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Zwischen Hoffnung und Desillusionierung

terre des hommes organisiert Side Event zum UN-Menschenrechtsrats in Genf zur Situation sahrauischer Jugendlicher

Die Westsahara, seit 1975 widerrechtlich von Marokko besetzt, wird durch den längsten militärischen Wall der Welt geteilt. Er wird als »Wall der Schande« bezeichnet und trennt die Nation der Sahrauis. Während die sahrauischen Flüchtlinge von humanitärer Hilfe abhängig sind, beutet Marokko die reichhaltigen natürlichen Ressourcen der Westsahara aus, ohne dass die sahrauische Bevölkerung davon profitiert.

Nach 16 Jahren bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen Marokko und der sahrauischen Befreiungsbewegung Frente POLISARIO entsandten die Vereinten Nationen 1991 die UN-Friedensmission MINURSO in die von Marokko annektierten Gebiete der Westsahara. Die MINURSO-Mission hatte das Mandat, ein Referendum zur Selbstbestimmung des Gebietes zu organisieren und durchzuführen.

Auf dieses Referendum warten die Sahrauis bis heute. Im Jahr 2014, 23 Jahre später, ist die Situation der sahrauischen Bevölkerung weitgehend unverändert. Die Jugend der Sahrauis lebt heute entweder in Flüchtlingslagern in Südwest-Algerien, in der annektierten Westsahara und oder in der Diaspora. In den Lagern wächst eine neue Generation heran, für die eine Rückkehr in die besetzte Westsahara, wo systematisch Menschenrechte verletzt werden, unvorstellbar ist.

Der Status der Westsahara ist immer noch offen; die Hoffnung der Sahrauis, nach einem Referendum in eine befreite Heimat zurückkehren zu können, hat sich nie erfüllt. Die hinterlässt bei ihnen nach Jahren Gefühle der Enttäuschung und Niederlage.

Die Lebensbedingungen in den Lagern, die mitten in der Sahara liegen, sind extrem schwierig. Zwar haben viele Jugendliche dank der Unterstützung der sahrauischen Exilregierung eine recht gute Berufsqualifikation, doch gibt es in den Lagern für sie keine Arbeit. Die Folge: Ärzte, Ingenieure und Lehrer suchen in den Nachbarländern nach Jobs, werden dort aber wegen ihrer Herkunft vielfach diskriminiert und als Menschen zweiter Klasse angesehen. Zugleich bleibt die Gesundheitsversorgung in der Westsahara kritisch, die Investitionen in die Ausbildung der jungen Ärzte haben dem Land nichts gebracht. Wenn sie doch nach Jahren in die Lager zurückkehren, bieten sich ihnen dort kaum Verdienst- und Zukunftsaussichten.

Der Stillstand bei der politischen Lösung des Westsahara-Konflikts und die Untätigkeit der Vereinten Nationen bewirken bei den jungen Menschen Desillusionierung und Abkehr von der Politik. Sie haben jegliches Vertrauen in den Friedensprozess und den Willen der UNO, die Krise zu lösen, verloren. Um zu verhindern, dass 23 Jahre friedlichen Widerstands in Frustration und Gewaltbereitschaft enden, ist es wichtig, das Referendum endlich durchzuführen. Die Menschen brauchen ein deutliches Signal, dass die internationale Gemeinschaft ihre Verantwortung ernsthaft wahrnimmt. Der UN-Menschenrechtsrat, die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft müssen erkennbare Anstrengungen unternehmen, den Konflikt endlich zu lösen.

Die Forderungen an die UN:

  • ein klares Mandat der UN-Mission MINURSO, die über die Einhaltung der Menschenrechte in der besetzten Westsahara wachen muss,
  • regelmäßige Besuche der besetzten Westsahara durch Mitglieder des UN-Menschenrechtsrates, um die Lage vor Ort zu untersuchen, Beschwerden entgegen zu nehmen und dem UN-Menschenrechtsrat vorzutragen,
  • Vorgaben und Kontrollinstanzen der UNO, die sicherstellen, dass die Bodenschätze und natürlichen Ressourcen der Westsahara (Phosphat, Fischerei) nicht länger einseitig durch die Besatzungsmacht Marokko ausgeplündert werden, sondern dass die Bewohner vom Reichtum des Landes  profitieren.

12.3.2014

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