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Brand- und Gebäudeschutz in Bangladesch

Nur eine von zehn Nähereien in Bangladesch soll sicher sein – mangelnder Brandschutz, fehlende Notausgänge und marode, illegal aufgestockte Hochhäuser sind die Regel. Bisher hatte die Regierung des Landes nicht für die Umsetzung der eigenen Gesetze im Hinblick auf Sicherheit gesorgt und auch die staatlich festgelegten Mindestlöhne niedrig gehalten. Korruption und Eigeninteresse – mehr als die Hälfte der Parlamentsabgeordneten besitzen Textilfabriken – spielen eine Rolle.

Die Internationale Arbeitsorganisation, die Gewerkschaftsdachverbände IndustriAll und UNI Global Union sowie 70 internationale Markenfirmen und Textilhandelshäuser wollen nun die Sicherheit in den Fabriken verbessern. Dazu werden die Unternehmen bis zum 15. Juli ihre Lieferanten offenlegen und die Betriebe auf Brandschutz und Gebäudesicherheit prüfen. Ein Schnellverfahren tritt in Kraft, wenn ernste Gefahren gemeldet werden: Betriebe können geschlossen werden, Schäden müssen sofort behoben werden. Die beteiligten Unternehmen stellen bis zu 500.000 Euro pro Jahr für Umbauten und Reparaturen zur Verfügung. Geleitet wird die Umsetzung des Abkommens von einem Lenkungsausschuss mit Vertretern der beiden Gewerkschaften, der Handelskammer von Bangladesch, der IAO und vier Handelsunternehmen. Unter den beteiligten Unternehmen sind namhafte Marken wie Aldi, C&A, H&M, die Otto Group, Inditex, PVH Corp, S. Oliver und Tchibo.

terre des hommes begrüßt das längst überfällige Abkommen als ersten Schritt, dem jedoch weitere folgen müssen. Dazu gehört neben den erforderlichen Sicherheitsbestimmungen vor allem die faire Entlohnung der Arbeiterinnen und Arbeiter. In Bangladesch arbeiten 3,5 Millionen Menschen in der Textilindustrie zu Hungerlöhnen. Ein existenzsichernder Lohn liegt nach Berechnungen der Asia Floor Wage Campaign, einer Kampagne für einen fairen Grundlohn in Asien, viermal so hoch wie der staatlich festgesetzte Mindestlohn von 30 Euro im Monat. Notwendig wäre ein Monatslohn von mindestens 120 Euro. Existenzsichernde Löhne für Textilarbeiterinnen bedeuten dabei nicht, dass Textilien für Verbraucher in Deutschland unbezahlbar werden. Nur etwa zwei Prozent des Ladenpreises sind Arbeitskosten. Ein T-Shirt in Deutschland würde gerade einmal zwischen 20 und 50 Cent teurer.

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