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Kinderarbeit bei Rohstoffabbau für Fahrzeuge und Elektronik

Eine Studie von terre des hommes zeigt: Kinderarbeit beim Abbau von Mineralien für Fahrzeuge und Elektronik ist weit verbreitet.

Nach Recherchen unserer holländischen Schwesterorganisation terre des hommes ist Muskovit, ein Mineral mit glimmernden, hitzebeständigen und isolierenden Eigenschaften, in der Automobil- und Elektronikbranche weit verbreitet. Allerdings ist den Herstellern kaum oder überhaupt nicht bewusst, wie viel Muskovit in ihren Produkten steckt und unter welchen Bedingungen es gewonnen wird: Kinderarbeit ist beim Muskovitabbau weit verbreitet, und die wachsende Nachfrage nach Muskovit lässt befürchten, dass dadurch Kinderarbeit weiter zunimmt. terre des hommes fordert angesichts dieses Missstands ein gemeinsames Vorgehen von Regierungen, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen.

Recherchen zu weltweitem Abbau
Im Bericht »Global mica mining and the impact on children’s rights« (globaler Muskovitabbau und dessen Auswirkung auf die Rechte von Kindern) untersucht terre des hommes die Gesamtproduktion von Muskovit und das Ausmaß von Kinderarbeit beim Abbau in 20 Ländern. Ergebnis: Der Abbau von Muskovitblättchen ist sehr aufwendig und wird von den Ärmsten und deren Kindern verrichtet. Klassische Abbau-Länder sind Indien, Madagaskar, China, Sri Lanka, Pakistan und Brasilien. Indien und Madagaskar, wo 90 Prozent der Minen illegal sind, sind weltweit die größten Exporteure von Muskovitblättchen, allein in Indien arbeiten 22.000 Kinder im Muskovitabbau.. Die Arbeitsbedingungen in den illegalen Minen sind extrem schlecht, viele Kinder kollabieren unter der Last der Arbeit und angesichts von schädlichen Auswirkungen auf ihre Gesundheit. Besonders gefährlich ist der beim Hämmern freigesetzte Muskovitstaub, der die Lungenkrankheit Silikose (»Staublunge«) verursacht.


Muskovit in 15.000 Fahrzeugteilen
Mit einem Anteil von 26 Prozent ist die Elektronikbranche (einschließlich der Fahrzeugelektronik) der größte Abnehmer von Muskovit, gefolgt von der Farb- und Beschichtungsindustrie mit einem Anteil von 24 Prozent. Muskovit ist in Produkten wie Fönen und Rasierern enthalten, aber auch in Smartphones, Laptops, Computern und allen Geräten mit Platinen. Einer der befragten Fahrzeughersteller gab an, dass in 15.000 Fahrzeugteilen Muskovit enthalten sei. Synthetisches Muskovit hat einen Marktanteil von 10 Prozent und wird hauptsächlich in der Kosmetikindustrie für die Herstellung von Schminke verwendet. Analysen ergaben, dass synthetisch hergstelltes Muskovit derzeit keine brauchbare Alternative zu natürlichem Muskovit bietet.

Privatsektor
Den wenigsten betroffenen Unternehmen ist bewusst, dass ihre Produkte einen Rohstoff enthalten, bei dessen Gewinnung Kinder ausgebeutet werden. Diejenigen, die es wissen, haben keine Strategie, um mit dem Problem umzugehen. terre des hommes wird sich dafür einsetzen, dass Muskovit nur noch in legalen und damit staatlich kontrollierten Minen von Erwachsenen unter sicheren Bedingungen und zu fairer Bezahlung abgebaut wird. Alle Kinder sollen aus ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen befreit werden und die Chance haben, zur Schule gehen. Die betroffenen Unternehmen fordert terre des hommes auf, ihre Lieferkette kritisch zu überprüfen und Kinderarbeit sowie den Abbau von Muskovit in illegalen Minen kategorisch auszuschließen.

(Die Studie wurde erstellt vom Centre for Research on Multinational Corporations (SOMO) in Zusammenarbeit und im Auftrag von terre des hommes.)

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