrechtsorganisationen bereits in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts den Fairen Handel und Sozialsiegel entwickelt: Heute sind fair gehandelte Lebensmittel oder nachhaltige Mode überall zu kaufen. Wir bitten Sie: Greifen Sie so oft wie möglich zu Waren aus Fairem Handel oder mit einem seriösen Siegel. Motivieren Sie Ihren Verein, den Schulkiosk oder die Kantine an Ihrem Arbeitsplatz auf Produkte ohne Kinderarbeit umzusteigen. Fragen Sie in Ihrer Stadt nach, ob es eine Richtlinie für die faire Beschaffung gibt, damit zum Beispiel die Fußgängerzone nicht mit Steinen gepflastert wird, die von Kindern gewonnen wurden. Wir stellen Ihnen Produkte vor, in denen Kinderarbeit stecken kann und empfehlen Ihnen seriöse Alternativen.

Allerdings darf die Verantwortung nicht allein Verbraucher*innen aufgebürdet werden: Deshalb fordert terre des hommes gemeinsam mit der Initiative Lieferkettengesetz, dass die Bundesregierung und die Europäische Union Unternehmen verpflichten, Kinder- und Menschenrechte in ihren Lieferketten zu achten. 

Was können Verbraucher*innen gegen Kinderarbeit tun?

Ausbeuterische Kinderarbeit steckt in Lebensmitteln, Kosmetik, Autos, Haushaltsgeräten oder Mode und Heimtextilien. terre des hommes bittet Sie: Greifen Sie wo immer möglich zu Produkten aus dem Fairen Handel oder mit einem seriösen Sozialsiegel. Auf unserer Seite »Konsum ohne Kinderarbeit- Tipps für Verbraucher*innen« geben wir Ihnen einen Überblick, welche Produkte des fairen Handels es gibt und welche Siegel für bestimmte Warengruppen stehen.


Projektbeispiel

Indien
In der Falle: Kinder schürfen das Glimmermineral Mica

Das Mineral Mica schimmert, deshalb wird es in Kosmetik und Farben gemischt. Mica isoliert, deshalb wird es in Elektronikprodukten gebraucht: in Smartphones, Haartrocknern, Elektrorasierern und Autos.

Sklaverei in Mode
Im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu arbeiten mehr als drei Millionen Menschen in der Textilindustrie, darunter 300.000 Mädchen in Baumwollspinnereien. terre des hommes Partnerorganisation Care-T kämpft für faire Arbeitsbedinungen. Projekt-Informationen


Was Sie tun können

Auch Sie können etwas tun, um Kinderausbeutung einzudämmen und arbeitende Kinder zu unterstützen. Welche Möglichkeiten gibt es?

Konsum ohne Kinderarbeit - Tipps für einen fairen Einkauf

Auf unserer Seite »Konsum ohne Kinderarbeit – Tipps für Verbraucher*innen« finden Sie nützliche Informationen über fair gehandelte Produkte und die wichtigsten Siegel.

Verbindliche Regeln für Unternehmen
terre des hommes setzt sich dafür ein, dass Unternehmen verpflichtet werden, grundlegende Menschenrechte in ihren Lieferketten einzuhalten, wie etwa das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit. Wir engagieren uns gemeinsam mit 125 Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, kirchlichen Verbänden und Verbraucherverbänden in der Initiative Lieferkettengesetz.

Ihre Spende hilft im Kampf gegen Kinderarbeit

Unterstützen Sie unsere Projekte für Kinderarbeiter mit Ihrer Spende. Vor Ort kann direkt geholfen werden - auch der großen Mehrheit der Kinderarbeiter, die nicht für den Export in Industriestaaten arbeiten.


Weitere Informationen

Dialogue Works

Die Kampagne „Dialogue Works“ wurde von terre des hommes gemeinsam mit der Kindernothilfe ins Leben gerufen: „Dialogue Works“ unterstützt arbeitende Kinder in 15 Ländern dabei, ihre Anliegen gegenüber Politik und anderen Verantwortlichen zu vertreten und auch international Gehör zu finden. Mehr


Der terre des hommes-Kinderarbeitsreport 2019

Ausbeutung arbeitender Kinder jetzt beenden!

Ausbeuterische Kinderarbeit muss heute nicht mehr sein! Im Kinderarbeitsreport 2019 stellt terre des hommes erfolgreiche Strategien gegen Ausbeutung aus Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika vor und benennt Ansatzpunkte für Regierungen, Behörden, Schulen und Lehrkräfte, Städte und Gemeinden, Familien, Arbeitgeber, Gewerkschaften und Handelsunternehmen, gegen Kinderarbeit vorzugehen. Der Kampf gegen Ausbeutung ist eine Aufgabe, an der sich alle beteiligen müssen.

terre des hommes Child Labour Report 2019
What works for working children: Being effective when tackling child labour (PDF-Dokument)

terre des hommes-Kinderarbeitsreport 2019
Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und Forderungen in deutscher Sprache
(PDF-Dokument)


Maßnahmenplan für Sozial- und Umweltstandards in der globalen Textilindustrie

Als Mitglied des Bündnisses für nachhaltige Textilien hat terre des hommes eine sogenannte Roadmap veröffentlicht: einen Maßnahmenplan, der dazu beiträgt, dass die Ziele des Textilbündnisses erreicht und in der Lieferkette der globalen Bekleidungsindustrie Umwelt- und Soziallstandards durchgesetzt werden. Das Bündnis für nachhaltige Textilien wurde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen. Es hat rund 150 Mitglieder, darunter Unternehmen der Textilbranche, Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften.


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